Donnerstag, 12. Juli 2012

[Buchblubb] ► Amokspiel (Sebastian Fitzek)



Anrufen.
Abnehmen.
Töten.
♠Original: -
♠Verlag: Knaur (2007)
♠Seiten: 488 (TB)
♠Genre: Psychothriller
♠Reihe: -
1st: >> Der Anruf, der sein Leben für immer zerstörte, erreichte ihn exakt um 18.49 Uhr. <<

Es sollte der Tag werden, an dem sie ihrem Leben - und damit ihren Schuldgefühlen - endlich ein Ende bereitet. Doch dann wird die renommierte Kriminalpsychologin Ira Samin, die den Tod ihrer ältesten Tochter nie verwunden hat, zu einem spektakulären Geiseldrama in einem Radiosender gerufen. Ein Psychopath spielt dort ein Telefonspiel nach seinen eigenen Regeln: Wenn sich die stündlich wahllos angerufenen Menschen mit einer bestimmten Parole melden, dann lässt er eine Geisel frei- andernfalls wird eine erschossen. Dass er es ernst meint, hat er live bewiesen und er wird nicht eher aufhören, bevor seine Verlobte zu ihm ins Studio kommt. Nur ist die schon lange tot. Das Amokspiel eines Wahnsinnigen? Ira steht vor einer nahezu aussichtslosen Verhandlung und Millionen Menschen hören zu...



Angeschwemmt... wurde das Buch beim jährlichen Flohmarkt-Fischen, schließlich wollen die Fitzeks irgendwann alle in reih und Glied mein Regal bewohnen. Und was soll ich sagen? Es geht doch! Nachdem meine letzten Tauchgänge in Thriller-Gewässern bestenfalls ein paar Kupferstückchen an die Oberfläche befördert haben, ist mir hier endlich wieder ein richtiger Goldschatz ins Netz gegangen. Wenn nichts anderes mehr hilft, dann muss eben dieser Autor her.

Abgetaucht... bin ich schon lange, bevor ich auch nur erahnen konnte, was dieses Buch noch alles für mich bereithalten sollte. Es hat mich nahezu von der ersten Seite voll und ganz in seinen Bann gezogen und hat dazu gar nicht viel gebraucht. Stetige Perspektivwechsel zwischen Geiselnehmer und Verhandlungsführerin und der Schreibstil des Autors waren dermaßen gut gemacht und kombiniert, dass von Anfang an eine unbeschreibliche Sogwirkung entstanden ist. Herr Fitzek versteht es meisterlich, Atmosphäre zu schaffen: Mal beklemmend, mal düster; hoffnungsvoll oder endgültig- dieses Buch ist ein einziges Wechselbad der Gefühle, mit seinen überall mitschwingenden und doch nie greifbaren Andeutungen und Hinweisen. So muss ein Psychothriller geschrieben sein und nicht anders! Das Spannungslevel ist konstant hoch und es vergeht nahezu keine Seite, auf der kein gezielter Angriff auf mein Nervenkostüm gestartet wurde. "Amokspiel" hat es geschafft, meine Haut über knapp 400 Seiten kribbeln zu lassen und jeder Arzt hätte angesichts meines Blutdrucks die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen.

Badegäste... fand ich zumindest anfangs nicht einmal sonderlich sympathisch, dafür aber umso interessanter. Und da ich keine literarischen Freundschaften schließen, sondern mich fesseln lassen wollte, war das für mich optimal. Ira Samin ist von Beruf Kriminalpsychologin und war bis zu einem tragischen Unglück erfolgreich als Verhandlungsführerin tätig. Als Leser begegnen wir ihr im Hier und jetzt jedoch als Wrack: Sie ist auf dem besten Weg, ihrem Leben ein Ende zu bereiten, als sie eher unfreiwillig rekrutiert wird und damit definitiv eine Heldin der anderen Art. Psychisch labil und alkoholabhängig, gleichzeitig aber auch sehr fähig; tough und doch zerbrechlich. Solche Charaktere, bei denen sich Schwarz und Weiß vermischen, mag ich einfach wahnsinnig gerne! Auch der Gegenspieler Jan May lässt sich in keine Schublade packen. Er hatte alles: Geld, Beruf und Freundin. Doch angefangen mit Letzterem wird ihm eines nach dem anderen genommen. Jetzt ist er am Ende und der festen Überzeugung, dass er kein Opfer unglücklicher Umstände und eigenem Versagen ist. Seine Verlobte Leoni sei nicht, wie von den Behörden behauptet, bei einem Autounfall ums Leben gekommen und das will er beweisen, koste es, was es wolle. Er ist die große Unbekannte der Buch-Gleichung: Souverän und labil, menschlich und kaltblütig- die Sicht auf ihn bleibt verschwommen und ich konnte ihn einfach nicht einschätzen. Für meinen Geschmack waren sie zwei sehr gelungene Hauptcharaktere, die sich ein psychisches Katz-und-Maus-Spiel auf ganz hohem Niveau liefern. Auch gibt es immer wieder Kurz- und Langauftritte der Nebencharaktere und auch die sind mit ganz viel Liebe zum Detail und noch mehr Kreativität gezeichnet. Einfach toll!

Schwimmzüge... konnten mich dann zu guter Letzt auch noch begeistern. Parallel verfolgt man zwei Handlungsstränge, die Geiselnahme selbst und die Nachforschungen bezüglich Leoni. Beides lebt von Ungewissheiten, von Zweifeln auf allen Seiten und einer Überraschung nach der anderen. Dazu will ich gar nicht viel verraten, aber mich konnte Herr Fitzek voll und ganz überzeugen. War der Ursprung allen Übels wirklich ein Autounfall? Oder lebt Leonie gar noch? Warum? Wieso? Weshalb? Ich habe es wirklich genossen, mit meinen Fragen keine Seite lang zur Ruhe gekommen zu sein. Ab einem gewissen Punkt habe ich zwar mit dem Ende gerechnet, aber der Weg dorthin war einfach toll gemacht. Stimmig und spannend, mit unerwarteten, aber nie unlogischen Entwicklungen.


Ein vollauf gelungenes psychologisches Katz-und-Maus-Spiel, das meinen Adrenalinspiegel konstant hochgehalten hat. Fantastisch!

Inhalt: ♥♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥♥

12.07.2012


Kommentare:

  1. Hi Ho...

    Ich hab das Buch auch gelesen und muss gestehn, ich fand es das Schwächste von Fitzek. Sicher, es ist nicht schlecht aber das Beste ist es nicht. Aber freut mich aber das es dir so gut gefallen hat.

    Liebe Grüsse
    Alexandra

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    1. Huhu!

      So unterschiedlich können die Geschmäcker sein. Ich habe (leider) noch nicht alle von ihm gelesen, aber ich fand bisher "Das Kind" am schwächsten. Sonst kenne ich noch "Der Seelenbrecher" und "Die Therapie", "Splitter" subt noch.
      Was ist denn dein liebster Fitzek?
      Jap, mir hat es wirklich super gefallen. Aber ich liebe solche Katz-und-Mausspiele auch von jeher =)

      Liebe Grüße!

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    2. Ich schließe mich hier mal an.
      Ich habe ja alle bisherigen Fitzek-Bücher gelesen und fand Amokspiel am schwächsten.
      Ich fand das ganze Geschehen nicht so RICHTIG spannend und das Ende hat es mir dann zusätzlich verübelt. Plötzlich war mir alles zu verworren und ziemlich weit hergeholt.

      Es freue mich aber, wenn es dir, Kermit, gefallen hat.

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    3. Mir hat das Buch wirklich richtig gut gefallen. Aber das kann auch daran liegen, dass ich ein Faible für solche "Psychoduelle" zwischen den Hauptpersonen habe. Gegen Ende hin war ich dann vielleicht schon so begeistert, dass mir Verworrenheiten nicht mehr negativ aufgefallen sind ;)
      Was war denn dein Liebling von Fitzek? Ich möchte als Nächstes "Splitter" lesen, fandest du das besser?

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    4. Mein Liebling war "Der Seelenbrecher". Das war mein erstes Buch von ihm und hat mich atemlos zurückgelassen.
      Das hast du aber schon gelesen, ne?!

      "Splitter" fand ich von der Idee her prima und es hat mir auch sonst gut gefallen. Aber mit Nervenkitzel hatte es für mich nicht viel zu tun.

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    5. Jap, das war auch der Auslöser meiner Fitzek-Sucht. Mein Freund hatte mir das Buch zu Nikolaus geschenkt und obwohl ich "nur kurz reinblättern" wollte habe ich das ganze Buch ohne Unterbrechung in meinem (damals seeehr unbequemen) Schreibtischstuhl verschlungen xD
      Das ist für mich bisher auch noch unerreicht :)

      Ich bin mal gespannt, was mich mit "Splitter" erwartet. Aber erst möchte ich noch ein paar andere (Psycho-)Thriller lesen, ich muss mir meine Fitzeks einteilen ;)

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  2. Oh, eine tolle Rezi! Wirklich auch sehr spannend geschrieben.
    Und ich muss nun endlich einmal ein Buch vom Herrn Fitzek lesen . . . welches würdest du mir denn empfehlen?

    lG Favola

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    1. Danke =)
      Hm, gute Frage. Wenn du es gerne etwas actionreicher oder einfach reißerischer magst, dann würde ich dir "Der Seelenbrecher" empfehlen. Da besteht dann aber durchaus die Gefahr, dass du nicht mehr aufhören kannst ;o) Etwas ruhiger sind "Die Therapie" und "Das Kind", haben mir aber auch sehr gut gefallen. Diese Bücher konzentrieren sich auch nicht ganz so stark auf die Hauptcharaktere, sondern auch mehr auf die Situation in der sie sich befinden. "Amokspiel" rollt ja im Prinzip einen alten Fall auf und bei bei den anderen Büchern ist man nicht nur bei einem Teil der Handlung live dabei.
      Also lange Rede, kurzer Sinn: "Der Seelenbrecher" ist m.E. ein toller Fitzek-Einstieg und war auch Auslöser für meine Sucht :)

      lG Kermit

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    2. Ok, dann schaue ich doch mal, ob wir den in der Bibliothek haben und sonst schaue ich, dass wir den für den Herbst neu einkaufen. Danke für deine Beratung :-)
      lG Favola

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    3. Immer gerne :) Sag mir Bescheid, wenn du dich an einem Fitzek versuchst hast! Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass es dir nicht gefällt, aber neugierig bin ich natürlich trotzdem.

      lG Kermit

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  3. Ich liebeeee Sebastian Fitzek und seine Werke, er schafft es einfach immer wieder mich mit seinen Büchern zu fesseln :D

    LG Steffi
    http://steffisbookcase.blogspot.de/

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    1. Sebastian Fitzek ist auch einer meiner liebsten Autoren und einer der wenigen, die mich bisher noch nicht ein einziges Mal enttäuscht haben :)

      Danke für den Link! Ich bin gerade zeitlich ziemlich angespannt, aber ich komme auf alle Fälle vorbeigeschwommen,

      lG Kermit

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  4. Das ist mal wieder ne super Rezi. Und ünerhaupt, wie genial ist das denn, einen Blog komplett im Frosch-Teich- Design zu machen (echt klasse Idee)

    Wie stimmt man das alles so toll ab und wie habt Ihr das Frosch-Bewertungssystem anelegt??

    Wir starten auch gerade einen Blog rund ums Lesen.
    Freuen uns sehr über Kommentare und Leser ;)

    http://buchlabyrinth.blogspot.de/

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    1. Vielen Dank! Bei dem ganzen Lob werde ich ganz rot ^///^ Es freut mich sehr, dass dir die Teichlandschaft gefällt!
      Ehrliche Antwort? Das ganze hier hat ziemlich schnell ein Eigenleben entwickelt. Ursprünglich war es gar nicht ganz so "teich-froschig" geplant, aber nach und nach sind dann immer neue Ideen dazugekommen und irgendwann wurde ich die Frösche nicht mehr los ;)

      Das Frosch-Bewertungssystem habe ich selbst erstellt. Die Frösche gezeichnet, dann per PC schwarz-weiß-gefärbt und per Paint aneinandergesetzt, fertig :)

      Danke für den Link. Sobald ich wieder am heimischen Rechner bin, komme ich euch besuchen.

      Liebe Grüße,
      Kermit

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