Mittwoch, 21. Mai 2014

[BuchBlubb] ► Kirschroter Sommer (Carina Bartsch)



Einmal.
Keinmal!!
Abwarten...
♠EN: -
♠Verlag: rororo (2013)
♠Seiten: 512
♠Genre: Romantik, Jugendbuch
♠Reihe: Elyas&Emely #1

1st: >> Es war jedes Mal dasselbe: Entweder die Zeit war von vornherein mein Feind, oder einer meiner Mitmenschen machte mir bei dem kläglichen Versuch, wenigstens einmal im Leben pünktlich zu sein, einen Strich durch die Rechnung. <<<
Nicht jeder hat eine zweite Chance verdient, davon ist Emely überzeugt. Der Bruder ihrer besten Freundin hat ihr Leben mit seinen verdammten leuchtend türkisblauen Augen schon einmal völlig durcheinandergebracht und der Schmerz sitzt immer noch tief. Niemals wird sie ihm verzeihen! Warum Elyas jetzt, Jahre später, plötzlich den Charmeur gibt, das kann sie sich zwar beim besten Willen nicht erklären- aber ändern wird das nichts. Er ist und bleibt alles, was sie am liebsten aus ihrem Leben streichen würde und das krasse Gegenteil ihrer einfühlsamen, romantischen - aber leider anonymen - Email-Bekanntschaft Luca. Ihm könnte sie vielleicht ihr Herz schenken, wäre es nur nicht so beschäftigt damit dieses penetrante Türkis zu verabscheuen...




Angeschwemmt... werden musste "Kirschroter Sommer" und nichts Anderes, als ich mir letztes Jahr bei einem Gewinnspiel ein Wunschbuch aussuchen durfte. Es klang nach "Türkisch für Anfänger" ohne Patchwork, nach "Im Krieg und in der Liebe..." mit Witz und Feuer und gefühlt jeder schien das Buch mit einem Alltime-"Wow, war das ultimativ G-U-T!"-Gefühl gelesen zu haben. Da fiel mir die Wahl ausnahmsweise leicht und ich habe mich auf ein Buch gefreut, bei dem mein Herzklopfen die Seiten zum Vibrieren bringen würde!

Abgetaucht... bin ich aber weit weniger prickelnd, als ich mir das von meinem 10-Meter-Vorfreude-Turm aus erhofft hatte. Anfangs wirkt der Schreibstil auf mich zu aufgesetzt, zu leblos, zu - wenn auch hoher -  schuldeutscher Standard. Emely war zickig, die Nebencharaktere eine Fußballmannschaft voller Nervensägen und der Plot, naja... Aber irgendwo zwischen Strawberry Margherita und Billard muss es dann doch gefunkt haben zwischen der Geschichte und mir. Denn plötzlich konnte und wollte ich gar nicht mehr aufhören und nur noch weiter und weiter und weiter lesen. Da war sie, die Atmosphäre, von der alle so geschwärmt hatten! Es gibt vermutlich unzählige Bücher, die alle irgendwie die Geschichte von Elyas und Emely erzählen. Aber Carina Bartsch hat nicht nur genug "Y"s für sie alle zusammen in petto, sondern auch ausreichend Gefühl, Knistern und Prickeln und das schon in Szenen, in denen sich die Zwei nicht einmal berühren. Die Autorin schreibt einfach, mir manchmal fast zu derbe und stilistisch ist da sicher noch Luft nach oben. Aber sie hat ein Talent dafür, aus wenig alles zu machen und den Leser so auch mit den einfachen Szenen zu packen, zu fesseln und keine Sekunde mehr loszulassen. 

Badegäste... sind Zuckerbrot und Peitsche in vollendeter Form. Wenn Emely irgendetwas noch unzumutbarer findet, als sich selbst, dann ist das Elyas und an ihrer scheinbar endlosen Anklageschrift lässt sie die Welt und den Leser ausgedehnt teilhaben. Sie mag sich von ihrem Hass nicht umsonst keinen Millimeter abbringen lassen, aber mit dem Herz auf dem Schwert, statt auf der Zunge, gibt sie so in erster Linie die verletzte Harpyie, die Blut sehen will und stolz darauf ist. Eigentlich nicht die Protagonistin meiner Wahl, aber da ist ja Teichgott sei Dank noch Elyas und wäre ich nicht schon vergeben... Hinter seiner großen Klappe und der rein zufällig umwerfend gut aussehenden Fassade dazu steckt alles, was Emely fehlt: ein gutes Herz, scheinbar unerschöpfliche Geduld und ein nicht zu verachtendes Ego. Die Zicke und Mr. Perfect funktionierten als Hauptcharaktere für mich dabei gerade wegen ihrer extremen und unterschiedlichen Charaktereigenschaften so gut, denn die nehmen sie eigentlich permanent gegenseitig auf die Schippe. Daneben verblassen die Nebencharaktere fast ein wenig. Schrullig sind sie alle, aber eine größere Rolle bekommt nur Elyas Schwester Alex und lasst es mich so sagen: Bei solchen Freunden brauchst du keine Feinde mehr.

Schwimmzüge... tja, was ist auf über 500 Seiten noch gleich passiert? Obwohl, so wichtig ist das eigentlich gar nicht, Hauptsache Elyas und Emely waren mit von der Partie! Denn zugegeben, die Handlung selbst ist wirklich nicht mehr, als eine dieser ach so typischen 0815-Teenie-Romanzen. Miteinander? Lieber würde Emely sterben. Ohneeinander? Wenn sie das nur durchhalten würde... Na, Déjà-vu? Einmal durch die Jugend-Abteilung der örtlichen Bücherei und ich bin mir sicher, dass ich in maximal zehn Büchern sämtliche Szenen, "Geheimnisse" und (Miss-)Ver- und Geständnisse aus "Kirschroter Sommer" so oder ähnlich wiederfinden würde. Aber - großes Aber! - hier macht die Chemie den Plot: Es brodelt, knallt und knistert, dass es die reinste Lesefreude ist! Ob beim mit bissigem Sarkasmus ausgeführten Schlagabtausch oder - zugegeben seltener - bei friedlicher Unterhaltung, das Froschherz hat jeden noch so kleinen Funken zwischen den Beiden eifrig mitgetaktet- nur um am Ende kurz stehen zu bleiben. Denn Fans von witzig inszenierter YA-Hass-Liebe im Stil von "10 Dinge, die ich an dir hasse" werden zwar sehr sicher auf ihre Kosten kommen. Sie werden aber auch mitten in der Nacht Tankstellen abschwimmen oder in Buchhandlungen einbrechen, um jetzt weiterlesen zu können.


Mrs. Zicke vs. Mr. Perfect: witzig inszenierte YA-Hass-Liebe, bei deren in-guten-und-in-schlechten-Zeiten man sich problemlos in einen Rausch lesen kann. Story? Nebensächlich. Herzfrequenz? Jenseits jeder Skala.

Inhalt: ♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥♥
21.05.2014


Kommentare:

  1. Hmmm, eigentlich hatte ich darum trotz vieler begeisterter Rezensionen bisher einen Bogen gemacht, klingt doch zu sehr nach Einheits-Teenie-Schmonzette ... aber wie du das hier beschreibst, kriege ich doch irgendwie Lust darauf ... Muss ich mir wohl mal in der Bücherei schnappen. :-)

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    1. Naja, irgendwie istz es wirklich Einheits-Teenie-Schmonzette, zumindest Storytechnisch. Da wird es (vermutlich) für dich wirklich wenig Überraschungen geben. Aber es war soo sympathisch-witzig-romantisch-toll umgesetzt <3
      Bücherei ist eine gute Idee! Ich denke das Buch mag man so richtig richtig gerne oder so richtig richtig überhaupt nicht.

      Wobei ich den zweiten Band nicht mehr so prickelnd fand, aber da stehe ich bei den Fans von "Kirschroter Sommer" ziemlich alleine da. Die meisten, die dieses Buch toll fanden, mochten auch den Nachfolger. Du kannst es also ruhig wagen :)

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  2. Das schreit geradezu nach einem ReRead, hach. Schade, dass ich jetzt erstmal arbeiten muss und so. xD Deine Rezi ist echt klasse geworden und du bringst es sehr gut auf den Punkt.

    Liebe Grüße
    Sarah

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    1. Dankeschön ^^
      Ja, das blöde reale Leben. Soll es uns doch einfach mal in Ruhe lesen lassen ;-) Zumal es das perfekte Wetter für ein so ein Buch ist! Hach, ich will auch nochmal <3

      Liebe Grüße,
      Kermit

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  3. Ich sitze da definitiv mit auf deinem Seerosenblatt. Es gibt so viel an dem Buch, was ich eigentlich blöd oder nervig finde, aber IRGENDWAS funktioniert und es ist süß und unterhaltsam und kribbelt.
    Amen zu den Nebenfiguren. Alex ist streckenweise so so so schrecklich. Ich weiß echt nicht wie man sowas als beste Freundin bezeichnen kann. Die reitet sie so oft gegen ihren Willen irgendwo rein, grrr.

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    1. "Irgendwas funktioniert", das hast du perfekt ausgedrückt ^^ Das war vermutlich auch der Grund dafür, dass mich der zweite Band nicht mehr überzeugt hat. Was auch immer für mich hier gepasst hat, in "Türkisgrüner Winter" ist es abgetaucht :/ Hast du den zweiten Teil auch gelesen?
      Furchtbar, oder? Was daran "Freundin" sein soll, das ist mir auch nicht ganz klar geworden. Wenn Alex auch nur einmal auf Emelys Wünsche eingegangen ist, dann ist mir das entgangen ;-) Ein bisschen "Ich kenne dich, ich weiß was gut für dich ist" ist ja in Ordnung, aber das war Dauer-"Ich WILL aber"-Holzhammer-Methode.

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    2. Ich habe den zweiten Teil vor Kurzem erst gehört und fand ihn eigentlich genauso gut wie den ersten Teil. Er zieht sich halt auch an vielen Stellen extrem, aber ich fand es süß wie die beiden sich endlich mal annähren. Was hat dich an der Fortsetzung denn so enttäuscht?
      Ich fand die Mütter da ja auch ganz, ganz schrecklich! Wie die sich in alles einmischen und was die so für Auffassungen haben. Kein Wunder, dass Alex so ist wie sie ist.

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    3. Den Anfang fand ich auch noch richtig, richtig gut und ich hatte mich schon auf ein weiteres Highlight gefreut. Aber dann hat sich Emely derart in ihr "Du hast mich beloooogeeen" hineingesteigert, das war mir echt zu viel des Guten. Es ist ja nicht so, als ob sie in Sachen Elyas immer die Königin der zwischenmenschlichen Gutmenschen gewesen wäre -.- Dann hat sich Elyas auch noch mit Feuereifer in die Rolle des bösen, bösen Lügners und Betrügers und "Bestraf mich für den Rest dieses Lebens und die zwanzig nächsten"-Märtyrer geworfen und argh :/ Emely ohne Elyas war für mich nur schwer zu ertragen ;-)

      Die Mütter waren echt ohne Worte. Da blieb mir auch das ein oder andere Mal der Mund offen stehen ôO

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    4. Ach das fand ich gar nicht so schlimm. Also ich meine es war schon ein wenig übertrieben, weil ja eh klar war, dass sie nicht ohne ihn kann und dass sie nicht kapiert hat, dass er sie trotz allem nicht verarscht hat (obwohl ja am Ende rauskommt, dass er das am Anfang durchaus vorhatte), aber ich kann schon verstehen, dass sie da so verletzt war. Blöder fand ich z.B. als Elyas' bester Kumpel ihr später versucht einzureden, dass sie Elyas doch verzeihen soll usw. Das ist ja immer noch ihre Entscheidung, ob sie das will oder nicht. Fand ich doof wie ihr da alle reingeredet haben, schließlich muss sie damit leben können.

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    5. Witzig, das hat mich widerum (fast) gar nicht gestört ^^ Dass Elyas Kumpel ihr reinreden wollte, konnte ich ganz gut nachvollziehen. Klar sollte er sich eigentlich raushalten, aber er hat halt auch gesehen, wie völlig fertig Elyas war und wie leid es ihm getan hat. Wenn ich an seiner Stelle gewesen wäre, dann hätte ich vermutlich auch versucht Emely dazu zu bringen, auf Elyas Entschuldigung (die ja traurigerweise niemals angekommen ist *hust*) wenigstens zu reagieren.
      Aber Emelys war für mich einfach zu sehr "Wer im Glashaus sitzt...", als dass ich das noch hätte gut finden können. Ich bleibe in Zukunft in diesem Genre wohl besser wieder bei meinen Einzelbänden ;)

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