Montag, 20. Juni 2011

[Rezension] ► Bettina Belitz - Scherbenmond



ScherbenmondOriginaltitel: Scherbenmond
Erscheinungsjahr: 2011 (Script5)
Preis: 19,95€ (Hardcover)
Seiten: 686
Reihe: Splitterherz #2 || Spoiler-Gefahr für Vorgänger
Erster Satz: "Diesmal ist es anders."
Klapptext

Längst ist der Sommer vergangen, der Elisabeth Sturm die Augen öffnete für die gefährliche Welt der Mahre, der Sommer, in dem sie sich in einen von ihnen verliebte. Seit Monaten ist Colin nun verschwunden und Ellie quält sich durch einen nicht enden wollenden Winter. Die Tage tröpfeln gleichförmig vor sich hin, in den Nächten dagegen wird Ellie von Albträumen heimgesucht, die sie verstört zurücklassen. Um auf andere Gedanken zu kommen, quartiert Ellie sich bei ihrem Bruder in Hamburg ein. Doch sie erkennt Paul kaum wieder: Er wirkt erschöpft und gehetzt und scheint etwas vor ihr zu verbergen. Je mehr sie in Pauls Welt eintaucht, desto deutlicher überkommt Ellie ein Gefühl der Bedrohung und plötzlich weiß sie nicht mehr, wem sie noch trauen kann. Sie ahnt nicht, dass ihre Sorge um Paul und ihre Liebe zu Colin sie tiefer verletzen könnten als der abgründigste Traum…

Rezension

Für mich war "Splitterherz" eines der absoluten Highlights 2010 mit seiner Gestaltung, dem wunderbaren Stil der Autorin und nicht zuletzt natürlich wegen Colin und Ellie. Dieses Buch hatte mich schlicht weg verzaubert und dementsprechend hoch waren meine Erwartungen an "Scherbenmond". Zu hoch, wie sich leider herausgestellt hat.
Den Vorgänger habe ich in einer Nacht durchgelesen, weil ich einfach nicht genug bekommen konnte. Ich kann es gar nicht richtig in Worte fassen, aber die Beziehung zwischen Colin und Ellie hat auf mich mit ihrer einzigartigen Atmosphäre einen unwiderstehlichen Sog entwickelt. Und diese ganz besondere Stimmung hat mir hier leider komplett gefehlt. Hauptverantwortlich dafür war Ellie, aus deren Sicht auch dieser Band erzählt wird. Erwachsener mag sie vielleicht geworden sein- reifer leider nicht. Colin ist spurlos verschwunden und auch von ihrem Vater hat sie schon lange kein Lebenszeichen mehr erhalten. Dementsprechend schlecht geht es ihr und das zeigt sie ihrer Umwelt (und damit leider auch dem Leser) nur zu deutlich. Sie ist depressiv und zickig; weint, wimmert, schreit und brüllt. Und wenn sie nicht gerade dabei ist, in Tränen auszubrechen, dann haben ihre Mitmenschen exakt das zu tun, was ihr gerade in den Kopf kommt. Das hat anfangs noch eine sehr emotionale Atmosphäre geschaffen, aber damit war es bei mir bald vorbei. Auch wenn wir immer wieder Erklärungen für ihr Verhalten bekommen (dafür scheint Tillman hier hauptberuflich verpflichtet worden zu sein) und ihre Verzweiflung irgendwo nachvollziehbar ist, wurde es mir irgendwann einfach zu viel. Nichts Besseres, um den Lesespaß möglichst klein zu halten, als eine Hauptperson, die man permanent schütteln möchte . Umso besser gelungen fand ich da die Nebencharaktere, die Ellie begleiten. Allen voran Tillman, der zunächst nur notgedrungen zu ihrem Unterstützer, bald aber schon zu einem Freund wird. Und natürlich die Reporterin Gianna, auf die Ellie durch einen Hinweis ihres verschollenen Vaters trifft. Mit ihrer italienisch-temperamentvollen, chaotischen Art war sie ein absoluter Garant für jede Menge Witz! Ich liebe ihren Charakter . Aber ist es nicht bezeichnend, dass ich mich meistens mehr auf Szenen mit ihr, als mit Colin und Ellie gefreut habe?
Als Colin wieder auf der Bildfläche erscheint, wird Ellie unter unglücklichen Umständen mit Schatten seiner Vergangenheit konfrontiert und das reißt zunächst einen tiefen Graben zwischen den beiden. Und später hat dann für mich der sexuelle Part einen zu großen Stellenwert bekommen. Bei den ohnehin wie gewohnt rar gesähten Szenen zwischen den beiden, wurde aufkeimende Romantik meist durch Colins Hand in Ellies Höschen erstickt- falls sie nicht ohnehin gerade nackt war. Ich bin die Letzte, die etwas gegen die ein oder andere nicht ganz jugendfreie Szene hat. Aber bitte mit Stil, Atmosphäre und nicht pausenlos. Sie haben Sex, wollen Sex, reden über Sex (...) Dabei bleibt ihre nach wie vor unter keinem guten Stern stehende Beziehung leider auf der Strecke. Ich hatte hier kein Herzklopfen, keinen erhöhten Pulsschlag- die beiden konnten mich einfach nicht berühren.
Gleiches gilt für die Handlung. Ellie wird von ihrem Vater in einem Brief zu seiner Nachfolgerin in Sachen Mahr-Mission ernannt. Doch als sie sich dieser Aufgabe widmen will, stößt sie auf gefährliche Geheimnisse im Leben ihres Bruders. Dabei widmet sich die Autorin dieses Mal weit anspruchsvolleren bzw. düstereren Themen: Gewalt, Depressionen, Süchte, Drogen... Mir war es manchmal fast etwas zu viel des Guten und mehr als einmal hatte ich das Gefühl, dass mangelnde Spannung durch einen möglichst hohen Ekel-Faktor kompensiert werden sollte. Außerdem lief mir der Plot (trotz einiger gelungener Überraschungen) zu glatt ab, war mir in seiner Grundstruktur zu vorhersehbar. Das mag in "Splitterherz" noch nicht weiter tragisch gewesen sein. Aber hier haben mich Colin und Ellie einfach zu wenig abgelenkt . Und diese "Begeisterungs-Lücke" konnte die Handlung leider nicht füllen. Daran konnte es auch nichts mehr ändern, dass die Autorin ihr hohes Niveau in Sachen Schreibstil meiner Meinung nach nicht nur gehalten, sondern teilweise sogar noch gesteigert hat.

Fazit

Für mich hat die ganz eigene, nur schwer in Worte fassbare Colin&Ellie-Atmosphäre den (unwiderstehlichen) Reiz dieser Reihe ausgemacht und sie von den zahlreichen Konkurrenten in diesem Genre abgehoben. Doch davon war hier leider erst ganz zum Schluss wieder ein Hauch zu spüren. Mir bleibt nur zu hoffen, dass mich der Abschluss der Reihe wieder verzaubern kann- "Scherbenmond" konnte es leider nicht.

Inhalt: ♥♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥♥

19.06.2011


Kommentare:

  1. Auch wenn ich hier vielleicht ein bisschen sehr spät komme - tolle Rezi, ich stimme dir volkommen zu. Elli ist einfach total verheult. Da sie sich aber im letzten Band bessern soll, habe ich doch ein bisschen Lust, den bald zu lesen. (:

    Hast du beim ersten Satz den ersten Satz aus Game of Thrones/ Die Herren von Winterfell hingeschrieben? Hab mich gerade ein wenig gewundert ^^ (;

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    1. Über Kommentare freue ich mich immer ^^ Aber es bessert sich im letzten Band m.E. wirklich und man versteht auch einen Teil ihres Verhaltens aus Scherbenmond etwas besser. Auch wenn es immer noch nervig ist ;-) Dem Abschluss würde ich an deiner Stelle aber auf alle Fälle noch eine Chance geben.

      Liebe Güte, habe ich tatsächlich O_O Da habe ich bei der Vorgänger-Rezi wohl nicht alles angepasst *blush* Wird umgehend korrigiert, dankeschön!

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    2. Büchern gebe ich eig. immer eine Chance, die Frage ist bloß wann (;
      Man kann ihr Verhalten dann besser verstehen? o.O Es war in Scherbenmond zwar (teilweise) begründet, aber dass sie so oft allen bloß die Ohren vollgejammert hat... Ach Elli. *Seufz*

      Nichts zu danken! (:

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    3. Sagen wir mal (ohne zu viel Spoilern zu wollen) ein klitzekleines bisschen ^^ Wobei Ellie in Dornenkuss eigentlich auch nicht "einfacher" wird, nur empfand ich sie da wieder als etwas angenehmer zu lesen ;-) Ich hätte dem Buch sogar fast fünf Sterne gegeben, es hat mich also wieder mit der Reihe versöhnt. Bei vielem wird einfach (endlich) der große Zusammenhang (auch zu Details aus den ersten Bänden) deutlich und sowas finde ich ja immer toll ^^
      Sag mir auf alle Fälle Bescheid, wie du es fandest. Würde mich sehr interessieren.

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    4. Okay (;
      Mach ich auf jeden Fall (:

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