Montag, 19. Dezember 2011

[Rezension] ► Polly Shulman - Die geheime Sammlung



Originaltitel: The Grimm Legacy
Erscheinungsjahr: 2010 (Pan)
Preis: 14,95€ (Hardcover)
Seiten: 352
Reihe: -
Erster Satz: "Es schneite große, klebrige Flocken, die mir unter den Kragen wehten, weil mein oberster Knopf fehlte."
Kurzbeschreibung

Elizabeth ist begeistert von ihrem neuen Job im Repositorium- und das liegt auch daran, dass Marc hier arbeitet, einer der attraktivsten Jungen aus ihrer Schule. Nicht ganz so begeistert ist sie hingegen von Aaron, dessen mürrische Kommentare ihr schnell auf die Nerven gehen. Doch dann erfährt Elizabeth, dass es im Repositorium etwas gibt, was spannender ist, als jeder Junge: Das Grimm-Sammelsurium. Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass darin nur Plunder aufbewahrt wird, aber die alten Tische, Spiegel und Schuhe haben allesamt magische Kräfte. Oder besser: sie hatten. Ihr Zauber wird immer schwächer- jemand scheint ihn zu stehlen. Kann es Elizabeth rechtzeitig gelingen, ihn aufzuhalten?

Rezension

Hach ja... Vielleicht führe ich doch noch eine eigene Rubrik "Cover-(Fehl)-Kauf" ein. Ich bin einfach zu oberflächlich und von Zeit zu Zeit scheint das bestraft zu gehören. So auch hier: Glanzschrift, Prägung und herrlich anschmiegsame Oberfläche bei wunderschönem Cover ließen mich wieder einmal schwach werden. Wobei ich das Buch vermutlich auch mit Supermarkttüte als Einband gekauft hätte, weil der Klapptext den Märchenfan in mir freudig hat aufquieken lassen .

Die grimmschen Märchen werden ja immer wieder gerne in allen Formen und Farben als Vorlage oder Anregung verwendet. Aber eine Art Bibliothek für die magischen Gegenstände der Geschichten (und allerlei Anderes) in den Mittelpunkt zu stellen, das nenne ich eine kreative Idee. Diese wurde von der Autorin auch wirklich toll umgesetzt und sie hat mit ihrem Repositorium eine ungewöhnliche und sehr liebevoll ausgearbeitete Kulisse für ihre Handlung geschaffen. Für alle Kenner der "Harry Potter"-Reihe: Ich konnte nicht umhin, mir das Repositorium als Mischung aus großer Halle, Gringotts und Raum der Wünsche vorzustellen. Nur besser und mit Buntglasfenster! Das System mit den verschiedenen Sammlungen und Transportmechanismen, die Organisation durch Bibliothekare und Pagen und nicht zuletzt teils sehr skurrile Besucher und Kunden: Die Szenerie liest sich wie ein spannender Traum mit Freizeitparkfaktor und hat mir wirklich gut gefallen. Dahinter stecken sehr viel Liebe zum Detail und eine gehörige Portion Begeisterung seitens der Autorin. Leider konnte der Rest des Buches für mich aber nicht halten, was das Grundgerüst versprochen hat. Vielmehr ging für mich gerade die Harmonie vieler verschiedener Ideen bei Handlung und Charakteren nahezu völlig verloren. 

Dabei war mir die Heldin Elizabeth anfangs sehr sympathisch. Ein bisschen selbstloses Aschenputtel, ein bisschen einsame Außenseiterin, öffnet ihr die Anstellung im Repositorium eine völlig neue Welt. Nicht nur, dass sie schnell Freundschaften schließt. Auch das Vertrauen, das man ihr als Pagin entgegenbringt, lässt sie aufblühen. Diese Entwicklung war schön beschrieben und ich habe Eli ihr Glück wirklich von Herzen gegönnt. Aber als die im Klapptext angedeuteten bösen Machenschaften an die Oberfläche kommen, war es damit schnell vorbei. Das Mädchen steht plötzlich zwischen den Stühlen: Kann sie ihren neuen Freunden wirklich vertrauen oder ist sie nicht in erster Linie dem Repositorium verbunden? Ihren Versuchen, beides unter einen Hut zu bringen, konnte ich leider nahezu nichts abgewinnen. Dazu war mir ihr Verhalten zu sprunghaft, ihre Handlungen nicht nachvollziehbar. Auch die vermeintlichen Feinde verstecken sich mal hier, mal dort, oder doch ganz wo anders ? Das war anfangs noch spannend, aber ab einem gewissen Punkt für mich nur noch verwirrend und anstrengend. Außerdem habe ich mich bei einigen (fantastischen) Szenen doch arg an eine bekannte Vertreterin dieses Genres erinnert gefühlt. Ich will Polly Shulman dabei keine Absicht unterstellen, ihre Geschichte ist etwas Eigenes. Aber es war mir nahezu unmöglich, nicht über die eine oder andere Parallele zu stolpern. Außerdem wurden Themen wie Freundschaft und Liebe für meinen Geschmack - falls überhaupt - zu gesondert abgehandelt. Von Elizabeths Familie zum Beispiel hätte ich sehr gerne mehr gelesen und auch bei den Beziehungen zu Gleichaltrigen, ob nun romantischer oder freundschaftlicher Natur, habe ich Tiefgang vermisst und die Charaktere hinterließen bei mir keinerlei bleibenden Eindruck. Es gab zwar auch schöne Szenen, in die ich mich gut einfühlen konnte. Aber die waren rar gesät und meist wirkte der Umgang der Figuren untereinander gestelzt und oberflächlich. Alles keine wirklich großen Mankos für ein Jugendbuch? Vielleicht. Aber in der Summe haben sie mir leider die Lesefreude genommen und Autoren wie Kai Meyer haben mir eben schon bewiesen, dass es auch für jüngere Leser besser geht.

Fazit

Eine wirklich einfallsreiche Grundidee, aus der man aber mehr hätte machen können. Für jüngere Leser sicher empfehlenswert, aber mein Fall war das Buch wegen mangelnder Logik und mehr schlecht als recht verknüpfter Fäden leider nicht.

Inhalt: ♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥♥

19.12.2011

Kommentare:

  1. Hi :) Bin gerade über deinen schönen Blog gestolpert! :) Die Frösche fetzen :D

    Und ich hatte sowas auch schon: ein Buch nach dem Cover gekauft und damit ins Klo gegriffen (siehe Firmin, usw) :D

    LG

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  2. @Ayanea:
    Dankeschön! Dafür sehen die Bücher dann wenigstens im Regal toll aus ;-)

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  3. Irgendwie... mag keiner das Buch außer mir. XD So hab ich das Gefühl. Ich fand's soooo schön, auch wenn ich erst auch nicht ganz warm mit Elizabeth geworden bin. *schulter zuck*

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  4. @Ami Li Misaki:
    Ich habe bisher viel Gutes zum Buch gelesen, du bist also nicht allein :) Aber ich bin so ein Logik-Junkee und einfach kein Freund von "Einmal Fächer schwingen und gut ist" ;)

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