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Sonntag, 10. Januar 2016

[BuchBlubb] ► Katze, Hut und Regenschirm (Joanne Harris)



Lächle!
Lache!
Lebe!
♠EN: A Cat, a Hat and a Piece of String
♠Verlag: List (2013)
♠Seiten: 304
♠Genre: Verschiedenes
♠Reihe: -

"Würziger Pinienduft, das Rauschen des Meeres und der Zuckerguss eines Törtchens, der süß auf der Zunge zergeht." In sechzehn Geschichten entführt Joanne Harris den Leser in eine Welt genussvoller Sinneseindrücke, magischer Momente und tragischer Schicksale. Sie erinnert uns daran, wie viel schöner die Welt mit ein bisschen Phantasie sein kann...
Das erfahren zum Beispiel die rüstigen Freundinnen Faith und Hope, die vom Sommerausflug ihres Seniorenheims ausgeschlossen werden. Empört und traurig finden sie sich mit ihrem Schicksal ab- ganz im Gegensatz zu ihrem erfinderischen Betreuer Chris. Wer braucht schon den "Inkontinenz-Express", wenn er sich auf eine wundervolle, amüsante Phantasiereise an die französische Atlantikküste begeben kann? 


1st: >> Wie lieb von Ihnen, dass Sie sich die Mühe machen, uns zu besuchen. <<





Angeschwemmt... wurde das Buch von einem sehr lieben Menschen zum Geburtstag. Sie hat nicht nur selbst einen vorzüglichen Buchgeschmack, sondern weiß auch, wie glücklich man mich mit einem Buch für meine Harris-Sammlung macht. Danke dir! 

Abgetaucht... bin ich voller Vorfreude. Wie konnte ich auch anders, bei einem Buch mit Namen "Katze, Hut und Regenschirm"
♥? Es wird jetzt vermutlich jene unter euch geben, deren Augenbrauen an dieser Stelle ein misstrauisches Eigenleben entwickeln. Alle anderen wissen es besser, denn Joanne Harris und ein Titel wie dieser, das kann nur eine einzigartige Lesereise werden. Ich bin nicht der größte Fan von Kurzgeschichten, aber wenn ich dabei jemandem eine Chance gebe, dann dieser Autorin. Wer z.B. "Fünf Viertel einer Orange" oder "Chocolat" gelesen hat, dem brauche ich dazu nichts mehr zu sagen. Joanne Harris besitzt das für mich einzigartige Talent, nicht nur Atmosphäre in jeden einzelnen ihrer Sätze zu packen, sondern darüber hinaus tausendundein Gefühl und noch mehr Gedanken zwischen den Zeilen mitschwingen zu lassen. Und in genau diese Art von Geschichte(n) taucht der Leser hier ein. In kurze, aber unheimlich einprägsame Erzählungen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Momentaufnahmen, Lebensgeschichten, Ein- und Überblicke; Frohmut, Liebe, Trauer, Hoffnung, (Über-)Leben, Witz und Charme- alles aufzählen zu wollen, das ist, als wolle man Wasser mit einem Sieb fangen. Ausnahmsweise muss ich deshalb dem Klapptext zustimmen: Lasst euch entführen in eine Welt genussvoller Sinneseindrücke.

Badegäste... machen diese Reise zu einem unvergleichlichen Erlebnis. Zwei rüstige Rentnerinnen, die Ungerechtigkeiten in ihrem Seniorenheim mit Witz und einer gehörigen Portion Bonny&Clyde begegnen; ein Altenpfleger, der seinen Schützlinge in ihren eigenen vier Wänden die schönsten Weltreisen ermöglicht; ein Mann, der 364 Tage im Jahr Weihnachten zelebriert; eine Mutter, die dem Geist ihres Sohnes auf Twitter folgt; ein Baby gemacht aus Zucker, Gewürzen und der Verzweiflung seiner Mutter; Kinder aus dem Kongo, die lebend überleben; Götter, Geister, Gedanken und habe ich erwähnt, dass man unmöglich in Worte fassen kann, was einen hier alles erwartet? Was ich euch aber verraten kann: Ein paar Dutzend Seiten reichen völlig aus, um den verschiedenen Charakteren Leben einzuhauchen, mit allem was dazugehört und mit noch viel mehr. Die Menschen - und ich schreibe absichtlich nicht "nur" Protagonisten - die Joanne Harris erschafft, sind allesamt irgendwie anders, ohne dass ich das so genau in Worte fassen könnte. Es sind oft Kleinigkeiten, in denen man sich wiederfindet; Träume, die man schon träumte; Situationen, die man nachempfinden kann- man fühlt sich den Charakteren einfach nahe.

Schwimmzüge... decken eine große, auf den ersten Blick zusammenhangslose Bandbreite ab. Was haben Twitter-User und obsessive Computerspieler gemeinsam mit Menschen, die um ihr Bahnhofscafé kämpfen? Wie kann nach der Geschichte einer Frau, die ihre Trauer in Kuchen und Torten erstickt, ein kleines afrikanisches Mädchen über Hunger, Leid und Kinderhandel berichten? Und was haben die Altersheim-Abenteuer zweier Rentnerinnen mit Mensch gewordenen Göttern in Manhattan zu tun? Vielleicht nichts, vielleicht alles, so genau lässt sich das nicht sagen. Mit diesen Kurzgeschichten ist es, wie mit den mehrdeutigen Bildern der Psychologie: Vermutlich sieht jeder etwas Anderes. Auf alle Fälle ist "Katze, Hut und Regenschirm" die Reise wert.


Eine ungewöhnliche, abwechslungsreiche Geschichtensammlung voller Witz, Tragik und der Magie des Alltags.
Inhalt: ♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥

10.01.2016

Montag, 11. Mai 2015

[BuchBlubb] ► AvaNinian: Fünftes Buch (Ina Norman)



Wüste... 
Oase?
Gefängnis!
♠EN: -
♠Verlag: Pomaska-Brand (2015)
♠Seiten: 466
♠Genre: High Fantasy
♠Reihe: AvaNinian #5

Unter Donovan scheint endlich Frieden eingekehrt zu sein in Dea: Adel und Volk vergnügen sich bei Tanz und Spiel, während der Handel wieder zunehmend floriert. Doch Ninian zieht es fort. Sie schließt sich einer Handelskarawane an und Jermyn bleibt nichts anderes übrig, als ihr in den Orient zu folgen. Dabei ahnt er nicht, dass diese Reise und ihre Geheimnisse ihn weiter denn je von seiner Geliebten entfernen könnte... 


1st: >> Der Meister der Rennbahn besaß ein gewisses Geschick darin, jedem Schüler einen geeigneten Lehrer und den passenden Gaul zuzuteilen. <<





Angeschwemmt... wurde das Buch vom Verlag zur Rezension. Ein ganz recht herzliches Dankeschön geht deshalb wieder an Pomaska-Brand! Zusammen mit dem fünften Band der Reihe gab es auch gleich noch eine potentiell tolle Neuigkeit: die als fünfbändig angelegte Saga wird nun doch die Sieben komplett machen und Fans von Ninian und Jermyn dürfen sich auf zwei weitere Abenteuer freuen. Dieses Mal also (noch) kein Abschiedsschmerz.

Abgetaucht... bin ich denn auch gespannt, vorfreudig, neugierig! Abschluss oder nicht, nach dem kleinen Hammer-Finale um Dunesque, Donovan und Jermyn war jetzt alles möglich! In den Orient sollte es gehen- yippieh, yippieh, doppelyeah. Ein Abstecher zu Jermyns Wurzeln war für mich längst überfällig und außerdem liebe ich alles, was mich an "Tausend und eine Nacht" erinnert. Das muss man Ina Norman auch lassen: Sie versteht es, Morgenland vor den Augen ihrer Leser entstehen zu lassen. Ob Wüstensand vor Augen, unter den Zehen oder auf der Zunge, die bildhafte Sprache der Autorin sorgt für feinstes Kopfkino in 4D und als Leser kann man die Karawane mit allen Sinnen erleben. Der Schreibstil ist kurzweilig, die Landschaft wahlweise malerisch-angenehm oder aufregend-tödlich und mehr braucht es eigentlich nicht, oder? Was soll ich sagen... Anfangs geht es einfach nicht voran. Nach der halsbrecherischen Autobahn-Fahrt in "Viertes Buch" habe ich mich auf den ersten 200 Seiten gefühlt, wie mit dem Porsche durch die Spielstraße. Außerdem macht selbst die schönste Reise nur halb so viel Spaß, wenn die Gefährten konsequent am Nörgeln sind.

Badegäste... Ninian und Jermyn fungieren nämlich als perfekter Stimmungskiller, wenn sie - siehe meine Meinung zu Band 1 - über längere Zeit nur mit sich selbst beschäftigt sind. Bei so schwierigen Charakteren ist nicht immer alles eitel Sonnenschein und ich mag diese Reihe auch unter anderem gerade wegen dieser für das Genre erfrischend ehrlichen Beziehung. Zwei, die sich streiten und hassen und anschreien und anschweigen- und eben lieben. Das knistert, das knallt, das macht Spaß! Nur sind es eben immer und immer wieder die gleichen Themen, bei denen sich die beiden in die Haare bekommen. Irgendwann möchte ich einfach nicht mehr lesen, dass Jermyn schon wieder unbegründet eifersüchtig ist und sich deshalb seitenlang wie der letzte Mensch benimmt. Auch Ninian ist aus verschiedenen Gründen nicht die beste Gesellschaft und von den liebenswerten Nebencharakteren daheim in Dea gibt es nur sporadisch Neues. Schade, besonders um Donovan in seiner neuen Rolle als durchgesetzter, aber sich eben immer noch nicht so recht durchsetzender König. Die neuen Reisebekanntschaften sind zwar durchweg interessante Figuren, aber leider auch durchschaubar und ohne den gewieften Witz eines Babitts oder die raue Treue einer LaPrixa. Lange Rede, kurzer Sinn: Ein wenig kehren die Protagonisten hier zu ihren Anfängen zurück und das ist weder schlecht gemacht, noch unbegründet, hat aber meinen Geschmack leider nicht getroffen.

Schwimmzüge... haben mir anfangs vermutlich schlichtweg falsche Hoffnungen gemacht. Ich hätte meinen linken Froschschenkel darauf verwettet, dass wir - wenn schon nicht Tillholde - Jermyns Heimat einen Besuch abstatten und er sich den Schatten seiner Vergangenheit und dem Ursprung seiner enormen Gedankenlenker-Fähigkeiten stellen muss. Stattdessen führen aber doch wieder auf die eine oder andere Weise alle Wege nach Dea. Das Pflaster dahin ist super, keine Frage. Eine Karawane mit Freund und Feind, Vertrauen und Verrat. Eine Reise mit Geistern und Gefahren, Zwist und Zweifel. Eine unbekannte Stadt mit traumhaften Blüten- und tödlichen Stacheln. Ina Norman spielt einige Trümpfe aus und die lesen sich zügig, spannend und unterhaltsam. Aber - leider - immer wieder meint sie es etwas zu gut. Ein Liebes-Fünf-Eck hätte die Geschichte z.B. genau so wenig gebraucht, wie Jermyns Egotrip, während andere Chancen - der aritische Zwerg, die uralte Ruinenstadt, Tillholdes Unglück etc. - ungenutzt vorbeiziehen.  Das ist wirklich schade. Denn so gut gedacht und gemacht der Plot auch war, hatte ich doch immer das Gefühl, dass noch viel mehr hätte erzählt werden können/müssen/wollen. Gut, dass noch zwei Bände folgen! Ich bin guter Dinge, dass es zumindest bei einigen Andeutungen nicht bei Schall und Rauch bleibt, und freue mich auf weitere Abenteuer und das "echte" Finale. Schließlich meckere ich hier auf recht hohem Niveau und ungeachtet aller Kritik liefert auch der fünfte Band wieder ungewöhnliche Fantasy vor historischem Setting, deren Idee ihresgleichen sucht.


Gute Unterhaltung, die aber leider hinter den Erwartungen an einen weiteren Höhepunkt auf dem Weg zum großen Finale zurückbleibt.
Inhalt: ♥♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥♥

11.05.2015

Samstag, 4. April 2015

[BuchBlubb] ► Lieber Linksverkehr als gar kein Sex (Kristan Higgins)



Ver-Visumt,
verlobt,
verliebt?
♠EN: The Perfect Match
♠Verlag: Mira (2015)
♠Seiten: 448
♠Genre: Romantik
♠Reihe: Blue Heron #2

Wenn die biologische Uhr jeden Tag ein bisschen lauter tickt, dich deine jahrelange sporadische Affäre aber für deine beste Freundin sitzen lässt, dann kann es durchaus zu Kurzschlusshandlungen kommen. Oder wie sonst sollte Honor es sich erklären, dass sie in eine Scheinehe mit einem völlig Fremden eingewilligt hat? Einem völlig britischen Fremden mit eigenwilligem Humor, der noch dazu so gar nicht ihr Typ ist? Zugegeben, sein Akzent könnte auch die unanständigsten Träume wahr werden lassen. Aber er kann noch so verboten gut aussehen: Zweckbeziehung bleibt Zweckbeziehung. Oder?


1st: >> An dem Tag, als Honor Grace Holland 35 wurde, tat sie das, was sie an ihrem Geburtstag immer tat. <<






Angeschwemmt... wurde auch der zweite Band der Reihe um das Wein-Dörfchen "Blue Heron" von BloggDeinBuch. Ein recht herzliches Dankeschön deshalb an dieser Stelle auch an dern Mira-Verlag! Cover und Titel der deutschen Übersetzung finde ich zwar nach wie vor - gomen nasai - zum Fremdfroschschämen, aber wie war das mit dem geschenkten Gaul? So viel also zu einem "Die Reihe lese ich bestimmt nicht auf Deutsch weiter!"...

Abgetaucht... bin ich ungeachtet schiefer Blicke meiner Mit-Bahn-Menschen aber voller Vorfreude!  Nach "Lieber für immer als lebenslänglich" war klar, hier lag Lieblings-Autor-Potential in der Luft! Oder auch nicht. Lag es an mir, der Autorin oder der neuen Übersetzerin, dass mir das Lesen weit, weit weniger Spaß gemacht hat? Versteht mich nicht falsch: die Geschichte ist amüsant, kurzweilig und stellenweise durchaus romantisch. Aber eben nicht mehr urkomisch, wie im Flug vergangen und von Amor geküsst. Nett zu lesen also, aber das gewisse Etwas hat gefehlt bzw. wurde von der Erzählerin schlicht weg in den Leseboden gestampft. Die innere Göttin einer gewissen grauphilen Studentin ist eine Sache, die inneren Eier einer 35jährigen in ihrer Midlife-Crisis etwas ganz anderes. Kurzum: Honors Humor war einfach nicht meiner und das macht es schwer, eine Geschichte zu mögen, die größtenteils von ihr erzählt wird. Wer Spaß an inneren Eier-Monologen parallel zu jeder romantischen Szene hat, der wird hieran sicher seine Freude haben. Aber für mich hat das jegliches Herzklopfen im Keim erstickt und ich habe mich lieber an den tollen Landschaftsbeschreibungen gefreut...

Badegäste... mochte ich eigentlich alle- bis auf die Protagonisten. Dazu muss ich sagen: ich liebe Listen, Textmarker und bequeme Schuhe in der Öffentlichkeit. Warum ich dann mit Honor solche Schwierigkeiten hatte? Weil die Autorin hier nicht wie im Vorgänger ein Klischee humorvoll auf die Schippe nimmt, sondern sie die biedere Karrierefrau ohne Sozialleben erbarmungslos ausleben lässt. Außerdem haben die stellenweise selten doofen Handlungen so wenig zur erfolgreichen Managerin gepasst, wie ihre Instantliebe zu den zwölf Jahren unglücklich-unerschütterlichem Verliebtsein dabor. Unstimmig und unlustig sind noch die nettesten Attribute, die mir hier einfallen. Und Tom? Wenn es nach Honor ginge, dann ist er sexy, gut aussehend, zum Küssen/Abschlecken/Ablecken/etc. Ähm, ja. Er hat ein paar helle (und sehr lustige) Momente, in denen ihr aus der Patsche hilft. Aber den größten Teil der Geschichte über gibt er erfolgreich den emotionalen Vollpfosten, dem das ja alles gar nichts bedeutet- und das auf äußerst unsympathische Art und Weise. Ich bin den Bad Boys solcher Geschichten eigentlich schon aus Prinzip verfallen und dass es hier nicht so war, sagt eigentlich alles. Einziger Lichtblick waren die Nebencharaktere. Diese Familie ist einfach ein toller Haufen und die Szenen mit ihnen sind klasse. So muss das sein und nicht mit Honor anders.

Schwimmzüge... hätten dann vielleicht ganz großes Kino werden können. Die Grundidee finde ich nämlich großartig. Die (wie auch immer und gerne über Visa-Probleme geartete) Scheinehe, die langsam, sicher und prickelnd zur wahren Liebe wird... Das ist nicht neu, aber immer wieder toll- falls gut gemacht. Falls. Die Autorin bietet zwar durchaus gute Unterhaltung und wirft von der misstrauischen Familie über einen launischen Sohn bis zum überraschenden Kontrollbesuch der Behörden einiges in den Ring. Aber gerade weil diese Geschichte schon so oft erzählt wurde, hatte ich mir mehr erhofft, als die guten alten Klassiker. Mehr Ideen und vor allem mehr emotionale Entwicklung. Annäherung, Vorfreude, Knistern? Selten. Und falls doch, dann nicht von Dauer. Klingt alles sehr subjektiv? Ist es auch. Wer eine nette Geschichte sucht und sich von Stolpersteinen nicht beeindrucken lässt, solange nur "Happily Ever After"-Garantie inbegriffen ist, der könnte hier durchaus seinen Spaß haben. Aber mich haben Honor, die Geschichte und vor allem Honors Geschichte maßlos enttäuscht.


Sturzflug vom siebten Erwartungshimmel in die harte Realität der unsympatischen Charaktere. Funken, wo seit ihr?!
Inhalt: ♥♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥♥

04.04.2015

Sonntag, 8. März 2015

[BuchBlubb] ► Red Rising (Pierce Brown)



Blut.
Tränen.
Rache!
♠EN: Red Rising
♠Verlag: Heyne (2014)
♠Seiten: 560
♠Genre: Dystopie
♠Reihe: Red Rising Trilogy #1

Die Menschheit hat der Erde längst den Rücken gekehrt und ist dabei, die Planeten bewohnbar zu machen. Das zumindest glaubt Darrow, der in den untergründigen Minen des Mars sein Leben riskiert, um das Terraforming zu ermöglichen. Was er nicht weiß: Der Mars ist längst erschlossen und die Oberschicht lebt in verschwenderischem Luxus, erkauft mit Blut, Schweiß und Tränen der unwissenden "Roten" Arbeiterschicht. Erst als Eo, die Liebe seines Lebens, sich gegen die Unterdrückung auflehnt, werden die Karten neu gemischt. Darrow wird in das legendäre Institut der "Goldenen" eingeschleust, das Zentrum der Macht, in dem die herrschende Elite ausgebildet wird. Denn er konnte Eo nicht retten- aber er wird sie rächen. Und um die Schuldigen vernichtend zu schlagen, muss er einer von ihnen werden...


1st: >> Ich hätte in Frieden leben können. <<





Angeschwemmt... wurde das Buch im Rahmen einer tollen Aktion des Heyne-Verlages, bei der einige 2014-er Highlights aus dem "Heyne fliegt"-Programm zur Rezension angeboten wurden. Warum ausgerechnet "Red Rising", wo der Klapptext doch eigentlich nicht so richtig ins amphibische Beuteschema passt? Gedankt sei allen Teichgöttern, dass ich mich dunkel an Crinis begeisterte Rezension zum Original habe, denn wooow!!!

Abgetaucht... bin ich wie im Rausch. Ich dachte immer, ein gutes Buch würde vom Leser verschlungen werden. Aber hier war es genau anders herum, denn "Red Rising" hat mich konsumiert mit Haut, Haar und allem, was dazugehört. Der Autor hat mit seinem Werk einen atmosphärischen Abgrund geschaffen - und das meine ich 100% positiv - der mich auch Wochen nach der letzten Seite noch zittern lässt und mein Herz zum Pochen bringt. Er schreibt so unverblümt, gnadenlos und wütend, wie sein Held sich fühlt, gleichzeitig aber auch einzigartig berührend, immer wieder nachdenklich und hinterfragend. Großartig!! Und der Schreibstil ist nur eine von Pierce Browns zahlreichen Qualitäten. Auch sein Worldbuilding hat mich völlig gefangen genommen. Die menschliche Gesellschaft der Zukunft, der wir auf dem Mars begegnen, besitzt altbekannte Grundzüge: Gesellschaftsschichten, futuristische Technik, Anlehnungen an vergangene Epochen. Aber glaubt mir, sie ist anders als alles, was ihr bisher gelesen habt! Von der technischen Entwicklung über die biologische bis zur moralischen hat der Autor selbst die kleinsten Details bedacht und das Ergebnis ist die wohl genialste Mischung aus Science-Fiction und antiken Konzepten, die man sich nur vorstellen kann.

Badegäste... gibt es einen, um den sich alles Andere und alle Anderen drehen: Darrow, Höllentaucher in den Minen der niedersten "Roten" Klasse und neuerdings, geheim und unter Einsatz seines Lebens Student in der Schule der höchsten "Goldenen" Klasse. Seerose und Schlacke, das nenne ich einen nicht klassischen Held! Er bezeichnet sich selbst als "Schaf im Wolfspelz in einem Rudel voller Wölfe", aber die Wölfe sind es, die mit der Zeit dezimiert werden. Auch als Leser sollte man Darrow nicht unterschätzen. Trotz seiner Vergangenheit und ungeachtet harter Schicksalsschläge ist er kein Sympathieträger, kein Gutmensch und kein Ritter. Er ist vor allem eines: wütend. Wütend und fixiert auf sein Ziel, das er mit allen Mitteln erreichen möchte. Rücksicht auf Verluste? Für Anfänger. Pierce Brown hat hier einen ungewöhnlich harten und unerbittlichen, aber auch unendlich einsamen Hauptcharakter geschaffen und bei mir damit voll ins Schwarze getroffen. Ich habe mit Darrow gefühlt, gelitten und gehasst und bis heute hat er sich im Froschherz festgekrallt. Auch die Nebencharaktere in ihrer ganzen breiten Palette sind großartig gestaltet. Wer braucht schon hübsche Pappfiguren zur Dekoration, wenn er auch gnadenlose Feinde, intrigante Strippenzieher und treue Verbündete schaffen kann? Insgesamt zeigt Pierce Brown eindrucksvoll, erbarmungslos und erschreckend glaubwürdig, wie Macht und Gier, Gewalt, Tod und Hunger die Menschen verändern. 

Schwimmzüge... "Star Trek meets Kollosseum" oder auch "Trafen sich George R.R. Martin und Suzanne Collins zum Kaffee..." Lasst es mich so sagen: Gegen dieses Buch ist Martins rote Hochzeit der reinste Kindergeburtstag und das schon auf den ersten 200 Seiten. Zartbesaitet? Dann sucht euch besser andere Lektüre. "Red Rising" ist zwar keinesfalls 500 Seiten non-stop Gemetzel, ganz im Gegenteil. Aber Pierce Brown hat im Gegensatz zu vielen anderen Autoren die Idee, verschiedene Fraktionen auf Leben und Tod gegeneinander antreten zu lassen, wirklich konsequent umgesetzt. Ich bleibe hier mit Absicht vage, um die tolle Handlung nicht zu spoilern. Nur so viel: "Red Rising" ist kein Ponyhof. Es ist Krieg, Blut, Gewalt und Verlust; Verschwörung, Intelligenz und List. Aber auch Loyalität, Treue und Verbundenheit- und nicht zuletzt Liebe. Im Leben, bis in den Tod und darüber hinaus. Diese Geschichte hat einfach alles, was die ultimative Lektüre braucht: emotionale wie inhaltliche Spannung, einen hoch komplexen Plot und Charaktere, die ihre Krallen ins Leserherz schlagen. Selten habe ich mich einer Geschichte so ausgeliefert gefühlt, kaum einmal hat mich ein Buch bis in meine Träume verfolgt. Ich will die Fortsetzung! Besser gestern, als morgen!!

 

Eine perfekte Mischung aus Antike und SciFi! Worte können diesem gnadenlos(en) fesselnden Meisterwerk nicht gerecht werden: kaufen, lesen, lieben!

Inhalt: ♥♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥♥
08.03.2015


Freitag, 6. Februar 2015

[BuchBlubb] ► Hover (Melissa West)



Freund?
Feind!
Verantwortung...
♠Dt: -
♠Verlag: Entangled (2013)
♠Seiten: 228
♠Genre: Dystopie, Jugendbuch
♠Reihe: The Taking #2

In der Zukunft ist nichts, wie es scheint. Wirst du scheitern?
Noch auf der Erde hat man Ari beigebracht, niemals einen Blick auf die Ancients zu riskieren. Aber wenn sie auf ihrem neuen Planeten Loge überleben will, dann darf ihre Wachsamkeit niemals nachlassen. Denn Zeus wird sein Volk vom sterbenden Planeten retten- koste es, was es wolle. Der Schlüssel? Ari. Die Druckmittel? Jene, die zu beschützen sie geschworen hat. Die tausenden Menschen, die vor dem giftigen Neurotoxin in der erdischen Atmosphäre Zuflucht auf Loge gesucht haben, wurden versklavt und sollen Zeus als Waffe im Krieg gegen die Erde dienen- es sei denn, Ari und Jackson können ihn aufhalten. Aber
dazu benötigen sie Hilfe und auf Loge kann Vertrauen tödlich sein...


1st: >> "What is that?", I ask, pointing to a dark triangular building in the distance. <<





Angeschwemmt... wurde das Buch von mir für mich, weil... Hm, naja... Bestimmt gab es einen guten Grund für den Kauf. Stationären Buchhandel unterstützen, für die nächste Eiszeit vorsorgen oder etwas in der Richtung. Das schöne Cover war wie üblich völlig ohne Einfluss.

Abgetaucht... bin ich nach dem - gelinde gesagt - umstürzenden Ende des ersten Bandes "Gravity" mehr als gespannt, aber auch mit den üblichen Sandwich-Ängsten. Würde es der Autorin noch einmal, gelingen, mich mit ihren innovativen Ideen zu überraschen und zu begeistern, oder hat sie ihr Pulver schon im Auftakt verschossen? Diese Angst war Teichgott sei Dank völlig unbegründet, denn bevor die Erde der Zukunft mit all den technischen Rafinessen ihren Reiz verliert, spielt die Autorin "Beam me up, Scotty" und verschifft ihre Hauptcharaktere auf einen außerirdischen Planeten. Dort angekommen darf der Leser dann erneut eine ihm völlig neue Welt entdecken und weil Ari hier selbst fremd ist, hat das fast noch mehr Spaß gemacht, als im ersten Band. Was für ein cooles Setting! Die Aliens leben in einer elbisch anmutenden, aber hoch entwickelten Zivilisation, die geprägt ist von den unterschiedlichen Fähigkeiten der Bewohner- und dominiert vom alleinigen Herrscher Zeus. Die Autorin hat sich auch hier wieder ein interessantes Konzept ausgedacht und kurbelt das Kopfkino kräftig an. Das liebe ich an dieser Reihe: Melissa West liefert Baukasten und Anleitung, aber die Welt erschafft man sich während des Lesens selbst. Einzig aus dem
Konfliktpotential auf dem sterbenden Planeten hätte sie meiner Meinung nach noch mehr machen können. So bleibt es im zweiten Band atmosphärisch größtenteils eher ruhig, abwartend und in der Gewissheit, dass es bis zum großen Sturm nur noch eine Frage der Zeit ist.

Badegäste... sind nahezu alle in der Hand von Zeus, dem übermächtigen Herrscher der Aliens. Aber Ari wäre nicht die Tochter ihres Vaters, wenn sie das grausame Schicksal ihrer Landsleute als Bauernopfer im Krieg der Ancients einfach akzeptieren würde. Nur ist sie dieses Mal völlig auf sich alleine gestellt und die Entwicklung des Mädchens, das eigentlich nie Anführerin sein wollte, fernab ihrer Familie und Freunde hat mir wirklich gut gefallen. Ari bleibt, wie sie ist: ein bisschen zu offen, ein bisschen zu forsch und immer viel zu ungeduldig. Aber gerade, dass sie sich bewusst für diese "Schwächen" entscheidet und ihr gutes Herz keinem Krieg, weder auf gesellschaftlicher noch auf privater Ebene, opfert, macht sie für mich so liebenswert. Diese Heldin ist mal tough, mal anhänglich, aber immer authentisch und für mich damit eine absolute Sympathieträgerin. Jackson hingegen... Hätte er nicht der coole, mysteriöse Alien aus "Gravity" bleiben können? Seine Entwicklung ist eher die eines James Bond im Weichspülgang und obwohl er jetzt Heimvorteil hat, bleibt der Ancient völlig blass. Er liebt seine Familie, die Bewohner von Loge respektieren ihn- aber was noch? Mir war er zu soft, zu gewöhnlich. Den strengen Ausbilder mit der harten Vergangenheit konnte ich ihm einfach nicht abkaufen. Die außerirdischen Nebencharaktere sind eigentlich durchweg gut gemacht, erfüllen aber in erster Linie ihren Zweck als "tyrannischer Bösewicht", "genialer bester Freund" oder "gute Fee". Ich hätte gerne noch mehr Blicke hinter die Fassaden der Aliens geworfen, weil es da sicher noch weit mehr zu entdecken gibt. Aber dafür werfen einige überraschende Entwicklungen plötzlich ein ganz neues Licht auf alte Bekannte und das hat mir wirklich gut gefallen.

Schwimmzüge... gehen es gemächlich an, während sich Ari, halb Mensch und halb Ancient, in Loge einlebt und mit widersprüchlichen Gefühlen, Heimweh und ihrem losen Mundwerk zu kämpfen hat. Zwar hat ihre Regierung Ari den Auftrag gegeben, Zeus zu eliminieren. Aber der übermächtige Herrscher macht ihr auf seine ganz eigene Art deutlich, dass sie nicht die erste Attentäterin wäre, die einen Mordversuch mit dem Leben bezahlt und ihre Lieben Zeus Zorn preisgegeben hätte. Man beobachtet sich, beäugt einander misstrauisch und es sind lange eher die kleinen Momente, die den Lesefluss aufrecht erhalten. Aber die haben es in sich: außerirdischer Alltag auf Lodge, bumm Folterszene, gemütliches Teetrinken bei Oma Zeus, bumm erpresserische Exekution etc. Melissa West spielt auf den Nerven des Lesers Geige, in dem sie die gespannte, aber abwartend ruhige Atmosphäre immer wieder durch Szenen unterbricht, die nichts für Zartbesaitete sind. "Hover" mag kein reiner Hau-drauf-Plot sein, aber langweilig wird es deshalb keinesfalls. Wer ist Freund, wer Feind? Wen gilt es zu schützen und ist Zeus wirklich der Einzige, dem Ari nicht den Rücken zudrehen sollte? Fragen über Fragen, während sich die Spannung stetig steigert und in einem Finale mündet, das einem zweiten Band mehr als würdig ist! Auch die Entwicklung der Liebesgeschichte zwischen Ari und Jackson hat mir sehr gut gefallen. Denn "Hover" ist eine Geschichte, in der die Protagonistin nicht für einen Kuss und ein Lächeln vergisst, dass ihr Love-Interest sie belogen, betrogen und hintergangen hat, mögen seine Gründe auch noch so rechtschaffen gewesen sein.


"Hover" ist eine solide Brücke zwischen "Gravity" und "Collide", die vor allem durch das außergewöhnliche außerirdische Setting und die glaubwürdige Liebesgeschichte überzeugt.
Inhalt: ♥♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥

29.12.2014

Samstag, 10. Januar 2015

[BuchBlubb] ► Lieber für immer als lebenslänglich (Kristan Higgins)



Verlassen.
Verliebt?
Von wegen!
♠EN: The Best Man
♠Verlag: Mira (2014)
♠Seiten: 448
♠Genre: Romantik
♠Reihe: Blue Heron #1

Kann es für eine Frau etwas Demütigenderes geben, als vor dem Traualtar stehen gelassen zu werden? Wenn es nach Faith Holland geht, dann ja. Als sie nämlich beim Fluchtversuch aus einer Bar nur mit Push-up-BH und Bauch-weg-Unterhose bekleidet im Toilettenfenster stecken bleibt, ist als einzige Hilfe ausgerechnet der Mann in Reichweite, dem sie ihre ruinierte Hochzeit zu verdanken hat. Aber anstatt vor Scham im Boden zu versinken, lässt sie sich wohl oder übel von Levi Cooper befreien und wäre der Polizist nicht so sexy, dann könnte sie das Kapitel Cooper abhaken, bevor es überhaupt begonnen hat. Aber so einfach lassen sich seine grünen Augen nicht verdrängen und vergessen, obwohl die Beiden sich noch nie leiden konnten- oder? 


1st: >> An einem wunderschönen Tag im Juni wurde Faith Elizabeth Holland in einem einer Prinzessin würdigen Hochzeitskleid und mit einem Strauß perfekter rosafarbener Risen in den Händen buchstäblich unter den Augen der halben Stadt vor dem Altar verlassen. <<




Angeschwemmt... wurde das Buch von Blogg dein Buch und an dieser Stelle geht deshalb auch gleich ein recht herzliches Dankeschön samt virtuellem Blumenstrauß an den Mira-Verlag! Zugegeben, soo unbedingt wollte ich das Rezensionsexemplar eigentlich gar nicht haben, aber man klickt halt mal "Blogg ich", nicht wahr? Und selten war ich so froh, das spontan getan zu haben!

Abgetaucht... bin ich aber zunächst nicht mit den größten Erwartungen. Schließlich klang die Geschichte doch irgendwie recht 0815, oder? Hah! Es darf gelacht werden und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn wenn "Lieber für immer als lebenslänglich" (Yippieh, yippieh Deutsche-Titelgebung-Yeah...) etwas nicht ist, dann der millionste Abklatsch einer "Verlassen, verliebt, verheiratet"-Geschichte. Zunächst einmal schreibt Krista Higgins unwahrscheinlich unterhaltsam. Dank ihrer unterschwelligen, durchweg liebenswerten Ironie konnte ich mir ein Grinsen nur selten verkneifen und darüber hinaus besitzt die Autorin ein bewundernswertes Händchen für Situationskomik. Die Szenen sind vielleicht nicht immer ganz ernst zu nehmen, aber was habe ich gelacht! Herrlich, dieser Ideenreichtum! Auch ernste, romantische und traurige Szenen sind gefühlsecht und mitreißend geschrieben und insgesamt macht der Schreibstil der Autorin einfach jede Menge Spaß. Für mich einer dieser Romane, die einen selbst hungrig und durstig in einem unbeheizten Raum auf unbequemem Stuhl immer und immer weiter lesen lassen.

Badegäste... Faith und Levi sind aber auch großartige und vor allem sehr sympathische Protagonisten. Faith ist ein bisschen Bridget Jones 2.0. Sie liebt Wein und Schokolade, ist nicht unbedingt vom Glück verfolgt und die Männer? Nach acht ahnungslosen Jahren vor dem Altar von schwulen Beinahe-Mr-Perfect verlassen zu werden sagt alles, oder? Aber von selbstmitleidiger Drama-Queen keine Spur, im Gegenteil. Auf ihre ein, zwei Pfunde zu viel wird bei Cocktail und Nachos angestoßen und die warmherzige, vielleicht manchmal etwas naive Landschaftsplanerin ist immer zur Stelle, wenn ein Fettnäpfchen "hier" ruft. Gleichzeitig ist Faith aber auch ehrgeizig, zäh und allzeit bereit, Zähne zu zeigen. Kurzum: Die Frau hat Klasse. Levi Cooper auf der anderen Seite nimmt man den harten Cop höchstens so lange ab, bis er voller Elan durch den Dreck robbt, um ein Huhn zu retten. Er ist der Typ "Harte Schale, weicher Kern" aus der Kategorie "Edel-Praline" und hat mein Herz praktisch pausenlos ein bisschen höher schlagen können. So böse er auch dreinschauen mag, so gehen ihm doch seine Stadt, seine Schwester und seine Ruhe über alles. Levi ist ein herzensguter Kerl, der das nach außen mehr oder minder erfolgreich zu verbergen versucht und trifft damit genau meinen Geschmack. Auch die Nebencharaktere sind sehr liebevoll gestaltet. Faiths Familie, ihre Freunde und Levis Schwester sind durchweg ein kleines großes bisschen verrückt, aber man muss sie einfach gerne haben.

Schwimmzüge... beginnen damit, dass Faith an den Ort ihrer Schmach zurückkehrt. Sie liebt ihr Zuhause - ehrlich - aber der Nächste, der sie mit mitleidigem "Armes, armes Ding"-Blick ansieht, wird das nicht überleben. Dann lieber noch Levi Cooper, der zwar dafür gesorgt hat, dass sie die Flitterwochen alleine und unverheiratet verbringt, aber wenigstens kein Mitgefühl heuchelt. Schließlich konnte man sich noch nie sonderlich gut leiden- oder? Naja, das trifft es nicht ganz. Aber bis die ganze Vorgeschichte der beiden ans Licht kommt, darf erst einmal im Hier und Jetzt gelacht, gefiebert und geseufzt werden. Die beiden geben einfach ein tolles Pärchen ab. Besonders gut gefallen hat mir, dass ihre Beziehung so vielseitig ist und mehr als genug romantisch-explosiven Sprengstoff bietet. Faith und Levi geben sich Kontra ohne Ende, helfen einander, hauen sich in die Pfanne, sind füreinander da, küssen und ignorieren und lieben und hassen sich. Und das ist so toll umgesetzt, dass ich gerade die romantischen Szenen wieder und wieder gelesen habe, einfach weil sie so wunderschön waren.

 

Witz hoch zehn und Herzklopfen hoch zwanzig: eine wunderschöne, humorvolle Liebesgeschichte mit immensem Suchtfaktor.

Inhalt: ♥♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥♥
10.01.2015


Montag, 29. Dezember 2014

[BuchBlubb] ► Bitten To Death (Jennifer Rardin)



Krieg. 
Liebe.
Wuff!
♠Dt: -
♠Verlag: Orbit (2008)
♠Seiten: 320
♠Genre: Urban-Fantasy
♠Reihe: Jaz Parks #4

Ist es verrückt, auf den Moment zu warten, an dem die Gewinnchancen gegen null gehen? Schließlich fängt der Spaß dann erst so richtig an...
In meiner neuesten Mission hat es mich in die griechische Stadt Patras verschlagen. Aber anstatt deren altertümliche Pracht in all ihrer Herrlichkeit genießen zu können, soll ich mich in ein Vampir-Kartell einschleußen. Nur zwei Vampire sind dem eng verwobenen Netz dieser Gemeinschaften je lange genug lebend entkommen, um von ihren gnadenlosen Gesetzen berichten zu können: Edward "The Raptor" Samos, verbrecherisches Superhirn und Staatsfeind Nummer eins, und Vayl, der beste Meuchelmörder der CIA und gleichzeitig mein Boss. Der Raptor versucht, Vayls ehemaliges Kartell zu übernehmen. Doch die neue Anführerin scheint ihre ganz eigenen Pläne zu haben und keiner davon beinhaltet ein "Happily Ever After" für mich...


1st: >> I stood in the moonlit courtyard of a Greek villa so old and enourmous it would've made me feel like Hera herself if I hadn't been so pissed. <<





Angeschwemmt... wurde das Buch als Quasi-Geburtstagsgeschenk von mir für mich. Es gibt doch nichts über eine Bestellung beim großen A mit der Option auf "Kostenfrei falls Buch dabei"-Lieferung, um meine Jaz Parks Sammlung mehr oder minder guten Gewissens zu vervollständigen.

Abgetaucht... bin ich in eine meiner liebsten Urban-Fantasy-Serien mit mehr Anlauf, als gut für meinen Lesespaß gewesen wäre. Wie ist das mit den Erwartungen? Wehe, sie werden enttäuscht... Das lag nicht nur daran, dass Frau Rardin kein "Lies mich weg"-Englisch schreibt und es mir anfangs immer ein wenig Mühe bereitet, mich in die Sprache einzufinden. Ich schätze es sehr, dass die Autorin mir nicht jedes Mal aufs Neue die Welt seit Adam und Eva erklären möchte. Nur hätte es hier gerne die eine oder andere Erläuterung mehr sein dürfen. Griechenland hat seine ganz eigene magische Ordnung und sicher auch seinen ganz eigenen Flair. Aber zwischen allen möglichen Unterweltlern, Feindschaften und alten Fehden hatte ich meine Mühen damit, wenigstens einen Hauch von Überblick zu bewahren und viel zu selten Gelegenheit, um die Atmosphäre genießen zu können. Außerdem waren manche Szenen - Stichwort "Festmahl" -, ähm, ieeehk und ich bin eigentlich nicht zart besaitet. Nur gut, dass Jaz mit ihrem Humor da einiges wieder wettgemacht hat und auch, wenn das Lesen insgesamt (gefühlt?) mühsamer war, als in den Vorgängern, haben einige WOW-Szenen die Anstrengungen durchaus belohnt.

Badegäste... lassen sich schwer beschreiben, ohne zu spoilern. Zunächst ist alles, wie gehabt: Kick-Ass Heldin Jaz kümmert sich um ihren psychisch "leicht" angeknacksten Bruder - ob der das will, oder nicht - und Vampirboss Vayl tut sein Bestes, um die Mini-Einsatztruppe zusammenzuhalten- wenn er nicht gerade mit den Schatten seiner Vergangenheit in den Ring steigen oder schlafen muss. Aber es dauert nicht lange, bis man als Leser neue Seiten an den Dreien kennenlernt und auf die hätte ich persönlich wirklich verzichten können. Ja, es passt zur Story, und ja, es war im Nachhinein betrachtet gut gemacht. Aber mir sind die Charaktere mit all ihren Eigenheiten mittlerweile so ans Herz gewachsen, dass mich ihr verändertes Verhalten mehr als ein Mal vor den Kopf gestoßen hat. Viel interessanter fand ich da die gegnerische Seite! Was gibt es Schöneres, als interne Intrigen, doppelte Spiele und nicht unbedingt rechtmäßig gewählte Anführer in den feindlichen Reihen? Ich hätte gerne noch mehr über das Vampir-Kartell gelesen, doch dafür war leider genau so wenig Platz, wie für Bergman, Cassandra und Kaugummi-Cam, die mir wirklich gefehlt haben. In Abwesenheit meiner Lieblinge wurde deshalb der Hund des Raptors mein persönlicher Held dieses Buches. Gibt es etwas Herzigeres?! Für eine Dauerrolle würde ich der Autorin sogar die hoffentlich nur vorübergehend nicht ganz so runde Charakterzeichnung in diesem Band verzeihen.

Schwimmzüge... lassen den Leser eines früh lernen: Fremde Häuser sind böse. Was als gewöhnliche Aufklärungsmission beginnt, das wird nicht nur dank feindlich gesinnter Raumdekoration schon bald zur gefährlichen Gratwanderung zwischen emotionalen Minenfeldern und dem eigentlichen Einsatzziel. Die Autorin pflastert den Weg zum Endgegner mit einigen Überraschungen, die es wirklich in sich haben und storytechnisch ermüdet "Bitten To Death" keine Seite lang. Ob nun Jaz auf den Pfaden von Sherlock Holmes, Vayl in den Fängen alter Bande(n) oder griechischen Fehden zwischen Vampiren, Werwölfen und Bären, in die unsere Helden platzen. Für einen hohen Unterhaltungsfaktor hätte es den roten Faden um Erzfeind Raptor gar nicht gebraucht, so viel hatte die Nebenhandlung zu bieten. Einzig der Part um Vayls Söhne hätte für mich gerne auch ein Buch lang pausieren dürfen. Auf wie viele völlig offensichtliche Finten will er denn noch hereinfallen? Insgesamt aber war der vierte Band so rasant und actiongeladen geschrieben, dass diese kurze Durststrecke zum Ende hin den Lesespaß auch nicht mehr bremsen konnte. Kleinere Schwächen oder das doch recht abrupte Ende eines bestimmten Handlungsstrangs sind im Lesesog erfolgreich untergegangen.


Nicht das beste Buch der Reihe, aber rasante Action und der liebenswerteste Hund der Vampirgeschichte trösten über kleinere Schwächen hinweg.
Inhalt: ♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥

29.12.2014

Mittwoch, 22. Oktober 2014

[BuchBlubb] ► Tour d'amour (Elizabeth Bard)



Luft?
Liebe?
Schokoladensouflée!
♠EN: Lunch in Paris
♠Verlag: Blanvalet (2010)
♠Seiten: 416
♠Genre: Romantik
♠Reihe: -

Es sollte nur ein Wochenendbesuch in Paris werden, doch plötzlich hat die junge Amerikanerin Elizabeth gleich zwei leidenschaftliche Liebesaffairen: eine mit dem gut aussehenden Franzosen Gwendal und die andere mit französischem Essen. Sie packt ihre Sachen und zieht in die Stadt der Liebe, doch der Kulturschock ist immens. Kann ein Land, in dem Frauen scheinbar nichts essen, Menschen an ihrem Talent für das Ausnehmen eines Fisches gemessen werden und Schokoladensoufflés nur bei anderen gelingen die richtige Wahl sein? Kann eine Stadt, in der gutes Gebäck nicht unter einer Wartezeit von 30 Minuten zu bekommen ist und mürrische Metzger die Crème de la Crème des Viertels sind wirklich ihr Zuhause werden? Um Gwendals und ihrer selbst Willen tut Elizabeth alles, um ihren französischen Traum wahr zu machen. Doch schließlich ist es nicht nur die Liebe, sondern vor allem die französische Küche, die ihr Stück für Stück das Tor zur Pariser Seele öffnet.


1st: >> Ich habe mit meinem französischen Ehemann nach der Hälfte unserer ersten Verabredung geschlafen. <<






Angeschwemmt... wurde das Buch beim diesjährigen ME-Flohmarkt. Ich kann so vielem manchem widerstehen. Aber einem ganz zauberhaft aufgemachten Eiffelturm-Cover samt amphibisch angehauchtem Untertitel? Keine Chance und das noch bevor ich wusste, dass auch jede Menge toller Rezepte enthalten sind.

Abgetaucht... bin ich ganz untypisch für meine sonstigen "Oh, guck mal das tolle Cover"-Spontankauf-Flops nicht nur ohne Schwierigkeiten, sondern auch von Anfang an schwer beeindruckt. Bei Stichworten wie "Paris", "(Französische) Küche" oder "Froschprinz" kein Wunder? Nein, es lag nicht nur an Setting und Thema, dass mir die Geschichte so gut gefallen hat. Verliebt habe ich mich hier zuallererst und ganz besonders in den Schreibstil. Die Autorin ist gebürtige Amerikanerin mit Wahlheimat Paris und genau so schreibt sie: mit amerikanischem Humor und französischem Charme. Ob auf dem Markt, entlang der Seine oder im Würstchen-Restaurant, jeder Part der szenenhaft erzählten Geschichte strotzt nur so vor Lebendigkeit, Witz und Herz! Es steckt viel Elizabeth Bard in den Beschreibungen und mit ihrem manchmal rein unterhaltsamen, manchmal fast schon philosophischem Humor und einem insgesamt qualitativ sehr hochwertigen Stil konnte sie mich völlig überzeugen. Man bekommt als Leser ein Gefühl für die Szenerie und in der Beschreibung von Cafés, Küchen oder französischem Essen steckt eine schlichtweg wundervolle Atmosphäre. Außerdem spielt das Buch gekonnt mit Klischees und nimmt Amerikaner, Europäer und (Nicht)Pariser Franzosen gleichermaßen liebevoll auf die Schippe, was mich oft genug zum Schmunzeln und Lachen gebracht hat.

Badegäste... sind der Autorin selbst und Personen aus ihrem Leben nachempfunden. Inwieweit, das lässt sich schlecht beurteilen, während des Lesens aber umso besser verdrängen. Ohne diese Hintergrundinfo hat man nämlich einfach eine Palette an unglaublich sympathischen Charakteren. Alle ein bisschen verrückt, alle ein bisschen überzeichnet, aber alle zum Gernhaben. Da ist zum einen die Protagonistin selbst. Als amerikanische Touristen kam sie, sah sie und wurde besiegt. Vom gut aussehenden Gwendal mit seiner Pasta danach, vom Pariser Flair, von Luft und von Liebe. Nur ist das erst der Anfang. Post-Umzugshürden - und die sind zahlreich - nimmt sie aber mit so viel Humor, Frust und kindischer Freude, dass man sie einfach mögen muss. Elizabeth ist einfach mitten aus dem Leben gegriffen und ich konnte mich gut mit ihr identifizieren. Auch die Nebencharaktere mochte ich sehr gerne. Dieses Buch hat die tolle Eigenschaft, das Scheinwerferlicht immer wieder auch vorteilhaft auf die kleinen Leute zu richten. So lernt man mit der Zeit nicht nur Elizabeths Eroberung kennen, sondern vom mürrischen Hackebeil-Metzger über die Schwiegermutter mit Bikini-Figur bis zum "Isch verschtehe sie nischt und will sie auch nischt verschtehen"-Makrelen-Verkäufer eine ganze Reihe schrulliger Charaktere lieben. 

Schwimmzüge... werden vom deutschen Titel ausnahmsweise wunderbar beschrieben. Dieses Buch ist wirklich eine "Tour d' amour", aber gleichzeitig steckt so viel mehr als das klassische "Prinzessin küsst Frosch und wenn sie nicht gestorben sind..." darin! Da ist nicht nur Liebe zum Traumprinz, sondern zu Paris, gutem Essen und Genuss, zum Leben, den eigenen Träumen und sich sich selbst und so vielem mehr. Elizabeth Bard hat keinen reinen Unterhaltungsroman geschrieben, sondern Lebensweisheiten und Rezepte, für die mancher Kochbuchautor morden würde, gratis dazugepackt. Die Autorin erzählt hier vor dem Hintergrund einer ungewöhnlichen Liebesgeschichte von Selbstverwirklichung, (Sprach-)Barrieren und dem täglichen Kampf um das beste Gebäck. "Tour d' amour" kreiert aus Romantik, Familiengeschichte, Liebe zu gutem Essen und "Französisch für Anfänger"-Humor eine kleine Delikatesse, die sich Freunde leichter, aber keinesfalls leerer Unterhaltung nicht entgehen lassen sollten.
 

Lieben und Leben in Paris, großzügig gewürzt mit Humor und Rezepten. Eine Delikatesse für Genussleser!

Inhalt: ♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥♥
22.10.2014


Dienstag, 30. September 2014

[BuchBlubb] ► Vorsätzlich verliebt (Jill Mansell)



Gerücht?
Munition!
Action!!
♠EN: Rumour Has It
♠Verlag: Fischer (2012)
♠Seiten: 416
♠Genre: Humor, Romantik
♠Reihe: -

Als Tilly aus heiterem Himmel von ihrem Freund verlassen wird, ist das der ideale Zeitpunkt für einen Tapetenwechsel. Kurz entschlossen zieht sie zu einer Freundin aufs Land. Doch die vermeintliche Idylle entpuppt sich schnell als Haifischbecken aus Klatsch, Tratsch und Intrigen. Hier wird der Kampf um attraktive Männer mit Verbissenheit geführt, und dass Tilly überhaupt nicht in den Ring steigen will, das interessiert keinen. Schon gar nicht Jack. Die einen mehr, die anderen weniger selbstlos, raten die Dorfbewohner Tilly geschlossen davon ab, sich in die lange Liste seiner Eroberungen einzureihen. Dummerweise wird er ihr immer sympathischer, je besser sie ihn kennenlernt. Könnte er doch der Richtige sein? Doch um das herauszufinden, müsste Tilly sich auf das rufmörderische Parkett der Singlefrauen im Dorf wagen...


1st: >> Schon komisch. <<






Angeschwemmt... wurde das Buch beim großen Thalia-ME-Flohmarkt. Es gibt ein paar Autoren, die schließe ich am Abend vorher in meine "Bitte, bitte, lass mich finden!"-Gebete ein und Jill Mansell ist mit ihren witzigen Liebesgeschichten da ganz vorne dabei. Außerdem liebe ich Gestaltung und Schriftzug der Bücher.

Abgetaucht... bin ich voller Vorfreude - schließlich hat mich die Autorin noch fast nie enttäuscht - und das völlig berechtigt. Es gibt diese Bücher, bei denen weiß man einfach, dass sie gut werden und "Vorsätzlich verliebt" ist eines davon. Das war mir schon nach einer einzigen Seite aus der Sicht von Tilly klar: Ich habe geschmunzelt und gelacht, hatte einfach Spaß und Freude am Lesen und genau so ging es auch weiter. Die Chemie zwischen Frau Mansell und mir passt einfach. Sie schreibt so herrlich witzig, mit viel Liebe zum Detail und einem scheinbar unbegrenzten Vorrat an skurrilen Szenen, dass sie mich auf ganzer Linie bestens unterhalten hat. Der Humor ist ironisch, oft übertrieben und selten ganz ernst zu nehmen, aber immer charmant und er passt wunderbar ins Setting der Kleinstadt. Willkommen im Reich von Klatsch und Tratsch kann ich da nur sagen! 

Badegäste... lassen einem eigentlich gar keine andere Wahl, als sie gern zu haben oder zumindest ihren Unterhaltungswert anzuerkennen. Die Protagonistin Tilly an sich ist schon eine Marke: verrückt, liebenswert, schrullig und ein wenig komplexbehaftet. Wie soll man eine Frau beschreiben, die sich schon auf den ersten fünf Seiten mit Fish&Chips bewaffnet zu einem Mülltonnen-Bocksprung provozieren lässt und dabei mit gespreizten Beinen (und jeder Menge Mayonnaise) auf der Kühlerhaube eines Porsche landet? Tilly ist einzigartig, sympathisch und hat ein Talent für Chaos und Blamagen. Ihr Herz ist nah genug am rechten Fleck, um sie gern zu haben und weit genug weg für jede Menge schadenfrohen Humor. Gibt es eine unterhaltsamere Protagonistin? Dann ist da natürlich noch der Besitzer von besagtem Porsche: Jack. Charmeur und Herzensbrecher, theoretisch Witwer und noch ein paar Dinge mehr, die Tilly meidet. Aber eben leider auch heiß vom Typ "Ich will dich hier, jetzt und mit nichts als einer Schleife um den Hals" mit Sinn für Tillys Katastrophen-Humor und dazu noch ein richtig guter Kerl. Oder?  Auch die Nebencharaktere sind - typisch Jill Mansell - durchweg verrückt und liebenswert. Ein bisschen überzogen vielleicht, ja, aber dafür sprühen Funken und Witz, treffe, wer da wen wolle. Die Autorin hat sich mit jedem Einzelnen wirklich viel Mühe geben und nicht einmal die verwöhnte Katze der Bald-Ex-Frau des neuen Freundes von Tillys bester Freundin vernachlässigt.

Schwimmzüge... könnte der Originaltitel "Rumour has it" nicht besser beschreiben, denn in dieser Kleinstadt regiert die Gerüchtemafia und deren Maschinerie arbeitet teuflisch effektiv. Die ganze Geschichte hat etwas von "Desperate Houswifes", nur ein wenig züchtiger und mit weniger Todesfällen. Aber auch hier kann der Weltfrieden einpacken, wenn "Wer mit wem und wieso nicht mit mir?" gespielt wird. Typisch Jill Mansell gilt das natürlich nicht nur für die Protagonistin Tilly, sondern auch für ihre beste Freundin, ihren Vermieter, dessen Ex-Frau und noch manchen mehr. Zu viele Zielscheiben für den guten alten Amor? Keine Sorge, der behält den Überblick und hat sogar noch Zeit, um den Charakteren das Liebesleben ein bisschen schwer zu machen, bevor es endlich an das Verteilen von "Happily ever after" geht. Denn auch in diesem Buch wollte die Autorin wieder für fast alle das Beste und darin liegt auch mein einziger Kritikpunkt. Mir war es gegen Ende hin an der einen oder anderen Front ein bisschen zu viel des Zuckers. Aber das ist Meckern auf hohem Unterhaltungsniveau. Insgesamt bietet "Vorsätzlich verliebt" vor allem dank "Fettnäppchen Ahoi"-Tilly jede Menge herrlich witziger Szenen. Darf es eine extra Portion skurril-liebenswerter Pseudo-Dramen sein? Dann seit ihr hier genau richtig.
 

Eine Wohlfühl-Geschichte zum (aus-)lachen und schmachten: Witzig, skurril und romantisch, was will man mehr?
Inhalt: ♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥

30.09.2014