Samstag, 24. August 2013

[BuchBlubb] ► Golem und Dschinn (Helene Wecker)



Feuer. 
Erde.
Freundschaft.
♠Original: The Golem and the Jinni
♠Verlag: Hoffmann & Campe (2013)
♠Seiten: 623
♠Genre: Urban Fantasy
♠Reihe: -

1st: >> Das Leben des Golem begann im Frachtraum eines Dampfers. <<
New York, 1899: Hier führt das Schicksal Chava und Ahmad zusammen, eine Frau aus Ton und einen Mann aus Feuer. Sie ist ein Golem, geschaffen von einem skrupellosen Rabbi und seit dem Tod ihres Meisters dazu verdammt, die Wünsche und Sehnsüchte ihrer Mitmenschen zu spüren. Er ist ein Dschinn, erinnerungslos und gebunden, dessen Neugierde und Leidenschaft ihm schon einmal zum Verhängnis wurden. Einzeln könnten sie gegensätzlicher nicht sein und doch entdecken sie zusammen eine Seelenverwandstchaft, die über die gemeinsame Angst, enttarnt zu werden, hinausgeht. Während sich beide ihr Leben im New York der Menschen aufbauen, gehört jede siebte Nacht Golem und Dschinn- bis sie auf ihren nächtlichen Streifzügen von ihren größten Feinden eingeholt werden und das Schicksal grausame Entscheidungen fordert...




Angeschwemmt... wurde das Buch als Rezensionsexemplar und dafür möchte ich mich ganz recht herzlich beim Hoffmann&Campe-Verlag bedanken. Ich habe das Cover gesehen, ich habe den Klapptext gesehen und alles daran rief ganz laut meinen Namen. Ich wurde das Gefühl nicht los, dass dieses Buch wie für mich geschaffen ist und ich musste es haben. Falls es auch genau so geht, dann kommt ihr hier zur Verlags-Seite.

Abgetaucht... bin ich selten in ein Buch, dessen Cover derart perfekt zum Stil der Autorin passt. Man schlägt die erste Seite auf, man beginnt zu lesen- und es ist, als würde die Zeit um einen herum stillstehen, während man selbst in gleisendes Licht getaucht wird. Frau Wecker schreibt ruhig, sie schreibt gleichmäßig und fast ein wenig distanziert. Aber ihre Geschichte ist nur auf den aller ersten Blick in monotonem Grau gehalten und wer sich darauf einlässt, der wird einer so einzigartigen, wie ungewöhnlichen Erzählerin lauschen dürfen. Ich kann nicht einmal genau sagen, was so besonders ist an ihr. Sie schreibt weder spannend im klassischen Sinne, noch effektheischend und auch nicht gefühlvoll. Und trotzdem konnte ich nicht aufhören zu lesen, trotzdem haben mich ihre Sätze teilweise bis ins Mark getroffen und trotzdem habe ich mit den Charakteren gefeiert, gefiebert und gelitten, wie nur selten. Vielleicht macht gerade das den Zauber dieses Buches aus: Es ist eine Oase der Ruhe, zwingt den Leser zu nichts- und nimmt ihn trotzdem mit Haut und Haar gefangen.


Badegäste... sind Golem und Dschinn, diese beiden ungewöhnlichsten aller Charaktere, und man kann sich ihnen einfach nicht entziehen. Allein schon die Idee ist grandios und hat für mich das Buch erst interessant gemacht: Eine Frau aus Lehm trifft auf einen Mann aus Feuer. Nur dass Chava und Ahmad so viel mehr sind, als nur eine interessante Konstellation von Fabelwesen. Die Autorin hat hier zwei Protagonisten geschaffen, die an Vielschichtigkeit ihres gleichen suchen und deren Geschichten an Kreativität kaum zu überbieten sind. Viel mehr möchte ich gar nicht verraten, denn ein großer Reiz von „Golem und Dschinn“ besteht darin, die beiden kennenzulernen und ihre Entwicklung begleiten zu dürfen. Nur so viel: Ich kann mir im Moment nicht vorstellen, dass ich in all zu naher Zukunft wieder so mitgerissen sein werde von Schicksal und Eigenheiten irgendwelcher menschlichen Charaktere. Auch die Nebenrollen wurden durchweg liebevoll gestaltet und was mir besonders gut gefallen hat, war das große Gesamtgefüge, das aus all diesen Zahnrädchen entstanden ist.

Schwimmzüge... erzählen hier nicht einfach nur von Golem und Dschinn und wer ein romantisches Märchen vor der Kulisse des amerikanischen Traums und mit fantastischen Wesen in den Hauptrollen sucht, der wird sicher nicht glücklich werden. Dieses Buch ist keine einfache Liebesgeschichte. Vielmehr berichtet Frau Wecker von Chava, die gleichermaßen zum Dienen wie zum Töten erschaffen wurde und nun ihren Platz in einer Welt finden muss, die Selbstlosigkeit nur mit Argwohn begegnet. Frau Wecker erzählt von Ahmad, der vom hohen Ross eines mächtigen Dschinns langsam auf dem harten Boden der Tatsachen von Erinnerungslosigkeit, Gefangenschaft und Unruhe landet. Und die Autorin erzählt von Chava und Ahmad und einer ganz unbeschreiblichen Freundschaft. Aber ist das alles? Mitnichten! Denn die im Klapptext angekündigte Bedrohung existiert tatsächlich und hätte alleine schon Stoff für eine großartige Geschichte gegeben: Morgenländische Mythologie und Judentum? Dunkle Künste, Rabbis und Beduinen? Dass man all das und noch viel mehr auf 600 Seiten zu einem ganz und gar außergewöhnlichen Ganzen verknüpfen kann, das wirklich bis ins letzte liebevolle Detail durchdacht ist, das beweist Helene Wecker mit „Golem und Dschinn“. Lest am besten keine Inhaltsangaben, sondern reibt an der Wunderlampe namens Buchdeckel und lasst euch davontragen!


Kein Buch für die schnelle Unterhaltung sondern eine märchenhaft anmutende Geschichte über moralische Verantwortung, das menschlichen Wesen und eine nicht-menschliche Beziehung, für die das Wort „außergewöhnlich“ erfunden sein könnte.

Inhalt: ♥♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥♥

24.08.2013


Kommentare:

  1. Oooh, das klingt aber gut! Ich bin ja, wie du weißt, im Moment buchkauffrei, aber das ist schon eines, bei dem ich schwach werden könnte... es kommt mal auf die Wunschliste!

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    1. Ich ja auch, aber Rezensionsexemplare zählen bei mir nicht *pfeif* Ich kann es aber wirklich nur wärmstens empfehlen! Es ist anders, es ist toll, du MUSST es haben! Ewig wirst du ja eher nicht buchkauffrei bleiben und wenn das nicht die ideale Belohnung dafür ist, dass du stark geblieben bist, dann weiß ich auch nicht. Da du gerne auf Englisch liest: Original-Cover und -preis können sich auch sehen lassen. Nur so als Anreiz ;)

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