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Samstag, 4. April 2015

[BuchBlubb] ► Lieber Linksverkehr als gar kein Sex (Kristan Higgins)



Ver-Visumt,
verlobt,
verliebt?
♠EN: The Perfect Match
♠Verlag: Mira (2015)
♠Seiten: 448
♠Genre: Romantik
♠Reihe: Blue Heron #2

Wenn die biologische Uhr jeden Tag ein bisschen lauter tickt, dich deine jahrelange sporadische Affäre aber für deine beste Freundin sitzen lässt, dann kann es durchaus zu Kurzschlusshandlungen kommen. Oder wie sonst sollte Honor es sich erklären, dass sie in eine Scheinehe mit einem völlig Fremden eingewilligt hat? Einem völlig britischen Fremden mit eigenwilligem Humor, der noch dazu so gar nicht ihr Typ ist? Zugegeben, sein Akzent könnte auch die unanständigsten Träume wahr werden lassen. Aber er kann noch so verboten gut aussehen: Zweckbeziehung bleibt Zweckbeziehung. Oder?


1st: >> An dem Tag, als Honor Grace Holland 35 wurde, tat sie das, was sie an ihrem Geburtstag immer tat. <<






Angeschwemmt... wurde auch der zweite Band der Reihe um das Wein-Dörfchen "Blue Heron" von BloggDeinBuch. Ein recht herzliches Dankeschön deshalb an dieser Stelle auch an dern Mira-Verlag! Cover und Titel der deutschen Übersetzung finde ich zwar nach wie vor - gomen nasai - zum Fremdfroschschämen, aber wie war das mit dem geschenkten Gaul? So viel also zu einem "Die Reihe lese ich bestimmt nicht auf Deutsch weiter!"...

Abgetaucht... bin ich ungeachtet schiefer Blicke meiner Mit-Bahn-Menschen aber voller Vorfreude!  Nach "Lieber für immer als lebenslänglich" war klar, hier lag Lieblings-Autor-Potential in der Luft! Oder auch nicht. Lag es an mir, der Autorin oder der neuen Übersetzerin, dass mir das Lesen weit, weit weniger Spaß gemacht hat? Versteht mich nicht falsch: die Geschichte ist amüsant, kurzweilig und stellenweise durchaus romantisch. Aber eben nicht mehr urkomisch, wie im Flug vergangen und von Amor geküsst. Nett zu lesen also, aber das gewisse Etwas hat gefehlt bzw. wurde von der Erzählerin schlicht weg in den Leseboden gestampft. Die innere Göttin einer gewissen grauphilen Studentin ist eine Sache, die inneren Eier einer 35jährigen in ihrer Midlife-Crisis etwas ganz anderes. Kurzum: Honors Humor war einfach nicht meiner und das macht es schwer, eine Geschichte zu mögen, die größtenteils von ihr erzählt wird. Wer Spaß an inneren Eier-Monologen parallel zu jeder romantischen Szene hat, der wird hieran sicher seine Freude haben. Aber für mich hat das jegliches Herzklopfen im Keim erstickt und ich habe mich lieber an den tollen Landschaftsbeschreibungen gefreut...

Badegäste... mochte ich eigentlich alle- bis auf die Protagonisten. Dazu muss ich sagen: ich liebe Listen, Textmarker und bequeme Schuhe in der Öffentlichkeit. Warum ich dann mit Honor solche Schwierigkeiten hatte? Weil die Autorin hier nicht wie im Vorgänger ein Klischee humorvoll auf die Schippe nimmt, sondern sie die biedere Karrierefrau ohne Sozialleben erbarmungslos ausleben lässt. Außerdem haben die stellenweise selten doofen Handlungen so wenig zur erfolgreichen Managerin gepasst, wie ihre Instantliebe zu den zwölf Jahren unglücklich-unerschütterlichem Verliebtsein dabor. Unstimmig und unlustig sind noch die nettesten Attribute, die mir hier einfallen. Und Tom? Wenn es nach Honor ginge, dann ist er sexy, gut aussehend, zum Küssen/Abschlecken/Ablecken/etc. Ähm, ja. Er hat ein paar helle (und sehr lustige) Momente, in denen ihr aus der Patsche hilft. Aber den größten Teil der Geschichte über gibt er erfolgreich den emotionalen Vollpfosten, dem das ja alles gar nichts bedeutet- und das auf äußerst unsympathische Art und Weise. Ich bin den Bad Boys solcher Geschichten eigentlich schon aus Prinzip verfallen und dass es hier nicht so war, sagt eigentlich alles. Einziger Lichtblick waren die Nebencharaktere. Diese Familie ist einfach ein toller Haufen und die Szenen mit ihnen sind klasse. So muss das sein und nicht mit Honor anders.

Schwimmzüge... hätten dann vielleicht ganz großes Kino werden können. Die Grundidee finde ich nämlich großartig. Die (wie auch immer und gerne über Visa-Probleme geartete) Scheinehe, die langsam, sicher und prickelnd zur wahren Liebe wird... Das ist nicht neu, aber immer wieder toll- falls gut gemacht. Falls. Die Autorin bietet zwar durchaus gute Unterhaltung und wirft von der misstrauischen Familie über einen launischen Sohn bis zum überraschenden Kontrollbesuch der Behörden einiges in den Ring. Aber gerade weil diese Geschichte schon so oft erzählt wurde, hatte ich mir mehr erhofft, als die guten alten Klassiker. Mehr Ideen und vor allem mehr emotionale Entwicklung. Annäherung, Vorfreude, Knistern? Selten. Und falls doch, dann nicht von Dauer. Klingt alles sehr subjektiv? Ist es auch. Wer eine nette Geschichte sucht und sich von Stolpersteinen nicht beeindrucken lässt, solange nur "Happily Ever After"-Garantie inbegriffen ist, der könnte hier durchaus seinen Spaß haben. Aber mich haben Honor, die Geschichte und vor allem Honors Geschichte maßlos enttäuscht.


Sturzflug vom siebten Erwartungshimmel in die harte Realität der unsympatischen Charaktere. Funken, wo seit ihr?!
Inhalt: ♥♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥♥

04.04.2015

Freitag, 5. September 2014

[BuchBlubb] ► Lover At Last (J.R. Ward)



Liebe. 
Sehnsucht.
Mut?
♠Dt: Sohn der Dunkelheit & Seelenprinz
♠Verlag: Piatkus (2013)
♠Seiten: 620
♠Genre: Romantasy
♠Reihe: Black Dagger Brotherhood #11

Von seiner Familie verleugnet und von der Glymera gemieden hat Qhuinn, Sohn von Niemandem, in der Bruderschaft eine neue Familie und im Krieg gegen die Lessening Society eine neue Identität gefunden. Aber weder die zahlreichen erfolgreichen Kämpfe noch die Vorfreude auf die Geburt seiner Tochter mit der Chosen Layla können die Leere in Qhuinns Innerem füllen. Denn zu spät hat er erkannt, wem sein Herz wirklich gehört: Blay, der nach jahrelanger unerwiderter Liebe seine Sehnsucht nach Qhuinn scheinbar endgültig hinter sich gelassen und sein Glück mit Saxton gefunden hat. Das muss Qhuinn akzeptieren. Was er aber nicht ahnt: Blay spielt falsch und setzt damit alles auf eine Karte. Wird sein einst bester Freund endlich wahren Mut beweisen und mit seiner Vergangenheit abschließen, so dass sie vielleicht doch die Chance auf eine gemeinsame Zukunft bekommen? Da macht die Bruderschaft eine unfassbare Entdeckung...


1st: >> I stood in the moonlit courtyard of a Greek villa so old and enourmous it would've made me feel like Hera herself if I hadn't been so pissed. <<






Angeschwemmt... worden wäre das Buch schon 2013 bei Erscheinen, wenn ich nicht 10.000km vom heimischen Briefkasten entfernt gewesen wäre. Keine Frage also, dass "Lover at Last" auf die Geburtstags-Wunschliste musste. Schicksalshafterweise war es dann das einzige Buch, das bei meinem Buchhändler rechtzeitig lieferbar war. Yay! Wirklich unglaublich, dass ich mich einmal so sehr auf Shounen-Ai freuen würde...

Abgetaucht... bin ich aber tatsächlich mit unbeschreiblich großer Vorfreude! Die Geschichte um Blay und Quhinn wurde schließlich schon seit gefühlt immer aufgebaut und jede Szene mit den beiden hat bei mir Herzklopfen ausgelöst, wie zuletzt Bella und Zhadist oder John und Xhex! Frau Ward musste sich nach dem langen Warten einfach Mühe geben, oder? Naiv, Frau Frosch, sehr naiv. Mit dem elften Band erreicht die Schreibkunst der Autorin vielmehr einen neuen Tiefpunkt. Wann hat sie dieses Buch geschrieben? Nach der Party und vor der Kopfschmerztablette? Ich erwarte hier keinen Shakespeare, aber billig und platt macht nicht gleich lässig und cool. Man kann auch Sätze ohne F***, Sh** & Co. bilden und sogar Kleidung ohne Fäkalsprache beschreiben, danke! Was mich aber am meisten gestört hat, das war der atmosphärische Einheitsbrei. Ob Bruder X, Bruder Y oder eine ihrer Frauen, das hat für mich beim Lesen überhaupt keinen Unterschied gemacht, fluchen konnten sie schließlich alle. Wo, bitteschön, sind die Charaktereigenschaften hin? Wo ist der ganz eigene Charme verschiedener Personen? Unglaublich, wie wenig lieblos Frau Ward hier schreibtechnisch mit "ihrer" Familie umgeht!

Badegäste... waren so wenig ausgearbeitet, dass es mir beinahe körperliche Schmerzen bereitet hat. Mehr als ein Problemzettelchen auf der Stirn pro Person, auf dem man dann die nächsten 600 Seiten herumreiten konnte, war nämlich offenbar nicht einmal für die Hauptcharaktere drin. Gerade bei Quhinn und Blay hatte ich so viel erwartet und durfte stattdessen einer kaputten Schallplatte lauschen: immer das Gleiche, wieder und wieder (...) und wieder. Dabei hätte die Autorin mit Blay (unerwiderte Liebe, Helfersyndrom, Outcoming), Quhinn (Selbstzerstörungsmodus, posttraumatisches Stresssyndrom, Akzeptanzproblem) oder auch Xcor, Trez und anderen alle, alle Möglichkeiten gehabt! Aber irgendwo muss man eben Abstriche machen, wenn ein Dutzend (neuer) Nebenfiguren mehr Platz bekommen sollen, als die eigentlichen Helden des Buches. Klar, mit seiner Tochter in ihrem Bauch ist Layla nicht unbedeutend für Quhinn. Aber wenn sie mehr Raum zur (Nicht-)Entwicklung bekommt, als die Liebe seines Lebens, dann ist beim Setzen der Prioritäten eine ganze Menge schief gegangen.

Schwimmzüge... haben mich auch aus genau diesem Grund schwer enttäuscht. Ein Post reicht nicht aus, um aufzuzählen, was Frau Ward hier alles an sinnlosen Nebenplots angefangen hat. Aber außer Ideen für zukünftige Bücher jetzt schon wahllos in die Menge zu werfen, passiert nichts, das auch nur ansatzweise Sinn und Verstand erahnen lassen würde. Ich lese gerne über Sola und Assail und Trez und iAm und Layla und Xcor und Selena und wen auch immer- in ihren eigenen Büchern und nicht auf Kosten des Pärchens, wegen dem ich das Buch gekauft habe. Selbst wenn ich ignoriere, dass Quhinn und Blay storytechnisch nicht mehr als ein Possenspiel mit Saxton als Puffer bekommen haben, ist da nichts! Der Kampf gegen die Lessening Society dümpelt vor sich hin, die BoB scharren auch nur mit den Hufen und vom Schlammcatchen um den Thron will ich gar nicht erst anfangen. "Lover at Last" ist eine Ideensammlung, ein Skizzenbuch vielleicht, aber definitiv kein Teil meines lieb gewonnenen großen BdB-Ganzen und schon gar keine Liebesgeschichte!



Enttäuschung auf nahezu ganzer Linie. Ein paar schöne Szenen machen einen Voll-Flop auch nicht nennenswert besser.
Inhalt: ♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥♥

05.09.2014

Dienstag, 22. Oktober 2013

[BuchBlubb] ► The Waking Dreamer [EN] (J.E. Alexander)



Träumen. 
Wachen.
Dazwischen?
♠Dt.: -
♠Verlag: Mechanical Owl Media (2013)
♠Seiten: 354
♠Genre: Urban-Fantasy
♠Reihe: Children of the Earth #1

1st: >> Under a moonless sky distended with December rain, the well-dressed young couple passed boarded-up storefronts and broken windows; an amber-eyed littl girl skipped between them, laughing gleefully at the serpent wrapped in her long hair. <<
Immer und immer wieder träumt Emmett denselben Traum: ein Spiegelzimmer, ein Gemälde und die junge Frau mit den bernsteinfarbenen Augen und den Schlangen. Ihre Worte sind immer dieselben: Emmett wird sie retten- bald. Doch immer und immer wieder erwacht er in seinem absolut nicht heldenhaften Leben. Das siebzehnjährige Waisenkind erinnert sich an nichts aus seiner Vergangenheit: weder an seine drogenabhängige Mutter, noch an die Druiden, die ihn bei seiner Geburt vor den Schatten beschützt haben und schon gar nicht an die Wiedergänger, die ihn seither suchen. Aber Emmett kann nicht ewig vergessen, denn sie werden ihn finden und sie werden ihn jagen. Wird er zusammen mit der Schlangenfrau Amala einen Weg finden, um seinen Traum endlich wahr werden zu lassen? Werden ihm seine Tagträume dabei helfen oder führen sie auf die andere, die dunklere Seite?



Angeschwemmt... wurde das Buch via Netgalley. In meiner anfänglichen Anforderungs-Euphorie habe ich es vielleicht ein winzig kleines bisschen übertrieben mit den "Ui, was für ein hübsches Cover"-Ebooks, wobei ich bei Schlangenfrauen im Klapptext ohnehin leicht schwach werde.

Abgetaucht... bin ich in den Prolog nahezu sprachlos vor Begeisterung. Ich meine, wow! Stellt euch atmosphärisch eine Mischung aus Matrix und Harry Potter vor und kombiniert das mit ultracoolen Helden und mysteriös-fantastischen Feinden. Mir standen die Haare zu Berge, ich habe meine S-Bahn-Haltestelle verpasst und war einfach hin und weg! Aber mit dem ersten Kapitel folgte leider die Ernüchterung, denn J.E. Alexander schreibt seine eigentliche Handlung in einem Stil, der überhaupt nicht an den mitreißend genialen Einstieg anknöpft. Wer nur auf Informationen aus ist, den dürfte der Schwenk zu nüchternen Beschreibungen nicht stören. Aber ich hatte mich in das Feeling des Buches verliebt und davon ist nichts mehr zu spüren. Von Berglandschaften bis zu Krawatte und Haarklammerfarbe der Protagonisten wird wirklich alles ausgiebigst analysiert, aber darüber vergisst der Autor, was ihm im Prolog noch so wichtig war: Den Leser zu unterhalten und ihn in das Worldbuilding einzuführen. Eine großzügige Portion Fragezeichen schön und gut, aber i
ch war irgendwann nur noch verwirrt angesichts so vieler Informationen, die einem ohne Erklärung serviert werden, und hatte dann auch keine Freude mehr am Lesen.

Badegäste... waren ein einziges Licht und Schatten. Spätestens seit "Anna Dressed in Blood" oder "Insignia: Die Weltenspieler" habe ich ein Faible für männliche, leicht freakig-spleenige Protagonisten und auch Emmett fällt in die Kategorie des sympathischen Außenseiters. Er ist der etwas schnoddrige Film-Nerd von nebenan, der sich mit viel Selbstironie in Kinofilme (und er kennt sie alle!) einbaut und so seinem eher trostlosen Alltag als Waisenkind etwas Farbe verleiht. Aber so witzig seine Filmzitate auch sind, als Person war er mir viel zu naiv. Ein Untoter verflucht ihn, sein Körper erinnert bald an einen rottenden Komposthaufen und das nimmt er hin, ohne zu fragen? Bitte was?! Er begegnet Barden, Druiden und allem, was die Unterwelt zu bieten hat und lässt sich immer und immer wieder mit einem "Bitte, jetzt nicht. Lass uns später reden" abspeisen und das war mir einfach zu wenig. Auch von den Nebencharakteren hatte ich mir nach dem Prolog zu viel versprochen. Statt nämlich in eine Dreiecksgeschichte mit Emmett abzudriften, verschwindet die Schlangenfrau Amala zusammen mit sämtlichen interessanten Charakteren zunächst einfach komplett von der Bildfläche und der Leser bleibt zurück mit Emmett und einem arroganten Barden mit Kleiderfetisch. Es gibt durchaus Anzeichen dafür, dass vor allem letzterer auch anders als langweilig und - sorry - Kameradenschwein kann, aber mehr auch nicht. Mir wird ganz anders, wenn ich daran denke, wie viel Potential hier verschenkt wurde.

Schwimmzüge... hatten das gleiche Problem. Ich bin mir fast sicher, dass der Autor eine absolut genial durchdachte Welt vor seinem inneren Auge entwickelt hatte, bevor er "The Waking Dreamer" geschrieben hat. Aber irgendwie scheint er im Eifer des Gefechts vergessen zu haben, dass ich als Leser nicht über diese ungesagten Informationen verfüge. Das Konzept aus Barden, Druiden und deren tierisch-magischen Seelengefährten fand ich unheimlich interessant, aber man erfährt einfach zu wenig darüber. Auch nach 2/3 des Romans hatte ich nur eine sehr vage Ahnung davon, worum es denn nun eigentlich gehen sollte. Dass die Charaktere dann auch noch gerne ohne Sinn und Verstand gehandelt haben und z.B. für ein Frühstück beim nächsten Diner mal eben Kopf und Kragen riskieren, das hat es auch nicht besser gemacht. Die Grundidee ist genial, aber der Umsetzung fehlt es für meinen Geschmack noch an Hand und Fuß und ich weiß nicht, ob ich der Fortsetzung eine Chance geben werde.


Ein geniales und unverbrauchtes Konzept, dessen Umsetzung es aber leider an Informationen und Charaktertiefe fehlt. Schade!
Inhalt: ♥♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥♥

22.10.2013

Freitag, 14. September 2012

[BuchBlubb] ► Die 5 Leben der Daisy West (Cat Patrick)



Originaltitel: Revived
Erscheinungsjahr: 2012 (Bastei Lübbe)
Preis: 16.99€ (Hardcover)
Seiten: 304
Reihe: -
Erster Satz: "Ich wälze mich auf der Laufbahn neben dem Fußballfeld und schlage um mich."
Kurzbeschreibung

Daisy ist fünfzehn und schon mehr als ein mal gestorben. Doch ein Wundermittel namens Revive holt sie jedes Mal zurück und so lebt Daisy waghalsig und riskant. Jeder Tod bedeutet für sie allerdings eine neue Stadt und ein neues Leben, denn das Mittel ist hochgeheim und Daisy ist ein Versuchsobjekt in einem streng abgeschotteten Programm. An ihrer neuen Schule findet sie in Audrey zum ersten Mal eine beste Freundin. Als sie sich auch noch Hals über Kopf in deren Bruder Matt verliebt, lässt sie sich endlich voll auf das Leben ein. Daisy fängt an, das Geheimsystem rund um Revive zu hinterfragen. Doch sie weiß auch: Wenn sie aufbegehrt, könnte ihr nächster Tod endgültig sein...

Rezension

Zur Zeit treibe ich auf einer kleinen Jugendbuchwelle vor mich hin und so konnte ich nicht widerstehen, mich bei BloggdeinBuch auf "Die fünf Leben der Daisy West" zu bewerben. Die Autorin hat für mich mit ihrer Idee nach den Sternen gegriffen, in diese Richtung hatte ich noch nie gelesen. Ein herzliches Dankeschön für dieses Rezensionsexemplar geht deshalb an BdB und den Verlag Bastei Lübbe! Aber wie das mit den Erwartungen so ist...

Dabei war der Anfang wirklich vielversprechend. Cat Patrick hat einen sehr klaren und zielgerichteten Schreibstil. Ich mag es zwar eigentlich ganz gerne ein bisschen ausgeschweifter und schnörkeliger, aber zur direkten Art der Protagonisten Daisy, aus deren Ich-Perspektive die Geschichte erzählt ist, hat das sehr gut gepasst. Das Buch lässt sich kurzweilig lesen und vor allem Daisys Galgenhumor bezüglich allem, was mit Revive und ihren diverse (Ab-)Leben zu tun hat, hat mir gefallen. Dass sich für mich einfach kein richtiger Zugang zum Buch finden lassen wollte, lag also zumindest nicht in erster Linie an der Wortwahl der Autorin. Aber dadurch, dass sie auf hübsches Wort-Beiwerk verzichtet hat, wird die Aufmerksamkeit des Lesers ungefiltert auf Charaktere und Handlung gelenkt. Und wären mir erstere sympathisch gewesen, dann wäre diese Rechnung auch mit Sicherheit voll aufgegangen.

Leider war das mit Nichten der Fall. So viel älter als Daisy bin ich nun auch wieder nicht, aber vielleicht hat auch einfach die Chemie zwischen uns beiden nicht gestimmt. Denn ich konnte mit ihr nur wenig anfangen. Ihre wagemutige Einstellung hat ja noch super gepasst: Wer ist schon ernsthaft vorsichtig, wenn er weiß, dass der Tod nur etwas Vorübergehendes ist? Gestört haben mich an Daisy ganz "gewöhnliche" Eigenschaften. Sie sollte und wollte so ein schlaues Köpfchen sein, wirkte auf mich aber eher naiv und gerade angesichts ihrer Vergangenheit sehr unreif. Die größte Zeit über war sie als emotionales Trampeltier unterwegs und Ansätze von Charakterentwicklung habe ich ihr irgendwann einfach nicht mehr abgekauft. Und vom obligatorischen Loveinterest "Hot-as-Hell" Matt, der zwischen verständnisvoll-treudoof und abweisend-idiotisch ein bisschen zu oft gewechselt hat, will ich gar nicht erst anfangen. Die Nebencharaktere waren mir da wesentlich lieber. Die verrückte Revive-Megan, Daisys Agenten-"Eltern" oder auch ihre neue Freundin Audrey mochte ich sehr gerne. Aber auf den 300 Seiten des Buches war für sie leider zu wenig Platz. Schade, da wäre noch viel zu holen gewesen!

Aber mit "verschenktes Potential" kann man leider auch den Plot beschreiben. Cat Patrick, das muss ich sagen, hatte hier eine wahnsinns Grundidee : Was wäre, wenn es eine Art Reset-Knopf für den Tod gäbe? Und was, wenn der plötzlich nicht mehr mit Sicherheit funktioniert? Die Autorin hat hier sehr interessante moralische Ansätze eingebracht und wenn sie sich darauf konzentriert hätte, dann hätte "Die fünf Leben der Daisy West" von mir mit ziemlicher Sicherheit vier Frösche verpasst bekommen. Aber wo diese Idee mit der entsprechenden Umsetzung meiner Meinung nach völlig ausgereicht hätte, um ein tolles Buch zu schaffen, wollte Cat Patrick etwas mehr Vielfalt bieten: Eine nervige Instant-Love-Liebesgeschichte mit extrem hohem Augenrollfaktor, die (übertrieben gesagt) auf Modetips reduzierte Freundschaft zu einer Krebskranken, eine an den Haaren herbeigezogene Verschwörungstheorie usw. Ganz ehrlich? Das hätte dieses Buch nicht nötig gehabt! Vielmehr wird bei dieser unheimlichen Vielzahl auf vergleichsweise wenig Seiten jedes Thema nur angekratzt und Konfrontationen wurden fast durchweg mit "Du darfst xyz jetzt nicht sehen" oder "Es tut mir Leid und du hast Recht und lass uns nie wieder darüber reden" umgangen. Manche Handlungsansätze hat die Autorin einfach fallen gelassen und schließlich gab es nicht nur Lücken in der Logik, sondern schlichtweg Fehler. Actionfaktor hin oder her, aber dieses Ende mit seinem zeitlichen und medizinischen Ablauf möchte Cat Patrick ihren Lesern als ansatzweise realistisch verkaufen ?
Das sind letztendlich natürlich alles sehr subjektive Kritikpunkte, das ist mir klar. So schlecht, wie es hier vielleicht klingt, ist dieses Buch vermutlich gar nicht. Es hatte nur leider gerade in den Punkten, auf die ich besonders geachtet habe, einige Schwächen oder einfach meine Erwartungen nicht erfüllt.

Fazit

Ein Häppchenteller, das durchaus Appetit macht, mich aber insgesamt leider hungrig zurückgelassen hat. Die einzigartige Grundidee und tolle Handlungsansätze konnten nicht wettmachen, dass Hauptcharaktere, Chemie und Logik des Plots einfach nicht meine Wellenlänge hatten.

Ich habe allerdings manchmal zugegeben etwas eigene Ansichten und solltet ihr herausfinden wollen, ob das Buch euch umso besser gefällt, dann könnt ihr es *hier* bestellen.

Inhalt: ♥♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥♥
14.09.2012

Dienstag, 27. März 2012

[Rezension] ► Jodi Picoult - Die Wahrheit der letzten Stunde



Originaltitel: Keeping Faith
Erscheinungsjahr: 2001 (Bastei Lübbe)
Preis: 10,95€ (Taschenbuch)
Seiten: 684
Reihe: -
Erster Satz: "Unter normalen Umständen wären Faith und ich gar nicht daheim gewesen, als meine Mutter anrief, um uns aufzuforden, uns ihren brandneuen Sarg anzuschauen."
Kurzbeschreibung

Die Ehe von Mariah und Colin White ist gescheitert. Die siebenjährige Tochter Faith reagiert zunächst mit Schweigen. Nach einiger Zeit beginnt sie mit einer unsichtbaren Freundin zu reden und sie besitzt mit einem Male übersinnliche Fähigkeiten. Als das Fernsehen davon erfährt, werden Faith und ihre Mutter von einem gewaltigen Medienrummel erfasst, der das Kind zu erdrücken droht. Nur mit Hilfe von Ian, der sich Hals über Kopf in Mariah verliebt hat, gelingt es ihnen, die Wahrheit und die Auseinandersetzung mit dem Glauben nicht zu einem Verhängnis werden zu lassen ...

Rezension

Frau Picoult und ich, das verträgt sich eigentlich. "Neunzehn" Minuten von ihr über die Hintergründe eines jugendlichen Amokläufers an einer Schule fand ich großartig und so hatte ich mich sehr auf meinen zweiten Tauchgang in ihren Gewässern gefreut. Aber auch wenn ich das Buch wirklich mögen wollte, wurden wir leider keine Freunde.

Das fing schon mit dem überraschend kalten Wasser des Schreibstils der Autorin an. Die Geschichte wird im Präsens erzählt und ich kann nicht genau sagen, warum, aber ich lese lieber in Vergangenheitsform. Dann wechselt Frau Picoult auch noch häufig und ohne für mich ersichtlichen Grund zwischen erster und dritter Person und besonders mit den Abschnitten in dritter Person Präsens hatte ich größte Schwierigkeiten. Auf mich wirkten die so geschriebenen Szenen eher dokumentiert als erzählt und ich fühlte mich immer irgendwie außen vor. Es war, als würde ich durch eine Glasscheibe blicken: Gesehen habe ich Handlung und Emotionen zwar, aber nahe kommen konnte ich ihnen nicht .

Ein Grund dafür war auch, dass ich mit der Hauptperson Mariah nicht viel anfangen konnte. Ihr Ehemann Colin war alles für sie und nach dem Scheitern ihrer Ehe ist sie am Ende. Statt sich um ihre kleine Tochter zu kümmern, die Zeugin des endgültigen Bruchs zwischen ihren Eltern wurde, ertränkt sie sich in Selbstmitleid und Beruhigungsmitteln. Erst als um Faith herum unerklärliche Dinge geschehen und das Mädchen zusehends ins Interesse der Medien gerät, ändert sich das. Danach hat mir ihr Charakter zwar wesentlich besser gefallen, aber ich habe ihr diesen Wandel einfach nicht abgenommen. Sie war auch vor der Trennung von Colin nicht die typische "perfekte Mutter" und mir hat dieser Ansatz sehr gut gefallen. Ich war gespannt darauf, ob und wie sich Mariahs Desinteresse und ihre fehlende Bindung zu ihrer Tochter noch ändern würden. Aber ein Entwicklungsprozess zum Mitfühlen wurde leider dadurch ersetzt, dass sie praktisch von einer Seite auf die andere zur überzeugten Löwenmutter wird. Vor ihrer Veränderung war sie mir mit ihrer weinerlichen Art einfach unsympathisch und danach konnte ich ihr Verhalten oft nicht nachvollziehen. Sie blieb für mich ungreifbar, und da ein Großteil der Geschichte aus ihrer Sicht bzw. an ihrer Seite erzählt wird, wollte sich bei mir keine rechte Freude am Lesen einstellen. Dafür haben mir aber die Nebencharaktere um so besser gefallen. Hier hat Frau Picoult geschaffen, was mir bei Mariah gefehlt hat: sympathische Charaktere mit markanten Eigenarten. Mariahs Mutter (welche Frau benutzt schon einen Sarg als Wohnzimmertisch ?), ihre Anwältin und viele Andere drücken alle etwas aus. Auch den männlichen Hauptcharakter mochte ich mit seiner witzigen, sarkastischen Art. Also alles in allem eine mir unsympathische Hauptperson und tolle Nebencharaktere: eigentlich eine solide Basis für eine durchschnittliche Bewertung. Was meiner Lesefreude dann den Rest gegeben hat, war die Handlung selbst.

Was nämlich aus dem Klapptext für mich nicht ersichtlich war: Dieses Buch dreht sich zu einem sehr (seeehr) großen Teil um das Thema Religion und damit hatte ich größte Probleme. Für die Fähigkeiten, die das kleine Mädchen entwickelt, wird nämlich recht schnell eine Erklärung gefunden: Sie behauptet ihre imaginäre Freundin, die sie als "Beschützerin" bezeichnet, wäre Gott. Für einen Roman, der sich nicht in den Genres "Fantasy" oder "Horror" einordnet, meiner Meinung nach ein Ansatz mit Potenzial, aber auch eine gewagte These. Vielleicht bin ich zu sehr Naturwissenschaftlerin, um mich auf so etwas einlassen zu können. Aber ich finde einfach, dass wenn man als Autorin schon so ein Grundthema wählt, dann sollte man eine ganze Menge Energie darauf verwenden, das Ganze sinnvoll umzusetzen. Hier führt der durchaus interessante Ansatz leider in erster Linie zu zähen Passagen, in denen Vertreter verschiedenster Religionen über Glaubensfragen diskutieren . Auch die Darstellung der Beweggründe von "Gott" ist meiner Meinung nach sehr fragwürdig. Ich könnte eine ganze Menge aufzählen, aber am meisten hat mir eine Antwort auf zwei Fragen gefehlt. Warum Faith und ihre Familie? Warum nur Faith und ihre Familie? Außerdem mag ich es einfach nicht, wenn Religiöses oder Übernatürliches in fantasyfreien Büchern die Allheil-Erklärung für bestimmte Wendungen ist. Falls die Autorin in Glaubensfragen irgendeine Aussage treffen wollte, dann ging die leider an mir vorbei. Für mich blieb dieses Buch auch nach knapp 700 Seiten völlig ausdruckslos und dass die Logik gerne zugunsten von etwas Drama vernachlässigt wurde, hat das Ganze auch nicht besser gemacht.

Fazit

Wer sich am religiösen Grundthema und vielen Diskussionen über Glaubensfragen nicht stört, für den könnte dieser Roman trotz seiner Logikfehler und blasser Hauptcharaktere durchaus etwas sein. Meinen Geschmack hat er leider überhaupt nicht getroffen.

Inhalt: ♥♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥♥

27.03.2012

Montag, 27. Februar 2012

[Rezension] ►J.C. Grimwood - Silberklinge



Originaltitel: The Fallen Blade
Erscheinungsjahr: 2012 (Knaur)
Preis: 14,99€ (Taschenbuch)
Seiten: 512
Reihe: Die Schatten von Venedig #1
Erster Satz: "Der Junge hing nackt und gefesselt an einer Felswand."
Kurzbeschreibung

Venedig, 1407: Bewusstlos in den Tiefen eines Schiffes versteckt, erreicht der  junge Tycho die Stadt. Als er erwacht, hat er keine Ahnung, woher er kommt- oder wer er ist. Verzweifelt flüchtet er sich in die düsteren Gassen Serenissimas. Dort fällt er dem Dogen in die Hände, der erkennt, welche dunklen Fähigkeiten in Tycho schlummern, und ihn zum besten Assasinen der Stadt ausbilden lässt. Dabei befördert Tycho nicht nur gewöhnliche Menschen mit Leichtigkeit ins Jenseits, sondern er erweist sich auch als perfekte Waffe im Kampf gegen Venedigs Werwölfe und Hexen. Tychos Schicksal als willenloser Auftragsmörder scheint besiegelt, bis er die junge Nichte des Fürsten, Giulietta di Millioni, kennenlernt. Er ist hingerissen von der rothaarigen Schönheit, für deren Sicherheit er sich dem allmächtigen Herrscher widersetzt. Doch der Geruch von Guiliettas Blut weckt eine andere Seite in ihm, eine Seite, die bereit ist, für den Geschmack eines winzigen Tropfen Bluts zu morden...

Rezension

Ihr habt richtig gelesen: Kermit und historische Fantasy. Selbst hätte ich "Silberklinge" wohl spätestens beim Lesen der Jahreszahl im Klapptext wieder in das Verkaufsregal zurückgestellt. Für die Gelegenheit in dieses mir bis dato unbekannte Gewässer abtauchen zu dürfen, möchte ich mich deshalb an dieser Stelle ganz herzlich beim Knaur-Verlag bedanken.  

Wie gesagt stehe ich den historischen Romanen mit einigen wenigen Ausnahmen äußerst skeptisch gegenüber. Ihnen gelingt es nur schwer, mich in ihre Welt zu ziehen und dort auch zu fesseln. Umso mehr hat es mich überrascht, dass mir J.C. Grimwoods Venedig sehr gut gefallen hat. Der Autor hat einen vielleicht nicht unbedingt reißerischen oder fesselnden, aber sehr angenehmen Schreibstil und es fiel mir leicht, mich auf seine Beschreibung der Stadt einzulassen. Er erschafft ein mittelalterliches Venedig, das auf mich sehr realistisch gewirkt hat und das ich gerne erkundet habe. Dabei bekommt man als Leser keine Brille mit Tunnelblick aufgesetzt. Im Gegenteil: Bejubelte Regatten, prunkvolle Feste und die stolze Seele der Stadtbewohner lernt man genauso kennen, wie dunkle Seitengassen, Elend und Armut. Teilweise waren es mir zwar etwas zu viele Beschreibungen, aber alles in allem ist dem Autor der historische Schauplatz sehr gut gelungen. Was mir leider weniger gefallen hat, war seine "Kameraführung". Herr Grimwood arbeitet viel mit Perspektivwechseln, behält dabei aber auch innerhalb der einzelnen Kapitel keine klare Linie bei. Mal ist der Erzähler ein personaler, dann wieder ein auktorialer und man springt oft recht abrupt zwischen verschiedenen Personen und Orten hin und her, die zu separaten Handlungssträngen gehören. Das hat es mir vor allem anfangs sehr schwer gemacht, in die Geschichte hineinzufinden und einzelne Szenen und Schauplätze einzuordnen.

Auch mit den Charakteren hatte ich durch die vielen Wechsel meine Anlaufschwierigkeiten. Denn die Geschichte dreht sich keinesfalls nur um Tycho und Giulietta. Neben den machtgierigen Mitgliedern des Herrscherhauses oder dem Anführer der Assassinen, bekommen auch allerhand Bedienstete eine größere Rolle und nach Sonnenuntergang halten die Gassen Venedigs dazu noch das ein oder andere übernatürliche Wesen bereit. In ihrer Vielzahl blieben mir die einzelnen Charaktere aber leider trotz interessanter Ansätze viel zu blass. Es fehlte mir an Beschreibungen, markanten Eigenschaften und an Seele hinter den Personen. Zwar waren gerade bei den fantastischen Figuren viele interessante Ideen dabei und der Autor wollte sicher auch nicht gleich im ersten Band sein ganzes Pulver verschießen. Aber so viel Potenzial zum Beispiel Tycho, die Hexe Ari´ial oder die geheimnisvolle Dogaressa definitiv noch bieten, hätte es für meinen Geschmack trotzdem schon eine etwas tiefer gehende Ausarbeitung sein dürfen.

J.C. Grimwood legt das Hauptaugenmerk aber eindeutig auf die Handlung und dürfte damit zumindest Leser des deutschen Klapptextes überraschen. Ein gleichsam ungewollter, wie talentierter und blutdürstiger Auftragsmörder? Eine verbotene Liebe, der er sich nicht entziehen kann? Ein Kampf, Mensch gegen Magie? Sicher. Aber erst ab etwa Seite 300 und auch dann ganz anders, als erwartet. Nach einer größeren Liebesgeschichte wird man hier genauso vergeblich suchen, wie nach einem willenlosen Tycho und der mächtige Doge des Klapptextes ist ein geistig behinderter Jugendlicher, dessen Aufgaben von seiner Mutter und ihrem Bruder wahrgenommen werden. Lange Rede, kurzer Sinn: Die tatsächlichen Verhältnisse werden vom Klapptext nur gestreift und mich daran zu gewöhnen, hat einige Zeit gedauert. Schade, denn die Handlung bietet einiges: politische Ränke in und um Venedig, ein Assassinenbund als letzte Bastion gegen eine magische Bedrohung und nicht zuletzt das Geheimnis um den erinnerungslosen Tycho, dem das Morden so leicht gelingt und der das Sonnenlicht nur schwer erträgt. Leider hat die Umsetzung meinen Geschmack aber nicht getroffen. Mir waren es zu viele Einzelhandlungen, bei denen ich lange keinen roten Faden erkennen konnte. Außerdem hatte ich mir mehr von Tychos Hintergrund erhofft. Wer ist er? Was ist er? Die Standardantwort "0815-Vampir" gibt Herr Grimwood zwar nicht, aber so richtig überzeugen konnte mich seine Idee auch (noch) nicht. Zu guter Letzt hat mir als weiblicher Leserin die Liebesgeschichte überhaupt nicht gefallen und die übertrieben brutale Gewalt gegen Frauen, die sich durch das ganze Buch zieht, ist mir mehr als einmal sauer aufgestoßen.

Fazit

"Silberklinge" besitzt eine tolle Grundidee, deren Umsetzung meinen persönlichen Geschmack aber leider nicht getroffen hat. Empfehlenswert für Freunde von historischer Fantasy, die eine rasante und actionreiche Geschichte suchen und sich nicht an etwas flachen Charakteren und einigen sehr brutalen Szenen stören.


Inhalt: ♥♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥♥

21.02.2012

Dienstag, 29. November 2011

[Rezension] ► Will Adams - Das Gottesgrab



Originaltitel: The Alexander Cipher
Erscheinungsjahr: 2007 (Rowohlt)
Preis: 8,95€ (Taschenbuch)
Seiten: 448
Reihe: Daniel Knox #1
Erster Satz: "An der niedrigsten Stelle der Höhle befand sich eine Quelle."
Kurzbeschreibung

Seit Jahren verfolgt der junge Archäologe Daniel Knox nur ein Ziel: Er will die sagenumwobene letzte Ruhestätte Alexanders des Großen finden. Da wird mitten in Alexandria eine rätselhafte Gruft freigelegt. Handelt es sich bei den zweiunddreißig toten Kriegern um die Elitetruppe des Welteroberers? Weisen sie den Weg zu seinem Grab und damit zum prächtigsten Schatz der antiken Welt?
Gemeinsam mit der französischen Skryptologin Gaille begibt sich Knox auf eine gefährliche Spurensuche. Denn der Fundort lockt nicht nur skrupellose Wissenschaftler und geldgierige Plünderer: Das Grab birgt auch ein Geheimnis, das einen Völkerkrieg auslösen könnte, wenn es in die falschen Hände gerät. Und so wird Knox schon bald von alten und neuen Widersachern gejagt, die nicht nur nach dem Schatz, sondern auch nach seinem Leben trachten...

Rezension

Den zweiten Band um Abenteuer-Archäologe Will Knox habe ich vor einigen Jahren geschenkt bekommen und "Die Jagd am Nil" hatte ich als gute Unterhaltung im Stil von Indiana Jones in Erinnerung. Aber mittlerweile bin ich mir nicht mehr sicher, ob mein Urteilsvermögen da nicht doch unter einer Überdosis Schokolade gelitten hat. Denn dieses Buch und witzige Action-Archäologie haben ungefähr so viel gemeinsam, wie Wasserläufer und Seekuh.
Lesen lassen hat sich das Ganze eigentlich recht angenehm. Wenn Will Adams dem Leser nicht gerade ganz genau beschreibt, welche Ausgrabungsstädte aus wie vielen Staubkörnern besteht, dann schreibt er flüssig und kurzweilig, wenn auch ohne viel Tiefgang. Aber viel mehr Positives habe ich dann leider auch nicht anzumerken. Weder Handlung noch Charaktere konnten mich überzeugen. Man nehme einfallslose Protagonisten, gebe eine nicht zu knapp bemessene Menge Klischee hinzu und rühre einmal kräftig um .  Vom König der Abenteurer über die hilfslose Wissenschaftlerin bis hin zu selten unfähigen Schurken war eigentlich alles vorhanden, das es für nicht ganz ernst zu nehmende, aber gute Unterhaltung für zwischendurch gebraucht hätte. Nur ließ die Umsetzung für mich stark zu wünschen übrig. Die Charaktere scheinen einem "Back dir deine Romanfigur"-Set entnommen zu sein und bleiben absolut stereotyp. Individueller Zuckerguss oder liebevoll platzierte Schokostreusel? Fehlanzeige. Bestes Beispiel sind die weiblichen Hauptcharaktere. Ich weiß nicht, wie viel (oder wenig) Will Adams von Frauen hält, aber was die hier unter "echten Männer" (für Kenner: Stichwort "Augustin", will man da lachen oder weinen? ) verstehen, ist nahezu ohne Worte. Ich habe nichts gegen einen Hauch von Chauvi in Action-Thrillern, aber das hier? WTF?!
 
Und die Handlung macht da leider auch nichts wett. Die Story ist zwar nicht schlecht, aber dem findigen Lesefisch genügt der Klapptext, um ziemlich exakt vorhersagen zu können, was passieren wird. Da war sogar mein letzter Jugendthriller in Sachen Knalleffekten beeindruckender. Wenn nicht gerade Meister Zufall Daniel Knox aus der "Eigentlich habe ich keine Ahnung"-Misere rettet, dann passiert einfach nichts. Daniel schläft, Daniel kocht Kaffee, Daniel verliert seinen Laptop. Die restlichen Charaktere wühlen sich durch Staub und Dreck (dessen genaue Beschaffenheit dem Autor ein besonderes Anliegen zu sein scheint) oder klagen über den nicht vorhandenen Sinn des Lebens. Dabei lenken zu viele Nebenhandlungen und -schauplätze, die man lange nur bedingt zuordnen kann, leider vom Kern der Geschichte ab. Auch die diversen Ausflüge in Alexanders Geschichte haben mir persönlich zwar gefallen, weil mich das Thema interessiert. Aber für einen Thriller, der das Buch ja gerne gewesen wäre, sind sie einfach nicht gut genug in die Handlung integriert und nehmen dem Ganzen auch den letzten Rest an Geschwindigkeit.
Lange Rede, kurzer Sinn: langweilig .

Fazit

Die Geschichte sollte wohl außergewöhnlich sein, war für mich aber wegen platter Charaktere und einer Überdosis Zufall nur an den Haaren herbeigezogen. Für jeden ansatzweise anspruchsvollen Thriller-Fan eine alternative Einschlafhilfe, mehr aber auch nicht.

Inhalt: ♥♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥♥

29.11.2011

Sonntag, 17. April 2011

[Rezension] ► Stieg Larsson - Verblendung



Verblendung. Millenium Trilogie,  Band 1Originaltitel: Män som hatar kvinnor
Erscheinungsjahr: 2007 (Heyne)
Preis: 9,95€ (Taschenbuch)
Seiten: 704
Reihe: Millennium #1
Erster Satz: "Es wiederholte sich alljährlich."
Klapptext

An seinem 82. Geburtstag erhält der einflussreiche Industrielle Henrik Vanger per Post anonym ein Geschenk. Das Paket enthält eine gepresste Blüte hinter Glas, genau wie in den 43 Jahren zuvor. Vangers Lieblingsnichte Harriet hatte ihm 1958 zum ersten Mal dieses Geschenk gemacht, doch dann verschwand sie spurlos. Ihr Leichnam wurde nie gefunden.
In einer letzten Anstrengung beschließt Vanger herauszufinden, was dem geliebten Mädchen tatsächlich zustieß. Er engagiert den Journalisten Mikael Blomkvist, der, getarnt als Biograf, bald auf erste Spuren stößt. Unterstützt wird er von der jungen Ermittlerin Lisbeth Salander, einem virtuosen Computergenie mit messerscharfem Verstand. Je tiefer Blomkvist und Salander in der Vangerschen Familiengeschichte graben, desto grauenvoller sind ihre Enthüllungen.

Rezension

Stieg Larssons Band eins der "Millennium"-Trilogie war wirklich eines der Bücher, auf die zu lesen ich mich unheimlich gefreut hatte. Freunde und Bekannte, deren Lesegeschmack ich eigentlich teile, hatten sich fast überschlagen vor Begeisterung und dementsprechend hoch waren meine Erwartungen an dieses Werk. Und umso größer dann leider die Enttäuschung.

Dabei, das muss ich zugeben, fing alles wunderbar an. Mit dem Schreibstil des Autors konnte ich mich sofort anfreunden. Ich bin ein großer Freund von tiefgründigen Charakteren und da die Charaktergestaltung meiner Meinung nach gerade in Krimis/Thrillern oft zu kurz kommt, war ich nach den ersten Kapiteln hier sehr positiv überrascht. Herr Larsson hat mich gefesselt mit seinem flüssigen Schreibstil und seinen detaillierten Beschreibungen von Orten und Personen der Handlung. Er hat seine Hauptcharaktere Lisbeth und Mikael noch etwas im Dunkeln gehalten und ich  hatte praktisch pausenlos den "Was könnte dahinterstecken?!"-Gedanken. Mitfiebern vom Feinsten! Doch statt den Kopfsprung von Einleitung in Richtung Handlung zu wagen, sah ich mich plötzlich mit weiteren gefühlten viertausend Vangers konfrontiert. Anstatt, dass etwas passiert, erfahre ich alles, aber auch wirklich jedes noch so kleine Detail, über nahezu jedes lebende wie auch bereits verstorbene Mitglied des (leider) gigantischen Vanger-Clans. Wer wo, seit wann, warum und auf wessen Gnade hin wohnt. Wer mit wem kann und wer nicht. Irgendwann weiß ich sogar, wer sich vom Hausmeister den Schnee schippen lässt- und spätestens jetzt wird eine kleine Stimme in meinem Kopf, die "Wozu soll das alles gut sein?" ruft, immer lauter. Und leider behält sie Recht. Denn wozu das Verschwinden Hariettes behandeln? Soll ja laut Klappentext nur der Inhalt des Buches sein. Stattdessen musste ich mich mehr als einmal fragen, worum es hier eigentlich noch ging. Krimi? Familienchronik? Wirtschaftskritik? Oder doch nur seichter Liebesroman? Es gab viele tolle Ideen, aber es ist Herrn Larsson meiner Meinung nach leider nicht gelungen, sie zu einem großen Ganzen zusammenzufügen. Stattdessen springt man von einem Ort zum anderen und muss sich ständig fragen, ob es denn wirklich von Bedeutung sein kann, wie viele Glaswände die Büros in der Millenium-Redaktion trennen. 

Auch mit den Charakteren konnte ich mich nicht anfreunden. Mikael war mir leider von Anfang an unsympathisch. Nicht nur, weil es offenbar der Trend war, in den Genuss seiner (natürlich) überwältigenden Liebeskünste zu kommen. Er blieb für mich auch einfach zu blass. Wenn er nicht gerade von seinem blomvisk´schen Spürsinn niedergeschlagen wurde, dann hat er nichts getan, das für mich auch nur ansatzweise denkwürdig wäre.
Lisbeth fand ich da anfangs noch unglaublich interessant und sympathisch. Aber irgendwann hatte ich auch bei ihr das Gefühl, dass der Autor sich völlig verrannt hatte. Es war für mich überhaupt keine klare Linie mehr in ihrem Verhalten erkennbar und ihr ganz eigener Charakter hat sich in einem "Eigentlich bin ich sozial inkompetent, aber Mikael ist so super verständnisvoll. ABER mein Leben ist so kompliziert (...)"-Kreis verloren 

Was Herr Larsson also meiner Meinung nach an Inhalt und Charakterdarstellung gespart (und nicht in die Beschreibung irgendwelcher Vangers/ Blomvisk´scher Heldentaten/Topfpflanzen verwendet) hat, das packt er in grausame Abartigkeiten. Anders kann ich es nicht ausdrücken. Ich bin eigentlich nicht zart besaitet und lese auch gerne mal blutig, wenn es denn zur Handlung und zum Buch passt. Aber die Beschreibungen der hier vorkommenden Verbrechen - und die waren leider (zwecks Kompensation mangelnder Spannung?!) zahlreich - gingen für mich weit über die Grenzen jeden guten Geschmacks hinaus .

Fazit

Vielleicht waren meine Erwartungen einfach zu hoch- erfüllt wurden sie auf alle Fälle nicht. Fehlender roter Faden, handlungstechnisch unnötige Grausam- und Abartigkeiten, sowie flache Charaktere und endlose sinnfreie Beschreibungen. Da konnte dann irgendwann auch Herr Larssons guter Schreibstil nichts mehr retten. Für mich ein heißer Anwärter für den Flop des Jahres.

Inhalt: ♥♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥♥
10. Januar 2011


[Rezension] ► James Patterson - Im Affekt



Im AffektOriginaltitel: The Quickie
Erscheinungsjahr: 2008 (Goldmann)
Preis: 8,95€ (Taschenbuch)
Seiten: 336
Reihe: -
Erster Satz: "Es war wirklich eine tolle Idee - jedenfalls redete ich mir das ein -, Paul in seinem Büro in der Pearl Street zum Mittagessen zu überraschen."
Klapptext

Als Lauren Stillwell, Detective bei der New Yorker Polizei, durch Zufall erfährt, dass ihr Mann sie betrügt, will sie Gleiches mit Gleichem vergelten. Aber ihr Rendezvous mit ihrem Kollegen Scott Thayer endet auf brutale Weise: Lauren wird am Fenster Zeuge, wie Scott auf der Straße zusammengeschlagen und entführt wird. Der Täter ist niemand anderes als ihr Mann Paul. Voller Panik beseitigt Lauren alle Spuren. Kurz darauf wird sie zu einem Tatort gerufen; das Mordopfer ist wie befürchtet Scott- und Lauren wird mit den Ermittlungen betraut.

Rezension

Was mir an diesem Buch sehr gut gefallen hat, war der Schreibstil, der zusammen mit den knappen Kapiteln ein sehr hohes Lesetempo geschaffen hat. Ich würde ihn nicht unbedingt als sonderlich anspruchsvoll bezeichnen, aber er fesselt und besticht durch einen durchweg humorvollen, oft sehr ironichen Unterton. So hat es mir einfach nur Spaß gemacht Leben, Lieben und Leiden von Super-Detective Stillwell zu verfolgen.
Ob es das sonst nicht getan hätte? Ganz klar: nein . Ich habe erst recht spät festgestellt, dass James Patterson hier nicht alleiniger Autor war. Wie viel von ihm hier wirklich drinsteckt, das würde mich sehr interessieren . Entweder man hat ihn größtenteils außen vor gelassen, oder er hatte nicht gerade seine beste künstlerische Phase. Denn auch wenn das Buch wirklich gut geschrieben ist, der Inhalt konnte mich leider nicht überzeugen. Dazu ist die Handlung einfach zu sehr an den Haaren herbeigezogen. Die Wendungen, die die Geschichte nimmt, sind zwar reißerisch, aber leider ebenso sinnfrei. Und in ihrer Masse wirken sie irgendwann nur noch aufgesetzt. Die Hälfte davon hätte mit ein bisschen mehr Mühe vielleicht einen guten Plot abgegeben. Aber hier wollte man immer, wenn eigentlich das Ende gepasst hätte, noch einmal einen drauf setzen. Dadurch wurde das Buch in seiner gewollten Unvorhersehbarkeit nicht nur ziemlich durchschaubar, sondern vor allem unglaubwürdig. Und dann hat der Plot auch noch durch eine Verkettung von unzähligen Klischees in einem platten Finale mit hohem Augenverdreh-Faktor geeendet .
Auch der Hauptcharakter Laurell "Superwoman" Stillwell, der wir (leider) überall hin folgen, konnte mich nicht für sich gewinnen. Für mich war sie leider die typische Mary Sue und dementsprechend unsympathisch. Außerdem hat sie definitiv zu oft ohne Sinn und Verstand gehandelt, als dass die Rolle der Überflieger-Polizistin zu ihr gepasst hätte. Da blieb mir oft nur noch ungläubiges Kopfschütteln.

Fazit

Ich habe das Buch in kürzester Zeit beendet, aber an qualitätsbedingtem Suchtfaktor lag das nicht. Es ist eine ganz nette (nicht unbedingt ernst zu nehmende) Lektüre, die aber leider meinen Erwartungen an den Namen "James Patterson" absolut nicht gerecht wurde.

Inhalt: ♥♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥♥

 30. Januar 2011


Sonntag, 10. April 2011

[Rezension] ► Sarah Lukas - Der Kuss des Engels



Der Kuss des EngelsOriginaltitel: Der Kuss des Engels
Erscheinungsjahr: 2010 (Piper)
Preis: 19,95€ (Hardcover)
Seiten: 416
Reihe: Sophie&Rafael #1

Erster Satz: "Der klapprige alte Jeep rumpelte über die Schlaglöcher und warf Rafael auf dem Sitz herum wie auf einem bockenden Pferd."

Klapptext

Manchmal zerplatzen Träume wie Seifenblasen: Sophie glaubt, sie habe eine glückliche Zukunft mit ihrem Verlobten Rafael vor sich - bis zu dem verhängnisvollen Tag, an dem er stirbt. Die junge Frau steht vor dem Nichts. In Paris sucht sie das Vergessen, doch ein Leben ohne ihn hat für sie keinen Wert. Dann erblickt sie am Ufer der Seine eine Gestalt, die Rafael zum Verwechseln ähnlich sieht. Sophie ist überzeugt, dass er zurückgekehrt ist, doch der Fremde erinnert sich nicht an sie. Und bevor Sophie begreift, worauf sie sich einlässt, schweben sie beide in großer Gefahr. Denn er ist ein gefallener Engel, dem eine ganz besondere Mission auf der Erde zuteil wird. Und er kann sie nur mit Sophies Hilfe erfüllen...

Rezension

Mich hatte hier der Klapptext neugierig gemacht und (ich gebe es ja zu) ich konnte dem wunderschönen Cover einfach nicht widerstehen. Leider hat die "Guck mal, das sieht bestimmt super im Regal aus!"-Strategie wieder einmal versagt. Wäre ja auch zu einfach gewesen .

Was mir gefallen hat, das war der Schreibstil der Autorin. Sie hat es wirklich geschafft, mich in ihre Welt zu ziehen! Frau Lukas schreibt nicht nur anschaulich und gefühlvoll, sie haucht auch wirklich Leben in die Umgebung ein, in der sich ihre Protagonisten bewegen. So hat sich das Buch für mich sehr flüssig und kurzweilig lesen lassen und hatte einfach dieses gewisse "Paris, je t´aime"-Flair. Zumindest wenn die Autorin nicht gerade zeigt, wie gut sie für ihr Buch recherchiert hat und welche tausend-und-eine Straßen/Plätze/Brunnen/Gassen/Regenpfütze sie in Paris kennt .

Das war es dann aber leider auch schon. Ich könnte einiges mehr aufzählen, aber im Wesentlichen haben mich drei Dinge gestört: fehlender roter Faden, die Hauptperson Sophie und das Ende. Hier wurden so unglaublich viele gute Ideen gegen die Wand gefahren, es ist zum Davonhüpfen! Man könnte meinen, Frau Lukas wären immer wieder neue tolle Einfälle gekommen, die sie (Memoblock ist für Anfänger) sofort einbauen musste. Dass dabei dann irgendwie Zeit und Muße gefehlt haben, das Ganze zu Ende zu denken, scheint niemanden sonderlich gestört zu haben. Entweder wird eine Idee (die als die Wende eingeführt wurde) überhaupt nicht mehr aufgegriffen, oder irgendwie lieb- und einfallslos abgehakt.
Punkt zwei: Sophie. Selten hat mich eine Hauptdarstellerin derartig genervt. Hätte man keine Altersangabe gehabt, sie würde locker als Teenager durchgehen. Von der "Kann ich den umtauschen?"-Sorte. Und was Selbstmitleid angeht, ist die von Edward verlassene Bella blutige Anfängerin. (Wer "New Moon" kennt, zittert jetzt hoffentlich vor Entsetzen.) Sie wirft sich hier stark 400 Seiten lang wieder und wieder (und wieder und wieder) von einer haarsträubenden Situation in die nächste. Der männliche Gegenpart (der "Rafael" für mich um Längen schlägt), Jean, hat zwar sein Bestes versucht, aber den Plot konnte auch er nicht mehr retten.
Und das Ende vom Lied? Das ging bei mir in die Richtung von "Häh, das war es jetzt ?!"

Fazit

Ich brauche nicht immer die ganz große Action, super-findige Wendungen und die fesselndste Liebesgeschichte. Aber ein Buch sollte zumindest versuchen, den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. Und das war hier leider nicht der Fall.

Inhalt: ♥♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥♥

21. November 2010