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Sonntag, 10. Januar 2016

[BuchBlubb] ► Katze, Hut und Regenschirm (Joanne Harris)



Lächle!
Lache!
Lebe!
♠EN: A Cat, a Hat and a Piece of String
♠Verlag: List (2013)
♠Seiten: 304
♠Genre: Verschiedenes
♠Reihe: -

"Würziger Pinienduft, das Rauschen des Meeres und der Zuckerguss eines Törtchens, der süß auf der Zunge zergeht." In sechzehn Geschichten entführt Joanne Harris den Leser in eine Welt genussvoller Sinneseindrücke, magischer Momente und tragischer Schicksale. Sie erinnert uns daran, wie viel schöner die Welt mit ein bisschen Phantasie sein kann...
Das erfahren zum Beispiel die rüstigen Freundinnen Faith und Hope, die vom Sommerausflug ihres Seniorenheims ausgeschlossen werden. Empört und traurig finden sie sich mit ihrem Schicksal ab- ganz im Gegensatz zu ihrem erfinderischen Betreuer Chris. Wer braucht schon den "Inkontinenz-Express", wenn er sich auf eine wundervolle, amüsante Phantasiereise an die französische Atlantikküste begeben kann? 


1st: >> Wie lieb von Ihnen, dass Sie sich die Mühe machen, uns zu besuchen. <<





Angeschwemmt... wurde das Buch von einem sehr lieben Menschen zum Geburtstag. Sie hat nicht nur selbst einen vorzüglichen Buchgeschmack, sondern weiß auch, wie glücklich man mich mit einem Buch für meine Harris-Sammlung macht. Danke dir! 

Abgetaucht... bin ich voller Vorfreude. Wie konnte ich auch anders, bei einem Buch mit Namen "Katze, Hut und Regenschirm"
♥? Es wird jetzt vermutlich jene unter euch geben, deren Augenbrauen an dieser Stelle ein misstrauisches Eigenleben entwickeln. Alle anderen wissen es besser, denn Joanne Harris und ein Titel wie dieser, das kann nur eine einzigartige Lesereise werden. Ich bin nicht der größte Fan von Kurzgeschichten, aber wenn ich dabei jemandem eine Chance gebe, dann dieser Autorin. Wer z.B. "Fünf Viertel einer Orange" oder "Chocolat" gelesen hat, dem brauche ich dazu nichts mehr zu sagen. Joanne Harris besitzt das für mich einzigartige Talent, nicht nur Atmosphäre in jeden einzelnen ihrer Sätze zu packen, sondern darüber hinaus tausendundein Gefühl und noch mehr Gedanken zwischen den Zeilen mitschwingen zu lassen. Und in genau diese Art von Geschichte(n) taucht der Leser hier ein. In kurze, aber unheimlich einprägsame Erzählungen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Momentaufnahmen, Lebensgeschichten, Ein- und Überblicke; Frohmut, Liebe, Trauer, Hoffnung, (Über-)Leben, Witz und Charme- alles aufzählen zu wollen, das ist, als wolle man Wasser mit einem Sieb fangen. Ausnahmsweise muss ich deshalb dem Klapptext zustimmen: Lasst euch entführen in eine Welt genussvoller Sinneseindrücke.

Badegäste... machen diese Reise zu einem unvergleichlichen Erlebnis. Zwei rüstige Rentnerinnen, die Ungerechtigkeiten in ihrem Seniorenheim mit Witz und einer gehörigen Portion Bonny&Clyde begegnen; ein Altenpfleger, der seinen Schützlinge in ihren eigenen vier Wänden die schönsten Weltreisen ermöglicht; ein Mann, der 364 Tage im Jahr Weihnachten zelebriert; eine Mutter, die dem Geist ihres Sohnes auf Twitter folgt; ein Baby gemacht aus Zucker, Gewürzen und der Verzweiflung seiner Mutter; Kinder aus dem Kongo, die lebend überleben; Götter, Geister, Gedanken und habe ich erwähnt, dass man unmöglich in Worte fassen kann, was einen hier alles erwartet? Was ich euch aber verraten kann: Ein paar Dutzend Seiten reichen völlig aus, um den verschiedenen Charakteren Leben einzuhauchen, mit allem was dazugehört und mit noch viel mehr. Die Menschen - und ich schreibe absichtlich nicht "nur" Protagonisten - die Joanne Harris erschafft, sind allesamt irgendwie anders, ohne dass ich das so genau in Worte fassen könnte. Es sind oft Kleinigkeiten, in denen man sich wiederfindet; Träume, die man schon träumte; Situationen, die man nachempfinden kann- man fühlt sich den Charakteren einfach nahe.

Schwimmzüge... decken eine große, auf den ersten Blick zusammenhangslose Bandbreite ab. Was haben Twitter-User und obsessive Computerspieler gemeinsam mit Menschen, die um ihr Bahnhofscafé kämpfen? Wie kann nach der Geschichte einer Frau, die ihre Trauer in Kuchen und Torten erstickt, ein kleines afrikanisches Mädchen über Hunger, Leid und Kinderhandel berichten? Und was haben die Altersheim-Abenteuer zweier Rentnerinnen mit Mensch gewordenen Göttern in Manhattan zu tun? Vielleicht nichts, vielleicht alles, so genau lässt sich das nicht sagen. Mit diesen Kurzgeschichten ist es, wie mit den mehrdeutigen Bildern der Psychologie: Vermutlich sieht jeder etwas Anderes. Auf alle Fälle ist "Katze, Hut und Regenschirm" die Reise wert.


Eine ungewöhnliche, abwechslungsreiche Geschichtensammlung voller Witz, Tragik und der Magie des Alltags.
Inhalt: ♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥

10.01.2016

Freitag, 6. Februar 2015

[BuchBlubb] ► Hover (Melissa West)



Freund?
Feind!
Verantwortung...
♠Dt: -
♠Verlag: Entangled (2013)
♠Seiten: 228
♠Genre: Dystopie, Jugendbuch
♠Reihe: The Taking #2

In der Zukunft ist nichts, wie es scheint. Wirst du scheitern?
Noch auf der Erde hat man Ari beigebracht, niemals einen Blick auf die Ancients zu riskieren. Aber wenn sie auf ihrem neuen Planeten Loge überleben will, dann darf ihre Wachsamkeit niemals nachlassen. Denn Zeus wird sein Volk vom sterbenden Planeten retten- koste es, was es wolle. Der Schlüssel? Ari. Die Druckmittel? Jene, die zu beschützen sie geschworen hat. Die tausenden Menschen, die vor dem giftigen Neurotoxin in der erdischen Atmosphäre Zuflucht auf Loge gesucht haben, wurden versklavt und sollen Zeus als Waffe im Krieg gegen die Erde dienen- es sei denn, Ari und Jackson können ihn aufhalten. Aber
dazu benötigen sie Hilfe und auf Loge kann Vertrauen tödlich sein...


1st: >> "What is that?", I ask, pointing to a dark triangular building in the distance. <<





Angeschwemmt... wurde das Buch von mir für mich, weil... Hm, naja... Bestimmt gab es einen guten Grund für den Kauf. Stationären Buchhandel unterstützen, für die nächste Eiszeit vorsorgen oder etwas in der Richtung. Das schöne Cover war wie üblich völlig ohne Einfluss.

Abgetaucht... bin ich nach dem - gelinde gesagt - umstürzenden Ende des ersten Bandes "Gravity" mehr als gespannt, aber auch mit den üblichen Sandwich-Ängsten. Würde es der Autorin noch einmal, gelingen, mich mit ihren innovativen Ideen zu überraschen und zu begeistern, oder hat sie ihr Pulver schon im Auftakt verschossen? Diese Angst war Teichgott sei Dank völlig unbegründet, denn bevor die Erde der Zukunft mit all den technischen Rafinessen ihren Reiz verliert, spielt die Autorin "Beam me up, Scotty" und verschifft ihre Hauptcharaktere auf einen außerirdischen Planeten. Dort angekommen darf der Leser dann erneut eine ihm völlig neue Welt entdecken und weil Ari hier selbst fremd ist, hat das fast noch mehr Spaß gemacht, als im ersten Band. Was für ein cooles Setting! Die Aliens leben in einer elbisch anmutenden, aber hoch entwickelten Zivilisation, die geprägt ist von den unterschiedlichen Fähigkeiten der Bewohner- und dominiert vom alleinigen Herrscher Zeus. Die Autorin hat sich auch hier wieder ein interessantes Konzept ausgedacht und kurbelt das Kopfkino kräftig an. Das liebe ich an dieser Reihe: Melissa West liefert Baukasten und Anleitung, aber die Welt erschafft man sich während des Lesens selbst. Einzig aus dem
Konfliktpotential auf dem sterbenden Planeten hätte sie meiner Meinung nach noch mehr machen können. So bleibt es im zweiten Band atmosphärisch größtenteils eher ruhig, abwartend und in der Gewissheit, dass es bis zum großen Sturm nur noch eine Frage der Zeit ist.

Badegäste... sind nahezu alle in der Hand von Zeus, dem übermächtigen Herrscher der Aliens. Aber Ari wäre nicht die Tochter ihres Vaters, wenn sie das grausame Schicksal ihrer Landsleute als Bauernopfer im Krieg der Ancients einfach akzeptieren würde. Nur ist sie dieses Mal völlig auf sich alleine gestellt und die Entwicklung des Mädchens, das eigentlich nie Anführerin sein wollte, fernab ihrer Familie und Freunde hat mir wirklich gut gefallen. Ari bleibt, wie sie ist: ein bisschen zu offen, ein bisschen zu forsch und immer viel zu ungeduldig. Aber gerade, dass sie sich bewusst für diese "Schwächen" entscheidet und ihr gutes Herz keinem Krieg, weder auf gesellschaftlicher noch auf privater Ebene, opfert, macht sie für mich so liebenswert. Diese Heldin ist mal tough, mal anhänglich, aber immer authentisch und für mich damit eine absolute Sympathieträgerin. Jackson hingegen... Hätte er nicht der coole, mysteriöse Alien aus "Gravity" bleiben können? Seine Entwicklung ist eher die eines James Bond im Weichspülgang und obwohl er jetzt Heimvorteil hat, bleibt der Ancient völlig blass. Er liebt seine Familie, die Bewohner von Loge respektieren ihn- aber was noch? Mir war er zu soft, zu gewöhnlich. Den strengen Ausbilder mit der harten Vergangenheit konnte ich ihm einfach nicht abkaufen. Die außerirdischen Nebencharaktere sind eigentlich durchweg gut gemacht, erfüllen aber in erster Linie ihren Zweck als "tyrannischer Bösewicht", "genialer bester Freund" oder "gute Fee". Ich hätte gerne noch mehr Blicke hinter die Fassaden der Aliens geworfen, weil es da sicher noch weit mehr zu entdecken gibt. Aber dafür werfen einige überraschende Entwicklungen plötzlich ein ganz neues Licht auf alte Bekannte und das hat mir wirklich gut gefallen.

Schwimmzüge... gehen es gemächlich an, während sich Ari, halb Mensch und halb Ancient, in Loge einlebt und mit widersprüchlichen Gefühlen, Heimweh und ihrem losen Mundwerk zu kämpfen hat. Zwar hat ihre Regierung Ari den Auftrag gegeben, Zeus zu eliminieren. Aber der übermächtige Herrscher macht ihr auf seine ganz eigene Art deutlich, dass sie nicht die erste Attentäterin wäre, die einen Mordversuch mit dem Leben bezahlt und ihre Lieben Zeus Zorn preisgegeben hätte. Man beobachtet sich, beäugt einander misstrauisch und es sind lange eher die kleinen Momente, die den Lesefluss aufrecht erhalten. Aber die haben es in sich: außerirdischer Alltag auf Lodge, bumm Folterszene, gemütliches Teetrinken bei Oma Zeus, bumm erpresserische Exekution etc. Melissa West spielt auf den Nerven des Lesers Geige, in dem sie die gespannte, aber abwartend ruhige Atmosphäre immer wieder durch Szenen unterbricht, die nichts für Zartbesaitete sind. "Hover" mag kein reiner Hau-drauf-Plot sein, aber langweilig wird es deshalb keinesfalls. Wer ist Freund, wer Feind? Wen gilt es zu schützen und ist Zeus wirklich der Einzige, dem Ari nicht den Rücken zudrehen sollte? Fragen über Fragen, während sich die Spannung stetig steigert und in einem Finale mündet, das einem zweiten Band mehr als würdig ist! Auch die Entwicklung der Liebesgeschichte zwischen Ari und Jackson hat mir sehr gut gefallen. Denn "Hover" ist eine Geschichte, in der die Protagonistin nicht für einen Kuss und ein Lächeln vergisst, dass ihr Love-Interest sie belogen, betrogen und hintergangen hat, mögen seine Gründe auch noch so rechtschaffen gewesen sein.


"Hover" ist eine solide Brücke zwischen "Gravity" und "Collide", die vor allem durch das außergewöhnliche außerirdische Setting und die glaubwürdige Liebesgeschichte überzeugt.
Inhalt: ♥♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥

29.12.2014

Montag, 29. Dezember 2014

[BuchBlubb] ► Bitten To Death (Jennifer Rardin)



Krieg. 
Liebe.
Wuff!
♠Dt: -
♠Verlag: Orbit (2008)
♠Seiten: 320
♠Genre: Urban-Fantasy
♠Reihe: Jaz Parks #4

Ist es verrückt, auf den Moment zu warten, an dem die Gewinnchancen gegen null gehen? Schließlich fängt der Spaß dann erst so richtig an...
In meiner neuesten Mission hat es mich in die griechische Stadt Patras verschlagen. Aber anstatt deren altertümliche Pracht in all ihrer Herrlichkeit genießen zu können, soll ich mich in ein Vampir-Kartell einschleußen. Nur zwei Vampire sind dem eng verwobenen Netz dieser Gemeinschaften je lange genug lebend entkommen, um von ihren gnadenlosen Gesetzen berichten zu können: Edward "The Raptor" Samos, verbrecherisches Superhirn und Staatsfeind Nummer eins, und Vayl, der beste Meuchelmörder der CIA und gleichzeitig mein Boss. Der Raptor versucht, Vayls ehemaliges Kartell zu übernehmen. Doch die neue Anführerin scheint ihre ganz eigenen Pläne zu haben und keiner davon beinhaltet ein "Happily Ever After" für mich...


1st: >> I stood in the moonlit courtyard of a Greek villa so old and enourmous it would've made me feel like Hera herself if I hadn't been so pissed. <<





Angeschwemmt... wurde das Buch als Quasi-Geburtstagsgeschenk von mir für mich. Es gibt doch nichts über eine Bestellung beim großen A mit der Option auf "Kostenfrei falls Buch dabei"-Lieferung, um meine Jaz Parks Sammlung mehr oder minder guten Gewissens zu vervollständigen.

Abgetaucht... bin ich in eine meiner liebsten Urban-Fantasy-Serien mit mehr Anlauf, als gut für meinen Lesespaß gewesen wäre. Wie ist das mit den Erwartungen? Wehe, sie werden enttäuscht... Das lag nicht nur daran, dass Frau Rardin kein "Lies mich weg"-Englisch schreibt und es mir anfangs immer ein wenig Mühe bereitet, mich in die Sprache einzufinden. Ich schätze es sehr, dass die Autorin mir nicht jedes Mal aufs Neue die Welt seit Adam und Eva erklären möchte. Nur hätte es hier gerne die eine oder andere Erläuterung mehr sein dürfen. Griechenland hat seine ganz eigene magische Ordnung und sicher auch seinen ganz eigenen Flair. Aber zwischen allen möglichen Unterweltlern, Feindschaften und alten Fehden hatte ich meine Mühen damit, wenigstens einen Hauch von Überblick zu bewahren und viel zu selten Gelegenheit, um die Atmosphäre genießen zu können. Außerdem waren manche Szenen - Stichwort "Festmahl" -, ähm, ieeehk und ich bin eigentlich nicht zart besaitet. Nur gut, dass Jaz mit ihrem Humor da einiges wieder wettgemacht hat und auch, wenn das Lesen insgesamt (gefühlt?) mühsamer war, als in den Vorgängern, haben einige WOW-Szenen die Anstrengungen durchaus belohnt.

Badegäste... lassen sich schwer beschreiben, ohne zu spoilern. Zunächst ist alles, wie gehabt: Kick-Ass Heldin Jaz kümmert sich um ihren psychisch "leicht" angeknacksten Bruder - ob der das will, oder nicht - und Vampirboss Vayl tut sein Bestes, um die Mini-Einsatztruppe zusammenzuhalten- wenn er nicht gerade mit den Schatten seiner Vergangenheit in den Ring steigen oder schlafen muss. Aber es dauert nicht lange, bis man als Leser neue Seiten an den Dreien kennenlernt und auf die hätte ich persönlich wirklich verzichten können. Ja, es passt zur Story, und ja, es war im Nachhinein betrachtet gut gemacht. Aber mir sind die Charaktere mit all ihren Eigenheiten mittlerweile so ans Herz gewachsen, dass mich ihr verändertes Verhalten mehr als ein Mal vor den Kopf gestoßen hat. Viel interessanter fand ich da die gegnerische Seite! Was gibt es Schöneres, als interne Intrigen, doppelte Spiele und nicht unbedingt rechtmäßig gewählte Anführer in den feindlichen Reihen? Ich hätte gerne noch mehr über das Vampir-Kartell gelesen, doch dafür war leider genau so wenig Platz, wie für Bergman, Cassandra und Kaugummi-Cam, die mir wirklich gefehlt haben. In Abwesenheit meiner Lieblinge wurde deshalb der Hund des Raptors mein persönlicher Held dieses Buches. Gibt es etwas Herzigeres?! Für eine Dauerrolle würde ich der Autorin sogar die hoffentlich nur vorübergehend nicht ganz so runde Charakterzeichnung in diesem Band verzeihen.

Schwimmzüge... lassen den Leser eines früh lernen: Fremde Häuser sind böse. Was als gewöhnliche Aufklärungsmission beginnt, das wird nicht nur dank feindlich gesinnter Raumdekoration schon bald zur gefährlichen Gratwanderung zwischen emotionalen Minenfeldern und dem eigentlichen Einsatzziel. Die Autorin pflastert den Weg zum Endgegner mit einigen Überraschungen, die es wirklich in sich haben und storytechnisch ermüdet "Bitten To Death" keine Seite lang. Ob nun Jaz auf den Pfaden von Sherlock Holmes, Vayl in den Fängen alter Bande(n) oder griechischen Fehden zwischen Vampiren, Werwölfen und Bären, in die unsere Helden platzen. Für einen hohen Unterhaltungsfaktor hätte es den roten Faden um Erzfeind Raptor gar nicht gebraucht, so viel hatte die Nebenhandlung zu bieten. Einzig der Part um Vayls Söhne hätte für mich gerne auch ein Buch lang pausieren dürfen. Auf wie viele völlig offensichtliche Finten will er denn noch hereinfallen? Insgesamt aber war der vierte Band so rasant und actiongeladen geschrieben, dass diese kurze Durststrecke zum Ende hin den Lesespaß auch nicht mehr bremsen konnte. Kleinere Schwächen oder das doch recht abrupte Ende eines bestimmten Handlungsstrangs sind im Lesesog erfolgreich untergegangen.


Nicht das beste Buch der Reihe, aber rasante Action und der liebenswerteste Hund der Vampirgeschichte trösten über kleinere Schwächen hinweg.
Inhalt: ♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥

29.12.2014

Dienstag, 30. September 2014

[BuchBlubb] ► Vorsätzlich verliebt (Jill Mansell)



Gerücht?
Munition!
Action!!
♠EN: Rumour Has It
♠Verlag: Fischer (2012)
♠Seiten: 416
♠Genre: Humor, Romantik
♠Reihe: -

Als Tilly aus heiterem Himmel von ihrem Freund verlassen wird, ist das der ideale Zeitpunkt für einen Tapetenwechsel. Kurz entschlossen zieht sie zu einer Freundin aufs Land. Doch die vermeintliche Idylle entpuppt sich schnell als Haifischbecken aus Klatsch, Tratsch und Intrigen. Hier wird der Kampf um attraktive Männer mit Verbissenheit geführt, und dass Tilly überhaupt nicht in den Ring steigen will, das interessiert keinen. Schon gar nicht Jack. Die einen mehr, die anderen weniger selbstlos, raten die Dorfbewohner Tilly geschlossen davon ab, sich in die lange Liste seiner Eroberungen einzureihen. Dummerweise wird er ihr immer sympathischer, je besser sie ihn kennenlernt. Könnte er doch der Richtige sein? Doch um das herauszufinden, müsste Tilly sich auf das rufmörderische Parkett der Singlefrauen im Dorf wagen...


1st: >> Schon komisch. <<






Angeschwemmt... wurde das Buch beim großen Thalia-ME-Flohmarkt. Es gibt ein paar Autoren, die schließe ich am Abend vorher in meine "Bitte, bitte, lass mich finden!"-Gebete ein und Jill Mansell ist mit ihren witzigen Liebesgeschichten da ganz vorne dabei. Außerdem liebe ich Gestaltung und Schriftzug der Bücher.

Abgetaucht... bin ich voller Vorfreude - schließlich hat mich die Autorin noch fast nie enttäuscht - und das völlig berechtigt. Es gibt diese Bücher, bei denen weiß man einfach, dass sie gut werden und "Vorsätzlich verliebt" ist eines davon. Das war mir schon nach einer einzigen Seite aus der Sicht von Tilly klar: Ich habe geschmunzelt und gelacht, hatte einfach Spaß und Freude am Lesen und genau so ging es auch weiter. Die Chemie zwischen Frau Mansell und mir passt einfach. Sie schreibt so herrlich witzig, mit viel Liebe zum Detail und einem scheinbar unbegrenzten Vorrat an skurrilen Szenen, dass sie mich auf ganzer Linie bestens unterhalten hat. Der Humor ist ironisch, oft übertrieben und selten ganz ernst zu nehmen, aber immer charmant und er passt wunderbar ins Setting der Kleinstadt. Willkommen im Reich von Klatsch und Tratsch kann ich da nur sagen! 

Badegäste... lassen einem eigentlich gar keine andere Wahl, als sie gern zu haben oder zumindest ihren Unterhaltungswert anzuerkennen. Die Protagonistin Tilly an sich ist schon eine Marke: verrückt, liebenswert, schrullig und ein wenig komplexbehaftet. Wie soll man eine Frau beschreiben, die sich schon auf den ersten fünf Seiten mit Fish&Chips bewaffnet zu einem Mülltonnen-Bocksprung provozieren lässt und dabei mit gespreizten Beinen (und jeder Menge Mayonnaise) auf der Kühlerhaube eines Porsche landet? Tilly ist einzigartig, sympathisch und hat ein Talent für Chaos und Blamagen. Ihr Herz ist nah genug am rechten Fleck, um sie gern zu haben und weit genug weg für jede Menge schadenfrohen Humor. Gibt es eine unterhaltsamere Protagonistin? Dann ist da natürlich noch der Besitzer von besagtem Porsche: Jack. Charmeur und Herzensbrecher, theoretisch Witwer und noch ein paar Dinge mehr, die Tilly meidet. Aber eben leider auch heiß vom Typ "Ich will dich hier, jetzt und mit nichts als einer Schleife um den Hals" mit Sinn für Tillys Katastrophen-Humor und dazu noch ein richtig guter Kerl. Oder?  Auch die Nebencharaktere sind - typisch Jill Mansell - durchweg verrückt und liebenswert. Ein bisschen überzogen vielleicht, ja, aber dafür sprühen Funken und Witz, treffe, wer da wen wolle. Die Autorin hat sich mit jedem Einzelnen wirklich viel Mühe geben und nicht einmal die verwöhnte Katze der Bald-Ex-Frau des neuen Freundes von Tillys bester Freundin vernachlässigt.

Schwimmzüge... könnte der Originaltitel "Rumour has it" nicht besser beschreiben, denn in dieser Kleinstadt regiert die Gerüchtemafia und deren Maschinerie arbeitet teuflisch effektiv. Die ganze Geschichte hat etwas von "Desperate Houswifes", nur ein wenig züchtiger und mit weniger Todesfällen. Aber auch hier kann der Weltfrieden einpacken, wenn "Wer mit wem und wieso nicht mit mir?" gespielt wird. Typisch Jill Mansell gilt das natürlich nicht nur für die Protagonistin Tilly, sondern auch für ihre beste Freundin, ihren Vermieter, dessen Ex-Frau und noch manchen mehr. Zu viele Zielscheiben für den guten alten Amor? Keine Sorge, der behält den Überblick und hat sogar noch Zeit, um den Charakteren das Liebesleben ein bisschen schwer zu machen, bevor es endlich an das Verteilen von "Happily ever after" geht. Denn auch in diesem Buch wollte die Autorin wieder für fast alle das Beste und darin liegt auch mein einziger Kritikpunkt. Mir war es gegen Ende hin an der einen oder anderen Front ein bisschen zu viel des Zuckers. Aber das ist Meckern auf hohem Unterhaltungsniveau. Insgesamt bietet "Vorsätzlich verliebt" vor allem dank "Fettnäppchen Ahoi"-Tilly jede Menge herrlich witziger Szenen. Darf es eine extra Portion skurril-liebenswerter Pseudo-Dramen sein? Dann seit ihr hier genau richtig.
 

Eine Wohlfühl-Geschichte zum (aus-)lachen und schmachten: Witzig, skurril und romantisch, was will man mehr?
Inhalt: ♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥

30.09.2014

Mittwoch, 13. August 2014

[BuchBlubb] ► Sapphique (Catherine Fisher)



Frei. 
Gejagt.
Gefangen?
♠EN: Sapphique
♠Verlag: Penhaligon (2014)
♠Seiten: 480
♠Genre: Dystopie
♠Reihe: Finn&Claudia #2

Finn ist die Flucht aus Incarceron gelungen, aber seine Freiheit wurde teuer erkauft. Keiro ist noch gefangen, das Portal zerstört und Finn zweifelt zunehmend daran, wirklich der verloren geglaubte Prinz Giles zu sein. Doch davon will Claudia nichts hören. Sie weiß, dass solche Schwächen im Schlangennest bei Hofe tödlich sind. Es heißt jeder gegen jeden zwischen den beiden, der Königin und den Schattenwölfen...
Unterdessen stoßen Attia und Keiro im Gefängnis auf den verrückten Magier Rix, der offenbar in den Besitz der einzigen verbliebenen Fluchtmöglichkeit gekommen ist: Sapphiques Handschuh. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, denn Sapphique selbst hat schon vor langer Zeit in Incarceron die Sehnsucht nach außerhalb geweckt und jetzt sieht das Gefängnis seine Zeit gekommen- um jeden Preis und sei es das Ende einer ganzen Welt...



1st: >> Die Gasse war so eng, dass Attia sich gegen eine Mauer lehnen und einen Fuß an der gegenüberliegenden Maur abstützen konnte. <<





Angeschwemmt... wurde das Sequel zu "Incarceron" über BloggDeinBuch, aber keine Sorge, ich erzähle euch die Geschichte nicht noch einmal. An dieser Stelle geht stattdessen ein ganz recht herzliches Dankeschön für das Rezensionsexemplar an BdB und den Verlag Penhaligon! Letzterer hat sich mit der Gestaltung der Bücher wirklich selbst übertroffen und vor allem die Schutzumschläge mit den leicht abgehobenen Schlüsseln im Metallic-Look sind die reinste Augenweide.

Abgetaucht... bin ich dieses Mal, ohne mich von Erwartungs-Schlingpflanzen ausbremsen zu lassen. Nach dem eher ernüchternden Vorgänger war von meiner anfänglichen Euphorie nur noch vorsichtiger Optimismus übrig und mit niedrigeren Ansprüchen hat sich das Buch gleich viel besser lesen lassen. Ich wusste, dass ich auf bildgewaltige Beschreibungen oder detailreiche und logische Erklärungen der Autorin
gar nicht erst zu warten brauchte, und habe mir deshalb gleich von Anfang an "mein" Incarceron im Kopf zusammengebastelt. Als Leser kennt man inzwischen Begriffe wie Lichtan, Metallkäfer oder Protokoll und es war für mich viel leichter, Dialoge und Gedanken ohne "Häh?!" einzuordnen. Außerdem hat die Autorin für die Erzählerrolle im Inneren jetzt mit Attia die optimale Besetzung gefunden. Sie ist aufmerksam, gewitzt und glaubwürdig und aus ihrer Sicht hat es richtig Spaß gemacht, tiefer in Incarceron einzudringen. Die Ideen für weitere Gefängnisflügel sind wirklich toll und ich hätte gerne mehr Zeit gehabt, um alles erkunden zu können. Aber Worldbuilding und Action zu trennen, das fällt Frau Fisher immer noch schwer und ich war stellenweise etwas überfordert damit, neue Informationen zu verarbeiten und gleichzeitig der rasanten Handlung zu folgen. Langweilig wird es vor allem in Incarceron auf alle Fälle nicht.

Badegäste... setzen sich zusammen aus den alten Bekannten sowie zwei - yeah! - interessanten Neuzugängen und gedankt sei es den Teichgöttern, dass Fluffy-Finn keine Hauptrolle mehr spielt. Wie ein derart bockiges Kind in Incarceron überlebt haben will, ist mir immer noch ein Rätsel. Außen jedenfalls ist er auf Claudia und ihren Mentor angewiesen, als plötzlich ein zweiter und erschreckend glaubwürdiger Giles auf den Plan tritt. Besonders gut gefallen hat mir dabei, dass selbst an der Tochter des Hüters Zweifel nagen und ihre Sicht der Dinge von keinem der Prinzen rosarot-herzförmig vernebelt wird. Sie ist und bleibt Claudia: minimal zickig, maximal resolut und mit ihrer zwischenmenschlich oft unbeholfen-schroffen Art einfach zum Gernhaben. Die Nebencharaktere bleiben allerdings arg schwarz-weiß gezeichnet. Hier haben mir die Gefangenen in Incarceron viel besser gefallen. Verrückt-sympatisch, mit Ecken und Kanten, treiben sie Spiele miteinander und dem Gefängnis, um zu bekommen, was sie wollen: Attia will Finn, Keiro will Freiheit und der selbst ernannte "Dunkle Magier" Rix mit seiner Artisten-Truppe? Das bleibt bis zuletzt genauso offen, wie die Frage, wer denn nun im entscheidenden Moment sich selbst der nächste ist und wer nicht nur über Bruderschaft redet, sondern auch Taten folgen lässt. Ich mochte die Protagonisten wirklich gerne und wäre nahezu wunschlos glücklich gewesen, wenn bei manchen diese Entwicklung mehr als nur angedeutet worden wäre.

Schwimmzüge... haben mir vor allem innerhalb Incarcerons sehr gut gefallen. Vor langer Zeit schon hat Sapphique im Gefängnis die Sehnsucht nach Außerhalb geweckt und inzwischen will der Wächter selbst um jeden Preis seinen Mauern entkommen. Damit haben Keiro und Attia, sein "Bruder" in Vertretung für Finn, auf ihrer Flucht einen schier übermächtigen Gegenspieler. Aber noch sind die Incarceron einen entscheidenden Schritt voraus und Ihre Reise führt die beiden durch die verschiedensten Gefängnisflügel bis direkt in Incarcerons Herz und vor die Entscheidung zwischen Freiheit und dem Wohl aller anderen Insassen- toll gemacht, mehr kann ich dazu nicht sagen. Dagegen ödet "Außen" fast ein wenig an. Muss es denn immer gleich der Putschversuch sein? Die Intrigen um Königin, Hüter und Schattenwölfe haben auf mich den Eindruck gemacht, als wollte die Autorin unbedingt dystopisch schreiben, anstatt "nur" ein dystopisches Setting zu nutzen und der betont revolutionäre Unterton war nicht nur 0815, sondern für mich auch völlig unnötig. Zumal Frau Fisher es sich mit der Lösung des Konflikts - Stichwort Stecker - nicht sonderlich schwer gemacht hat und mich in Sachen elektrotechnischer Logik bis zum Ende nicht überzeugen konnte. Aber sei es drum, als Verknüpfung der beiden Handlungsstränge ist die Idee super.


"Außerhalb" fehlt es immer noch an Innovationen, aber Kreativität, Charaktere und Unterhaltungsfaktor "Innen" machen das dieses Mal locker wett! 
Inhalt: ♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥
13.08.2014


Donnerstag, 31. Juli 2014

[BuchBlubb] ► Crossed (Ally Condie)



Flucht. 
Freiheit...
Rebellion?
♠Dt: Die Flucht
♠Verlag: Dutton (2011)
♠Seiten: 367
♠Genre: Dystopie, Jugendbuch
♠Reihe: Cassia&Ky #2

Noch kann Cassia keinen Gedanken an ihre ungewisse Zukunft verschwenden. Erst muss sie Ky finden, um jeden Preis. Denn ihr ist eines klar: seine Versetzung in die Outer Provinces kommt einem Todesurteil gleich. Aber als Cassia endlich dort ankommt, ist Ky schon geflohen und seine Spur verliert sich zwischen den majestätischen, aber tückischen Canyons. Dieses wilde Grenzland hat seine eigenen Gesetze und überall liegt der verheißungsvolle Duft nach Freiheit und Rebellion in der Luft. Cassia ist bereit, Ky und diesem Ruf zu folgen- wäre da nicht diese raffinierte Überraschung von Xander, die sämtliche Karten ganz neu mischen könnte...


1st: >> I´m standing in a river. <<






Angeschwemmt... wurde das Buch zusammen mit seiner großen Schwester bei einer - im wahrsten Sinne des Wortes - günstigen Gelegenheit letztes Jahr. Eigentlich kaufe ich keine unbekannten Autoren auf Vorrat, aber Cassia&Ky war die Empfehlung einer Freundin mit exquisitem Buchgeschmack und nach meinem 2013er-Highlight "Matched" war ich dann mehr als froh, mich nicht erst auf UK-Versand verlassen zu müssen.

Abgetaucht... bin ich trotz hoher Erwartungen aber erst einmal zögerlich. "Matched" hatte mich zwar völlig gefangen genommen und davon getragen, aber konnte Frau Condie diesen Zauber überhaupt noch einmal wirken? Kurz und bündig: Sie kann- und dabei ist sie keineswegs auf das Setting der "Society" angewiesen. Am Lagerfeuer wäre Frau Condie diejenige, deren Stimme man bis zum Morgengrauen und darüber hinaus lauschen möchte, besser kann ich es nicht ausdrücken. Ob beim Anblick unglaublich schöner Landschaften, dem Erleben unbeschreiblicher Grausamkeiten oder der Entdeckung unaussprechlicher Wahrheiten, die Autorin lässt sich nicht aus der Ruhe bringen und gerade das hat mich wieder in den Bann gezogen. Kein Detail bleibt vergessen, keine wichtige Zeile unbetont und so schafft es Frau Condie mühelos, die Bedeutung, die Macht von "Worten" für Cassia auch an mich weiterzugeben: Ihre Schönheit, ihre Wirkung und nicht zuletzt auch ihre Gefahr für all jene, die besser geschwiegen hätten. Wo in "Matched" der Boden nur leise vibriert hat, da rollen inzwischen die Kriegstrommeln an und der Leser muss das Böse nicht mehr erahnen, es wird auf dem Silbertablett serviert: Garantiert unverdaulich, aber garniert mit so vielen Fragezeichen, dass man einem Nachschlag unmöglich widerstehen kann.

Badegäste... haben mich überrascht. In "Crossed" wechselt die Rollenverteilung und es ist Cassia, die sich auf unbekanntem Terrain zurechtfinden und überleben muss. Für Ky hingegen ist es nichts Neues, dass die Society nicht nur Augen und Ohren, sondern auch ihre Waffen überall hat. Er scheint die Regeln zu kennen, nach denen hier gespielt wird, aber auch Cassia lernt schnell. Vom Mädchen hinter Zuckerglas, das nur leben und lieben und das ein oder andere entscheiden wollte, scheint von einer gewissen Naivität abgesehen nicht mehr viel übrig zu sein. Die neue Cassia will verändern und mir hat an dieser Entwicklung vor allem gefallen, dass sich die Society ihren Feind selbst geschaffen hat und kein ach so toller Mann dafür verantwortlich ist. Ky nämlich, in dem nicht nur Cassia einen - den? - Piloten sehen möchte, er will nur eines: So weit wie möglich weg und je mehr man über seine Vergangenheit erfährt, desto besser kann man ihn verstehen. Überhaupt sind Altlasten Dreh- und Angelpunkt der Geschichte und als Leser vermutet man instinktiv (richtig), dass hinter den Nebencharakteren mehr steckt, als sie zugeben wollen. Hart, misstrauisch, sich selbst der Nächste- krasser hätte der Unterschied zu Cassias alter Umgebung nicht sein können. Aber mir haben sie gut gefallen und Xander, ja, der gute Xander... Dazu nur ein doppeltes Wort: Überraschung, Überraschung!

Schwimmzüge... leiden zumindest anfangs an der Sandwichbelags-Krankheit. Cassia ist zwar mit den besten Absichten aufgebrochen, sitzt seither aber im Mädchencamp zwischen Setzlingen, Geheimnissen und "Big Society is watching you"-Wänden fest. Ich mag es nicht, wenn sich die Handlung selbst in den Schwanz beißt und fand es wirklich zäh, als die beiden Erzählperspektiven noch nebeneinander, aber eben irgendwie nirgendwo hin gelaufen sind. Der Sinn hinter den Lagern im Outer Province ist unmenschlich und grausam, ja. Aber das Prinzip menschlicher Lockvogel ist nun einmal nichts Neues und deshalb hat mich Cassias Leben dort nicht halb so fasziniert, wie die Erkundung der "Society" im ersten Band. Wirklich gepackt hat mich die Geschichte deshalb erst, als sie einen Schritt weiter geht und flüchtet. Gejagt vom Militär und auf der Suche nach einer Legende kommt gefühlt auf jeden kleinen Erfolg eine unangenehme Wahrheit und auf jede neue Bekanntschaft ein Dutzend unbegrabener Toter. Steckt hinter "the pilot" mehr, als ein paar Worte? Was verbirgt Ivy? Flucht oder Angriff? Ky oder Angriff? Es hat etwas von einer emotional actiongeladenen Schnitzeljagd, wenn Cassia nach Antworten sucht- aber nicht jeder spielt fair und gerade diese Ungewissheit angesichts immer neuer Entdeckungen hat mich gefesselt. 


Der Weg ist hier das Ziel und die Charaktere werden sorgfältig und glaubhaft für das große Finale in Stellung gebracht.
Inhalt: ♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥

31.07.2014

Mittwoch, 9. Juli 2014

[BuchBlubb] ► AvaNinian: Viertes Buch (Ina Norman)



Glück. 
Hochgefühl!
Verhängnis...
♠EN: -
♠Verlag: Pomaska-Brand (2013)
♠Seiten: 440
♠Genre: High-Fantasy
♠Reihe: AvaNinian #4 >> Spoiler zu #1-#3

Es scheint, als wären selbst die Götter Jermyn und Ninian wohl gesonnen: Katastrophen lassen den Ruhm des Diebespärchens nur weiter wachsen, Intrigen ihrer Feinde wenden sich gegen die Ränkeschmieder selbst. Doch die Gunst des Schicksals ist selten von Dauer und der Kampf um die Nachfolge des Patriarchen fordert bald schon nicht nur innerhalb der Stadtmauern zahllose Opfer. Dunkle Wolken ziehen herauf, in deren Schatten sich eine unheimliche Macht verbirgt. Können Jermyn und Ninian gegenüber dieser bisher größten Herausforderung bestehen? Oder wird ihr Stern zusammen mit Dea verglühen?


1st: >> Sechs Wochen waren seit dem Einsturz des Alten Zirkus vergangen, das Jahr neigte sich seinem Ende zu und der Tag der Wintersonnenwende rückte heran. <<





Angeschwemmt... wurde das Buch als Rezensionsexemplar und auch für den vierten Band darf ich deshalb einen herzlichen Seerosen-Dank an den Pomaska-Brand-Verlag schicken. Als das Buch Ende letzten Jahres erschienen ist, habe ich noch (Sushi-)Tempel erkundet und deshalb bin ich erst jetzt in den Genuss des neuesten Abenteuers um Ninian und Jermyn gekommen. Aber das Warten hat sich wieder gelohnt!

Abgetaucht... bin ich ungeachtet meiner langen Pause ohne Anlaufschwierigkeiten. Die Autorin bleibt ihrer Kulisse Dea treu und wir kehren zurück in die immer prächtiger werdende Ruinenstadt unserer Diebe, schlendern mit ihnen tagsüber über Märkte und schleichen nachts durch zwielichtige Gassen. Aber es ist mitnichten alles beim Alten und das macht die Autorin sehr geschickt. Anstatt den Ort zu wechseln und mit ewig neuen Beschreibungen zu langweilen, lässt sie Dea einfach die Kleidung wechseln. Doch anders, als während der "Wilden Nächte", ist die Große Stadt dieses Mal zerlumpt und schmutzig: Sie zittert unter harter Hand, blutet unter ungerechten Urteilen und hungert vor leeren Speichern. Diese Unterdrückung war ungewohnt eindringlich beschrieben und ich habe richtig mit den Stadtbewohnern mitgelitten. Ich hätte mir noch gewünscht, dass das Leid auch stärkere Auswirkungen auf Jermyn und Ninian hat, aber davon abgesehen ist die düstere Atmosphäre sehr gelungen. Sie ist ganz anders, als bei Fantasy im Stil von Tolkien oder Martin: Konzentrierter, lokaler, akuter. Wer gerne mittendrin ist, statt nur dabei, der wird sich hier wohlfühlen.
Ina Norman schreibt wie gewohnt flüssig und bildhaft und verzichtet auf all zu viele Dialoge in ihrem für mich gewöhnungsbedürftigen Dea-Slang, sodass sich die Geschichte wunderbar kurzweilig lesen lässt.

Badegäste... sind mein einziger größerer Kritikpunkt und das obwohl - oder gerade weil - mir die Ausgangslage sehr gut gefallen hat. Wieder einmal brodelt es in der Ruinenstadt, denn nach der Rettungsaktion um den großen Zirkus bekommt ausgerechnet der Eigenbrötler Jermyn die Bewohner Deas nicht mehr aus seinem Kopf und was tut der Patron, wenn es ihm schlecht geht? Er lässt seine Launen an anderen aus und zieht sich vor allem vor Ninian zurück- nichts liebt sie mehr. Auch bei den Nebencharakteren herrscht kein eitler Sonnenschein. Die hochschwangere Kamante ist extrem reizbar, Wag völlig überfordert und LaPrixa leidet unter ihrer unerwiderten Liebe. Im Palast ist Donovans donnernde Stimme wieder verstummt und er verkommt zur Schachfigur unter Männern, die das Regierungs-Spiel schon weit länger und ohne Skrupel spielen- Männern, wie sein Halbbruder Duquesne, der seit der Zurückweisung durch den toten Vater von Hass und Rachsucht zerfressen wird. Wenn das keine genial-explosive Ausgangssituation ist, dann weiß ich auch nicht und so kurz vor dem Finale schien damit einfach alles möglich zu sein! Aber diese Chance zur Weiterentwicklung ihrer Helden hat die Autorin in meinen Augen für sprichwörtliche Äpfel und Eier verkauft. Der Einzige, der in einem Punkt einen kleinen Schritt nach vorne machen durfte, war wieder einmal Jermyn. Alle anderen scheinen dazu verdammt zu sein, ihre eingeübten Rollen bis zum Ende durchspielen zu müssen und das finde ich wirklich schade. Gerade weil mir Ina Normans Charaktere mit all ihren Ecken und Kanten inzwischen sehr ans Herz gewachsen sind, hätte ich mir hier einfach mehr gewünscht.

Schwimmzüge... waren aber so mitreißend, dass ich mir während des Lesens darüber Teichgott sei Dank nicht all zu viele Gedanken zu machen brauchte. Denn endlich ist es so weit und die Autorin holt zum großen Schlag gegen Dea aus. Grausame Plünderer vor den Stadttoren, gnadenlose Urteilsvollstrecker dahinter und mittendrin unsere Helden, die das drohende Unheil nicht kommen sehen. Wer hätte auch erwarten können, dass ausgerechnet Duquesne sich mit Fortunagra verbünden würde? Wer sich vorstellen, dass Jermyns zur Schau gestellte Ignoranz seine Freunde teuer zu stehen kommen oder er gar im geheimnisvollen Ariten seinen Gedankenleser-Meister finden könnte? Ich will über die Handlung gar nicht zu viel verraten, aber seit versichert, sie hat es in sich. Ina Norman greift nahezu alle noch losen Fäden auf und verstrickt ihre Charaktere in ein Netz aus Intrigen, Betrug und Manipulation. Besonders gut gelungen fand ich, dass lange nur der Leser (fast) alle Zusammenhänge kennt und machtlos zusehen muss, wie manch ein lieb gewonnener Held in sein Verderben zu rennen droht. Mir war zwar früh klar, wie die Geschichte grob enden würde, das hat der Spannung aber keinen Abbruch getan. Denn bis zum großen Showdown wartet Frau Norman insbesondere bei den Nebencharakteren mit einigen Überraschungen auf und gerade diese unerwarteten und oft urplötzlichen Schauer am Rande lassen das große Ganze zu einem mitreißenden Strom anschwellen.


Ein düsterer, mitreißender Höhepunkt in der Saga um Jermyn und Ninian, der viele lose Fäden gekonnt und nicht gerade zimperlich zusammenführt
Inhalt: ♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥

09.07.2014

Sonntag, 29. Juni 2014

[BuchBlubb] ► Du bist mein Stern (Paige Toon)



Head,
Heels,
Over?
♠EN: Johnny Be Good
♠Verlag: Krüger (2009)
♠Seiten: 384
♠Genre: Humor, Romantik
♠Reihe: Meg Stiles #1

Würde sie bitte jemand kneifen? Die neue persönliche Assistentin von Rockstar Johnny Jefferson, das kann doch nur ein Traum sein! Von wegen- kurze Zeit später sitzt Meg im Flugzeug nach Los Angeles und taucht ein in die glamouröse Welt der Stars und Sternchen. Sie versucht wirklich, ihren Job möglichst gewissenhaft zu erledigen und eigentlich hatte sie sich aus Johnny und seiner Musik auch nie etwas gemacht. Aber verdammt, dieser Mann ist leibhaftiger Sexappeal! Daran ändern auch die Beschwörungen seines besten Freundes Christian nichts. Wie soll Meg bei all den Eskapaden und dem Rockstar in Badeshorts nur einen kühlen Kopf bewahren- und will sie das überhaupt?   


1st: >> "Sin-gen! Sin-gen! Sin-gen!" <<






Angeschwemmt... wurde das Buch vor ein, zwei oder auch drei Badesaisons auf dem ME-Flohmarkt. Ich war jung, ich war naiv und schon immer cover-verliebt, da konnte ich einfach nicht widerstehen. Zumal mir nicht nur die Aufmachung, sondern auch der Klapptext eine locker-leichte Romanze versprochen haben. Aber wenn "Du bist mein Stern" etwas nicht ist, dann einer der unzähligen Wohlfühl-Liebestümpel des Genres und das - so gerne ich in denen auch gelegentlich bade - im positiven Sinne.

Abgetaucht... bin ich, als ob - mir fällt kein besserer Ausdruck ein - I'm walking on sunshine, woohoo! Dabei habe ich gar nicht damit gerechnet, dass das Cover auch tatsächlich Programm sein würde. Aber Tatsache! Es gibt Bücher dieses Genres, die sind nett geschrieben, insgesamt ganz unterhaltsam und vermitteln hier ein Lächeln und dort ein Schmunzeln.
Und dann gibt es Autoren, die dich durch ihre bloße Wortwahl mit einem richtig, richtig guten Gefühl zurücklassen. Paige Toon will in "Du bist mein Stern" keine Herzen schmelzen, ihre Leser sollen in erster Linie ihren Spaß haben. Natürlich gibt es auch ernste, romantische und nachdenkliche Szenen. Aber am meisten und am besten in Erinnerung geblieben ist mir der oft (selbst-)ironische und schreiend komische Humor, der sich durch die ganze Geschichte zieht und das Lesen zum lockerleichten Spaß mit Frühlingsfrische-Kick macht. Nicht immer ganz ernst zu nehmen, aber definitiv zum Lachen und Wohlfühlen und Schmachten und Freuen und hach

Badegäste... haben daran sicher Hauptschuld. Denn Meg und Johnny sind so viel mehr, als Fangirl und Rockstar und das - ganz wichtig - jeder für sich. Es ist doch oft so, dass gerade das Zusammenspiel der Charaktere ihren Reiz und den der Geschichte insgesamt ausmacht. Aber hier gibt es Meg. Es gibt Johnny. Und beide hätte ich auch ohne das "und" knutschen können, einfach weil sie auch im Alleingang ganz wunderbar gestaltete Protagonisten sind. Vor allem Meg war mir von Anfang an sympatisch. Sie ist die perfekte Erzählerin dieser Geschichte: Neugierig, gewitzt und begeisterungsfähig angesichts dieser Welt aus Stars, Sternchen und kostenlosen Häppchen auf der einen Seite; aber auch bodenständig und nüchtern genug, um den Morgen nach dem Konzert zu sehen als das, was er ist. Kurzum, sie vermittelt diese ehrführchtige OMG-Begeisterung gegenüber Johnny, ohne sich den Cinderella-Schuh anzuziehen. Meg weiß, wo ihr Platz ist und will daran auch eigentlich gar nichts ändern. Mit ihrer natürlichen Art hat sie schnell Gärtner, Haushälterin und den Leser auf ihrer Seite und das macht sie unheimlich sympathisch! Seinen Platz, sein Sparbuch und seinen Sexappeal kennt auch Johnny und oooh mein Teichgott! Er ist heiß, er hat Humor und auch ein gutes Herz. Aber er ist im besten "Sex, Drugs and Rock&Roll"-Sinne auch alles, wovor uns unsere Mütter immer gewarnt haben. Muss ich erwähnen, dass er auch ganz ohne Zutun und wider besseren Wissens nicht nur Meg den Kopf verdreht? Die Nebencharaktere sind zwar oft typische Showbiz-Clowns à la selbtsüchtiger Manager, eifersüchtiges Starlett oder bildhübsche und schauspielernde bessere bzw. eben schlechtere Hälfte von Johnny. Aber die mit größerer Rolle, wie Johnnys bester Freund (Jelly Beans, er liebt tatsächlich Jelly Beans!!) oder Megs Kollegin und neue Freundin (Mit ihr würde ich auch gerne Mal auf einer Party inmitten dünner Models leckere Häppchen hamstern!) muss man einfach gern haben.

Schwimmzüge... haben mich auch genau damit beeindruckt: Mit dieser unerwartet witzigen, aber eben auch ehrlichen Sicht auf und in Johnnys Welt von Stars und Sternchen. Denn, darüber muss man sich im klaren sein, das hier ist keine (reine) Liebesgeschichte mit Glanz, Schmalz und Gloria. Der Originaltitel "Johnny Be Good" trifft es viel besser und macht deutlich, dass es der Autorin um mehr geht, als "Jane Doe entert Leben und Lieben der Reichen und Schönen". Hier trifft nicht irgendeine Frau auf irgendeinen Rockstar, sondern Meg auf Johnny und das in erster Linie als Menschen und nicht als prädestinierte Topf-Deckel-Kombination. Deshalb lässt sich die Handlung auch so schwer beschreiben. Es gibt die normalsten und die verrücktesten Szenen (Lemminge! Lemminge!!). Es geht um falsche Liebe, echte Freundschaft und umgekehrt, um Ruhm und seinen Preis, um alles und um nichts. "Du bist mein Stern" ist wie ein herzförmiger Luftballon, der am liebsten irgendwo hin fliegen würde, aber von der Autorin mit Witz und ernsten Tönen gleichermaßen greifbar am Boden gehalten wird. Ganz realistisch kann diese Art von Geschichte vermutlich nie sein, aber Paige Toon ist ganz nah dran und hat mich gerade mit der ein oder anderen geplatzten Seifenblase, aber auch mit ihrem herrlich frischen Humor positiv überrascht. Nur das Ende... Man kann es so stehen lassen, ja. Aber ich für meinen Teil bin gespannt darauf, wie die Autorin das im Sequel "Diesmal für immer/Baby Be Mine" endgültig abschließen wird.


Sympathische Charaktere in einer locker leichten, aber überraschend ungewöhnlichen Geschichte über Leben und Lieben hinter der Rock-Kulisse.
Inhalt: ♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥♥

29.06.2014