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Samstag, 15. Februar 2014

[BuchBlubb] ► Denn keiner ist ohne Schuld (Elizabeth George)



Schuld. 
Schweigen.
Verhängnis...
♠EN: Missing Joseph
♠Verlag: Blanvalet (1994)
♠Seiten: 665
♠Genre: Krimi
♠Reihe: Lynley&Havers #6

1st: >> Cappuccino- das neue Mittel gegen Weltschmerz und Depression. <<
Weg aus London, weg von ihrem offenbar unerfüllbaren Wunsch nach einem gemeinsamen Kind und dieser Belastung für ihre Beziehung. Simon St. James, Inspector Lynleys bester Freund, und seine Frau Deborah wollen in dem winzigen Dorf Winslow eigentlich nur zur Ruhe kommen. Doch der Pfarrer, vom dem gerade Deborah sich Trost erhofft hatte, wurde vergiftet. Vermeintlich versehentlich, aber der Verdacht von vorsätzlichem Mord haftet hartnäckig an der kräuterkundigen Juliet Spence und auch St. James ist misstrauisch. Nur hätte er sich im Traum nicht ausmalen können, in was er sich, Deborah und den zu Hilfe gerufenen Lynley da hineinzieht. Aus einem verhängnisvollen Labyrinth aus zerstörten Träumen, fehlgeleiteten Gefühlen und alten Schulden scheint es für die beteiligten Dorfbewohner kein Entkommen zu geben...   



Angeschwemmt... wurde das Buch im Rahmen meiner „Ich will sie alle als Hardcover“-Aktion (Ja, ich hatte schon leichter umzusetzende Einfälle) vor einiger *hust* Alt-SuB *hust* Zeit. Dieses hier konnte ich beim jährlichen Flohmarkt ergattern! Seit ich sie also alle hier habe, hat ein Roman um Lynley und Havers für mich ein bisschen etwas von einer Pralinen-Schachtel, aus der man sich immer mal wieder eine Leckerei gönnt und nicht die ganze Packung auf einmal vernichtet.

Abgetaucht... bin ich entsprechend mit Genuss. Elizabeth Georges neuere Romane mögen inhaltlich streitbar sein, aber gleichbleibend genial vom ersten bis zum letzten Band der Reihe ist für mich ihr Schreibstil. Amerikanerin hin oder her, aber ich kenne keinen anderen Autor, der Krimis so englisch schreibt, wie die Meisterin persönlich. Was das für mich heißt? Diskret, zurückhaltend, stimmungsvoll. Keine Effekthascherei, aber Atmosphäre zum Anfassen! Mühelos schafft es die Autorin, dass der Leser wie gebannt an ihren Worten hängt. Es geht meistens ruhig zu und sie beschreibt auch gerne mal ausführlichst, anspruchsvolles Vokabular inklusive. Aber eben nicht nur Blumen, Büsche und Tauben, sondern am liebsten auf psychologischer Ebene. Zwischen den Zeilen und auf den Zeilen, es gibt immer etwas zu entdecken! Alles hat Bedeutung und ist stiltechnisch meistens so edel verpackt, dass ich das Lesen wirklich genossen habe. Was der Stil eines George R.R. Martins für Fans epischer Fantasy ist, das ist der von Frau George für Freunde stilvoller Krimis.

Badegäste... sind hier – leider – nicht Lynleys Team. Der Inspector spielt zwar eine Hauptrolle, aber auf Barbara Havers und Co. muss der Leser – leider!! – größtenteils verzichten. Dafür sind Simon und Deborah mit von der Partie und bringen neben einer Leiche auch jede Menge Beziehungsprobleme mit. Als ob Lynley davon nicht selbst gerade schon genug hätte... Aber auch wenn Deborah nicht nur Simons Nerven arg strapaziert, haben mir die Szenen aus dem Leben der Charaktere wie immer sehr gut gefallen. Die Charaktere sind einfach wahnsinnig toll gezeichnet und ich lese über ihre Beziehungen, deren Höhen und Tiefen mindestens genau so gerne, wie über ihre sonstigen Freuden und Leiden, ihr humorvolles Miteinander und alles andere. Meine Gier nach mehr ist stärker, als in meinen extremsten GZSZ-Zeiten. Umso schlimmer also, dass das Hauptaugenmerk auf den (Un-)Beteiligten am vermeintlichen Unfall des Pfarrers liegt? Keinesfalls. Es fällt mir schwer, das spoilerfrei in Worte zu fassen. Aber wie gewohnt deckt Frau George auch hier Schicht um Schicht hinter den Fassaden der Charaktere auf und ich sage es mal so, sauberer wird es selten. Gibt es eine Krimi-Autorin, die Menschen und ihre Abgründe tiefgründiger und glaubwürdiger gestalten kann? Die Grenzen zwischen Täter und Opfer besser verschwimmen lässt? Ich kenne keine.

Schwimmzüge... beginnen gemächlich. Ein Streit unter Liebenden hier, ein unglücklich ungekommener Pfarrer dort. Der hinzugezogene Lynley trifft zwar auf einige Ungereimtheiten, viele Spekulationen und noch mehr Gerüchte, aber konkrete Beweise findet er zunächst nicht. Dass der zuständige Polizist ein Verhältnis mit der „Mörderin aus Versehen“ hat, das beschleunigt seine inoffiziellen Ermittlungen auch nicht gerade. So wie Lynley versucht, sich ein Bild von der Geschichte zu machen, so taucht auch der Leser zunächst einmal ins Leben der Beteiligten ein. Es gibt keine Mordserie, kein Gefühl von Bedrohung, keine akute Dringlichkeit. Es ist mehr das Aufrollen einer Geschichte, wie sie verwobener und tragischer nicht sein könnte. Einigen dürfte das vielleicht zu wenig Spannung sein. Mir aber hat es sehr gut gefallen und vor der Auflösung kann ich nur den Hut ziehen. Ich hatte – wie immer – viele Vermutungen, lag aber – wie meistens - komplett falsch. Nur eine bestimmte Szene und unabhängig davon der Wunsch einer Person, sowie in beiden Fällen der Umgang der Beteiligten damit, hatten für mich einen sehr, sehr faden Beigeschmack. Wäre das nicht gewesen und hätte Havers den einen oder anderen Auftritt mehr gehabt, dann wäre es wieder einmal die Höchstwertung geworden.


Schlingen aus Irrungen und vergangenen Sünden ziehen sich in der Gegenwart zunehmend zu und schnüren nicht nur den Charakteren die Luft ab.
Inhalt: ♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥

15.02.2014

Montag, 5. August 2013

[BuchBlubb] ► Entsetzen (Karin Slaughter)



Tot?
Lebendig?
Ungewiss...
♠Original: Fractured
♠Verlag: Knaur (2011)
♠Seiten: 528
♠Genre: Krimi
♠Reihe: Will Trent #2 Keine Spoiler

1st: >> Abigail Campano saß in ihrem Auto auf der Straße vor ihrem eigenen Haus. <<
Es ist ihr schlimmster Albtraum: die Glasscherben vor ihrer Wohnung. Die aufgebrochene Haustür. Der blutige Fußabdruck auf ihrem Dielenboden- und der blutüberströmte Mann, der sich dort über den leblosen Körper ihrer Tochter beugt. In Todesangst um das Mädchen stürzt Abigail Campano sich auf den Eindringling und erwürgt ihn in einem erbitterten Kampf. Doch für ihre Kleine kommt jede Hilfe zu spät: Sie wurde erschlagen, ihr Körper ist mit Kampfspuren und Bisswunden übersät. Nur- es handelt sich bei der Toten gar nicht um Emma. Die ist spurlos verschwunden und Special Agent Will Trents Chance, sie lebend zu finden und den Mörder zur Strecke zu bringen, wird von Stunde zu Stunde kleiner...




Angeschwemmt... wurde das Buch über die Tauschmuh. Vorletztes Jahr bin ich Will Trent in "Verstummt" das erste Mal begegnet und dieser Ermittler hat mich von Anfang fasziniert. Deshalb war das Buch - neuwertig, yippieh! - ganz schnell angefordert und - Tatsache! - ganz schnell gelesen. 

Abgetaucht... bin ich hoch motiviert und natürlich vor allem neugierig: Eintagsfliege oder Autoren-Entdeckung mit Lieblings-Faktor-Potential? Letzteres scheint der Fall zu sein, denn Frau Slaughter schreibt in diesem Buch genau so unterhaltsam, wie ich das in Erinnerung hatte. Dabei kommen die stark 500 Seiten nicht von ungefähr: Es gibt viele Beschreibungen und die Autorin nimmt sich Zeit für ihre Charaktere, deren Denken und Handeln. Das wäre mit Sicherheit auch kürzer gegangen, aber wer mich kennt, der weiß, dass ich ausgiebiges Charakterdesign in Krimis und Thrillern sehr schätze. "Entsetzen" ist kein Buch, in dem auch jeder andere Ermittler der Krimiwelt die Hauptrolle hätte spielen können und es hat mir sehr gut gefallen, dass hier kaum etwas austauschbar war. Man achtet als Leser auf Details, man will die Charaktere besser kennenlernen, man ist einfach in der Geschichte. Für Frau Slaughters
Verhältnisse geht es in dieser sogar über weite Strecken recht blutarm zu. Aber wenn Gewalt, dann richtig und keinesfalls zimperlich. Wegschauen ist für Anfänger.

Badegäste... bekommen Verstärkung durch die Polizistin Faith Mitchell. Beste Voraussetzungen für ein harmonisches Team? Mitnichten, denn Faith hat mit Will noch eine private Rechnung offen und die ist alles andere als romantischer Natur. Mir war die junge Frau auf alle Fälle sehr sympathisch, wie sie mit beiden Beinen, Witz und Durchsetzungsvermögen im Polizistenleben steht. Wenn sie nicht gerade Will Trent verabscheut, dann ist Faith eine chaotische Frohnatur mit einem ungewöhnlichen Lebenslauf und damit ein ziemlicher Gegensatz zum durchorganisierten Chef des Duos. Will Trent mochte ich schon in "Verstummt" unglaublich gerne und hier hat er mir sogar noch besser gefallen. Er ist ungewöhnlich spleenig für einen Ermittler und ein Naturtalent darin, mit maximalem Anlauf in zwischenmenschliche Fettnäppfchen zu springen. Herrlich! Er hat aber auch eine begnadete Auffassungsgabe und will den Fall aus verschiedenen Gründen schnellstmöglich lösen, wobei sein Handicap Fluch und Segen zugleich ist. Denn Faith ist auf Rache aus und weit weniger leicht zu täuschen, als gut für Will wäre. Die Dynamik zwischen den unfreiwilligen Partnern hat jede Menge Spaß gemacht und als Team ergänzen sie sich toll. Dazu noch private Hintergrundgeschichten aus ihrem Leben, was will man mehr?

Schwimmzüge... halten sich dafür abseits der Charakterentwicklung etwas in Grenzen. Die Geschichte ist keinesfalls schlecht, langweilig oder unlogisch. Aber sie lebt eher von der andauernden "Tot oder lebendig?"-Frage, als von spannenden Wendungen. Man rätselt und fiebert als Leser eigentlich permanent mit, ob Emma denn nun getötet wurde, oder nicht. Aber davon abgesehen passiert über weite Strecken wenig. Will und Faith ermitteln und ermitteln und ermitteln... Einige Überraschungen gibt es natürlich, der Thriller wurde schließlich nicht umsonst von Frau Slaughter geschrieben, und vor allem die Verbindung zwischen Will und Emmas Vater hat ihren Reiz. Aber insgesamt ist dieses Buch vor allem für Leser empfehlenswert, die ihre Freude an detailreicher Detektiv- und Laufarbeit haben und nicht alle paar Seiten auf neue Entwicklungen aus sind. Für mich war es auf alle Fälle genau das Richtige und ich hatte jede Menge Spaß dabei, Will und Faith zu begleiten.


Ein toller Krimi mit einem unglaublich sympathischen Ermittler-Duo, das mir jede Menge Lust auf weitere Fälle mit den beiden gemacht hat. Großes Kino in Sachen Charakterdesign!

Inhalt: ♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥♥

05.08.2013


Samstag, 1. Dezember 2012

[BuchBlubb] ► Das Teufelsspiel (Jeffery Deaver)



Jäger. 
Gejagte.
Geheimnis.
♠Original: The Twelfth Card
♠Verlag: Blanvalet (2005)
♠Seiten: 544 (TB)
♠Genre: Krimi
♠Reihe: Rhyme&Sachs #6
1st: >> Sein Gesicht war nass von Schweiß und Tränen. <<

Sie wollte nur für ein Schulprojekt recherchieren, doch dabei entgeht die 16jährige Geneva Settle in einer New Yorker Bibliothek nur knapp einer Vergewaltigung. Gerade noch rechtzeitig kann sie dem unheimlichen Fremden durch eine List entkommen und die Polizei alarmieren. Die daraufhin eingeleiteten Ermittlungen sollen von Lincoln Rhyme und Amelia Sachs eigentlich nur bei der Spurensuche unterstützt werden, doch ihre Entdeckungen lassen beunruhigende Rückschlüsse zu: Handelt es sich wirklich nur um ein Sexualdelikt? Oder ist Geneva unfreiwillig zur Zielscheibe eines Jägers geworden, der bald schon die zweite, tödliche Runde seines Teufelsspiels einleiten wird? Er hinterlässt keine verwertbaren Spuren und kein Motiv- aber er wird seinen Auftrag ausführen. Ein Auftrag, dessen Hintergründe 140 Jahre in die Vergangenheit zu reichen scheinen...
 



Angeschwemmt... wurde dieses Buch vor langer laaanger Zeit mit einer ME-Flohmarkt-Welle. Das ist so ewig her, dass damals Thalia hier noch Gondrom hieß und mein Abi ein Stern am Zukunftshimmel war. Leider hatte aber wieder einmal die Serienfalle zugeschlagen und meine Lust auf das Buch ist so schnell verpufft, wie sie aufgekommen ist. Wer weiß, wie lange das Buch ohne AAdS-Losglück noch hätte SuB-sumpfen müssen...

Abgetaucht... und nur ungern wieder an die Oberfläche geschwommen! Während man manche Romane liest, genießt man andere und "Das Teufelsspiel" konnte ich von Anfang an bei Letzteren einreihen. Der Autor ist nicht auf schnelle Unterhaltung aus und das macht seine Geschichte kurzweilig, ohne dabei jemals flach zu werden. Jeffery Deaver schreibt spannend, sehr anschaulich und durchweg mit Falltür und doppeltem Boden. Ich hatte bis zum Ende hin das Gefühl, als würde "mehr" hinter allem stecken, als wäre ich Teil von etwas weit Größerem und Komplexerem, als ich mir das zu diesem Zeitpunkt vorstellen konnte. Man bekommt als Leser viele Details serviert, aber gekonnt gibt der Autor deren Bedeutung nur häppchenweise preis und erzeugt so für meinen Geschmack die perfekte Krimi-Atmosphäre.

Badegäste... waren für mich eine Premiere, während "Das Teufelsspiel" für Lincoln Rhyme, Amelia Sachs und ihr Team schon der sechste Fall ist. Mir haben sich hier bestimmt noch nicht alle zwischenmenschlichen Feinheiten offenbart, aber für das Verständnis der Handlung war das auch nicht nötig. Es hat mir als Freundin von wohldosierten Hintergrundgeschichten einfach sehr viel Spaß gemacht, die Charaktere mit ihren Eigenheiten und Altlasten kennenzulernen. Denn Jeffery Deaver hat wahnsinnig tolle und gut durchdachte Protagonisten geschaffen. Da ist der gelähmte Forensiker Rhyme mit seinem messerscharfen Verstand, der zynischen Zunge und gnadenloser Zielstrebigkeit. Für Emotionen und Taktgefühl ist meist seine Partnerin zuständig, die aber auch eine sehr starke und interessante Persönlichkeit ist. Ich kann es wirklich kaum erwarten, noch mehr über dieses einzigartige Ermittlerteam zu erfahren! Auch die Nebencharaktere überzeugen und vom Streifenpolizist über den Falafel-Verkäufer bis zum Bösewicht darf man personifizierte Psychologie erleben. Habe ich erwähnt, dass ich begeistert bin?

Schwimmzüge... lassen sich mit einem lauten, euphorischen "Wow!" beschreiben. Das Ganze beginnt für einen Kriminalroman nicht ungewöhnlich: eine versuchte Vergewaltigung, ein unbekannter Täter und die mehr oder weniger zufällige Einschaltung des Ermittler-Dream-Teams. Aber was der Leser von Anfang an erahnen kann, bestätigt sich dann auch schnell und das Verbrechen der Kategorie "Alltäglich" entpuppt sich als Bestandteil eines hoch komplex konstruierten Puzzles! Die Motive spielen "Bäumchen, Bäumchen wechsel Dich" und es war für mich größtenteils unmöglich, richtige Rückschlüsse zu ziehen. Der Autor kombiniert die Sichtweisen von Ermittlern, Bösewicht und Charakteren, die man nicht recht einzuordnen weiß und erzeugt damit einen unbeschreiblichen Lesesog. Bis zum Schluss reiht sich eine Überraschung an die nächste Wende und die für mich ungewohnte forensische Beweisführung war dann noch die Cocktailkirsche auf dem Sahnehäubchen eines fantastischen Krimi-Desserts.


Überzeugt von Anfang an durch Protagonisten mit Substanz, Witz und Scharfsinn. Spannende Krimi-Kost auf hohem Niveau mit zahlreichen Überraschungen!

Inhalt: ♥♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥♥
01.12.2012

Donnerstag, 28. Juni 2012

[Rezension] ► Minette Walters - Der Außenseiter



Originaltitel: Disordered Minds
Erscheinungsjahr: 2007 (Goldmann)
Preis: 9,95€ (Taschenbuch)
Seiten: 512
Reihe: -
Erster Satz: "Ein toller Park war es nicht, ein Stück verdorrtes Gras am Colliton Way, knapp einen Morgen groß, auf dem die Leute aus der Gegend morgens und abends ihre Hunde ausführten."
Kurzbeschreibung

Der geistig etwas zurückgebliebene Howard Stamp wird 1970 wegen Mordes an seiner Großmutter zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, Nach drei Jahren nimmt er sich in seiner Zelle das Leben.
Dreiunddreißig Jahre nach Stamps Verurteilung rollt der junge Anthropologe Jonathan Hughes den Fall erneut auf. Gemeinsam mit der resoluten Anwältin George Gardener, die mit dem Fall vertraut ist und noch nie an Howards Schuld glauben wollte, macht er alsbald eine erstaunliche Entdeckeung. Denn wenige Tage vor der Ermordung von Howards Großmutter verschwand in die unmittelbaren Nachbarschaft die 13jährige Cill Trevelan. Bei seinen Recherchen findet Jonathan heraus, dass das Mädchen kurz vor seinem Verschwinden von drei Jugendichen vergewaltigt wurde. Kurz darauf fand man die übel zugerichtete Leiche von Howards Großmutter. Jonathan und George können nicht ahnen, wie nahe sie der Lösung um Grace´ rätselhaften Tod bereits sind- und dass der Täter sich längst in ihrem Umfeld bewegt.

Rezension

Kann es denn wirklich so schwer sein, einen Klapptext zu schreiben, der nicht nur entfernt etwas mit dem Inhalt zu tun hat? Vor Kurzem erst bin ich mit "Der Autogrammhändler" in Treibsand geraten und auch hier hatte ich mit der Hoffnung auf die Jagd zweier Hobby-Ermittler nach der Wahrheit nicht die treffendsten Erwartungen. Aber immerhin ist mir ein ähnliches Desaster erspart geblieben.

"Der Außenseiter" war mein erstes Buch von Minette Walters und im Nachhinein hatte ich mir (wie üblich wider besseren Wissens) bei all dem Lob über diese Autorin wohl etwas mehr von ihrem Schreibstil erwartet. Er ist keinesfalls das, was ich im klassischen Sinne unter "schlecht" verstehe. Die Autorin schreibt flüssig, anschaulich und vor allem Beschreibungen und Gespräche fand ich sehr gelungen. Aber trotz dieser guten Grundlage konnte sie mich in entscheidenden Momenten einfach nicht mitreißen. Action und Emotionen gingen leider fast das ganze Buch über völlig an mir vorbei und ich wurde das Gefühl nie ganz los, dass zwischen der Geschichte und mir eine dicke Plexiglasscheibe steht. Die Geschichte war angenehm zu lesen, ja. Aber das gewisse Etwas hat mir gefehlt.

Dafür wurde ich aber bei den Charakteren gleich zu Anfang positiv überrascht. Denn der weibliche Ermittlerpart George ist nicht die übliche umwerfend gut aussehende (aber früher oder später natürlich trotzdem zu habende) Wonderwoman mittleren Alters. Vielmehr ist sie eine sehr sympathische, wenn auch etwas verpeilt-verschrobene Version von Miss Marple. Sie ist schrullig, verbissen und eine "Tochter alter Schule", was Werte und Benehmen angeht und war für mich sofort ein Charakter zum Liebhaben. Diesen Typ Ermittler liebe ich einfach! Wer fährt schon seinen Aktenschrank auf dem Rücksitz mit sich? Umso weniger mochte ich da Jonathan. Vom angedeuteten Kämpfer für die Gerechtigkeit keine Spur. Stattdessen bekommt man ein - sorry - Charakterschwein serviert. Dazu die obligatorische tragische Vergangenheit, kürzliche Trennung, Migrationshintergrund, geplagte Seele, Krankheit usw... Kurzum: Er hat so ziemlich jedes Problem, das man sich nur vorstellen kann, ohne ernsthaft nach Lösungen zu suchen. Auch sympathische Nebencharaktere konnten nicht verhindern, dass er mir mit seiner Art das ganze Lesen vermiest hat.

Die Handlung selbst lässt sich in zwei Bereiche unterteilen: Krimi-Part und Erzählung der Hintergründe. Ich mag es gerne, wenn ich mehr als nur den nackten Fall verfolgen kann und die Ursache-Wirkung-Hintergrundgeschichte hat mir hier sehr gut gefallen. Ab und an war es vielleicht etwas zu viel des Schlechten hinter scheinbar brav-bürgerlichen Vorhängen. Aber insgesamt habe ich diesen Part gespannt verfolgt. Umso enttäuschender fand ich den eigentlichen Krimi-Part. Der Täter/die Täterin/das Täter ließ sich früh erraten und Spannung konnte ich bestenfalls und mit viel gutem Willen erahnen. Natürlich liegen zwischen dem eigentlichen Mordfall und dem "Jetzt" viele Jahre, aber trotzdem hätte man mehr Entwicklungen einbauen können. Man erfährt zwar nach und nach und schön geordnet alle Details, wird als Leser dabei aber nur selten überrascht. Wer es ruhig und gemütlich mag, den dürfte die Geschichte vielleicht überzeugen. Aber mir haben psychologische Raffinessen und Fallstricke gefehlt, die mein Krimiherz hätten höher schlagen lassen.

Fazit

Für mich muss ein Krimi entweder eine tolle Atmosphäre und faszinierende Hauptcharaktere, oder aber eine spannende Handlung haben und in keinem Bereich kam "Der Außenseiter" für mich über Mittelmaß hinaus.

Inhalt: ♥♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥♥

28.06.2012

Donnerstag, 18. August 2011

[Rezension] ► Karin Slaughter - Verstummt



VerstummtOriginaltitel: Triptych
Erscheinungsjahr: 2009 (Blanvalet)
Preis: 9,95€ (Taschenbuch)
Seiten: 528
Reihe: Will Trent #1
Erster Satz: "Detective Michael Ormewood hörte sich im Radio das Footballspiel an, während er die DeKalb Avenue hinunter zu den Grady Homes fuhr."
Kurzbeschreibung

Detective Michael Ormewood hat in seinem Berufsleben schon viel Schreckliches gesehen. Aber der Tatort, zu dem er dieses Mal gerufen wird, stellt alles in den Schatten. In einer verrufenen Wohnsiedlung liegt die junge Prostituierte Aleesha tot in einem Treppenhaus. Ihr Mörder hat sie furchtbar zugerichtet. Das Werk eines krankhaften Serientäters? Alles deutet darauf hin. Michael sieht sich daher gezwungen mit Special Agent Will Trent zusammenzuarbeiten, einem Mann, dem er instinktiv misstraut. Und mit der Polizistin Angie Polaski, die verdeckt ermittelt und früher seine Geliebte war- bevor sie zur Feindin wurde. Nur wenige Stunden nach Auffinden verschafft sich das Böse Zutritt zu Michaels eigenem Haus. Und es sieht ganz danach aus, als ob das Geheimnis hinter all dem Wahnsinn untrennbar mit Michael selbst verknüpft ist. Längst Vergangenes sickert in die Gegenwart wie Gift in seine Adern...

Rezension

Dieses Buch war mein erster Ausflug in die Welt von Karin Slaughter und ich war wirklich gespannt. Gut sollte sie schreiben, aber auch teilweise sehr gewaltlastig und das ist eigentlich nicht meine bevorzugste Geschmacksrichtung.
Was mir dann aber als erstes positiv aufgefallen ist, das war besagter Schreibstil der Autorin. Karin Slaughter schreibt flüssig, fesselnd und baut menschliche und soziale Abgründe genauso gekonnt ein, wie Witz und Spannung. Ihre Beschreibungen von Orten und Personen sind sehr anschaulich und es fiel mir leicht, in die verschiedenen Szenen einzutauchen. Manchmal vielleicht etwas zu leicht, denn das ein oder andere war wirklich nichts für schwache Nerven. Nicht nur Tatortbeschreibungen haben mich teilweise schlucken lassen, auch der Handlung merkt man an, dass die Autorin nichts beschönigen möchte- im Gegenteil. Aber das wirkte größtenteils nicht übertrieben, sondern hat vielmehr eine realistische, bedrohliche Atmosphäre geschaffen.
Die Geschichte beginnt mit dem bereits im Klapptext angekündigten Mord an der Prostituierten Aleesha. Da man hinter der grausamen Tat einen Serienmörder vermutet, wird dem zuständigen Detective Michael Ormewood der Special-Agent Will Trent zur Seite gestellt. Und damit beginnt ein interessantes Katz-und-Maus-Spiel! Denn beide Männer misstrauen sich instinktiv und das offenbar auch nicht ganz unbegründet. Doch während beide noch mit verdeckten Karten spielen, schlägt der Mörder erneut zu- direkt vor Michaels Haustür. An dieser Stelle macht die Autorin dann einen Schnitt und der Leser findet sich plötzlich in der Geschichte von John Shelley wieder: zwanzig Jahre zuvor wurde der Jugendliche der Vergewaltigung und des Mordes an einer Fünfzehnjährigen für schuldig befunden und entkam nur knapp der Todesstrafe. Ist es Zufall, dass sich die Muster der Tathergänge ähneln- wo John Shelley kurz vor Aleeshas Tod auf Bewährung entlassen wurde? Der findige Fisch mag es ahnen, ist es natürlich nicht. Aber wie genau alles zusammenhängt, damit hat mich Frau Slaughter definitiv überrascht! Sie verknüpft beide Geschichten sehr geschickt miteinander und auch wenn der Bruch mich ziemlich unvorbereitet getroffen hat, hat mir nach einer kurzen "Häh?"-Phase auch Johns Geschichte sehr gut gefallen! Gerade seine Erlebnisse im Gefängnis, aber auch die Beziehung zu seiner Familie sind sehr eindringlich beschrieben. Nur hat die Autorin für meinen Geschmack hier ein Detail viel zu früh preisgegeben. Ab diesem Moment waren Spannung und Nervenkitzel bei mir leider bei weitem nicht mehr so präsent wie zu Anfang.
Das macht Frau Slaughter jedoch mit ihren Charakteren wieder wett. Allen vorran Will Trent, mit dem sie eine sympatische und absolut faszinierende Ermittlerfigur geschaffen hat. Er ist nicht der typische Super-Agent: mit dunkler Vergangenheit, Leseschwäche und ohne nennenswertes Talent im Umgang mit Menschen hat und macht er durchaus seine Fehler- als Mensch und als Polizist. Aber gerade das macht ihn zu einer Figur, mit der ich sehr gerne mitgefiebert habe. Auch seine Kindheitsfreundin Angie mit ihrer ganz eigenen Art, sowie der durch seine Erlebnisse im Gefängnis geprägte John sind interessante Figuren. Mir hat es sehr gut gefallen, dass hier viel Wert auf die Charaktergestaltung gelegt wurde und man nicht nur "Hüllen" folgt.
Das Einzige, was mich dann doch noch gestört hat, war die allgegenwärtige Problembewältigung. Hier hat nahezu jeder gerechter- oder ungerechterweise Schreckliches durchgemacht oder die ein oder andere Leiche im Keller. Auch Rechtssystem, Gefängnis & Co. wurden teilweise sehr negativ dargestellt. Ob nur der Dramatik wegen, oder ob das wirklich alles so funktioniert, kann ich Teichgott sei Dank nicht beurteilen. Für meinen Geschmack wäre hier aber teilweise weniger mehr gewesen.

Fazit

Aus der eigentlichen Ermittlung hätte Frau Slaughter meiner Meinung nach mehr machen können, wenn sie die ein oder andere Karte später auf den Tisch gelegt hätte. Aber nichtsdestotrotz ein unterhaltsames Buch, das vor Allem Fans von persönlichen Hintergründen der Protagonisten zu empfehlen ist. Ich für meinen Teil freue mich schon sehr auf ein Wiedersehen mit Will Trent!

Inhalt: ♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥

16.08.2011

Donnerstag, 7. April 2011

[Rezension] ► Elizabeth George - Asche zu Asche



Asche zu Asche. Inspector Lynley,  Band 7Originaltitel: Playing for the Ashes
Erscheinungsjahr: 1997 (Goldmann)
Preis: 9,95€ (Taschenbuch)
Seiten: 768
Reihe: Lynley&Havers #7

Erster Satz: "Chris ist weg, um am Kanal ein Stück mit den Hunden zu laufen."
Klapptext

Eigentlich hat Inspector Lynley an jenem Abend Großes vor. Gerade will er Lady Helen einen Heiratsantrag machen, als ein Anruf aus dem Yard seine Pläne scheitern lässt. Im idyllischen Celandine Cottage hat der Milchmann nämlich statt der attraktiven Mieterin Gabriella Patten eine männliche Leiche vorgefunden. Der Vorfall wird noch rätselhafter, als die Ortspolizei den Toten identifiziert: Es ist niemand anderer als Kenneth Fleming, Englands gefeierter Cricket-Champion, der kurz vor dem wichtigsten Spiel seiner Karriere stand- und der sich endgültig zwischen seiner Ehefrau und seiner Freundin Gabriella entscheiden musste...
Bald stellt sich heraus, dass alle Menschen um Kenneth Fleming seit Jahren in einem Netz aus verletzten Gefühlen, enttäuschten Hoffnungen und blindem Rachebedürfnis gefangen sind. Jeder und jede hat ein Motiv und alle haben sie ein Alibi...

Rezension

Bisher habe ich nur Bücher von Elizabeth George gelesen, die mir wirklich gut gefallen haben. Gut gefallen also im Sinne von mitgerissen-und-nicht-mehr-losgelassen und vielleicht lag es an meinen sehr hohen Erwartungen, dass mich dieser Band um Lynley und Havers nicht begeistern konnte.

Es ist keinesfalls so, dass dieses Buch schlecht geschrieben ist, ganz im Gegenteil! Der Schreibstil der Autorin ist auch in "Asche zu Asche" flüssg und fesselnd. Vor Allem, wie sie den Umgang der verschiedenen Personen miteinander beschrieben hat, wie sie die ganzen psychischen Eigenarten und verworrenen Beziehungen eingebracht hat, hat mir sehr gut gefallen. Das war es dann aber im Großen und Ganzen leider auch schon, was sich positiv hervorgehoben hat. Der Fall an sich hatte meiner Ansicht nach erstaunlich wenig Wendungen bereit. Ich hatte schon ganz zu Anfang den Gedanken "Würde passen, wenn xxx der Mörder/ die Mörderin/ das Mörder wäre." und eigentlich werde ich bei solchen Vermutungen von Mrs George grundsätzlich (und gerne) eines Besseren belehrt. Dem war dieses Mal erstaunlicherweise nicht so. Kleinere Überraschungen gab es zwar, aber auf den großen Knall wartet man hier leider vergebens.

Es wird parallel zum eigentlichen Fall die Geschichte des (angeblichen, fragt Barbara Havers...) Nebencharakters Olivia erzählt, die ich zwar spannend fand, die mir aber viel zu ausführlich war. Durch diese Unterbrechungen konnte ich bei der eigentlichen Aufklärung nicht wirklich mitfiebern. Und selbst wenn ich es gekonnt hätte: was die Suche nach Spannung angeht, kann man hier gut, gerne und laut "Nadel-im-Heuhaufen" rufen .

Am meisten enttäuscht haben mich aber die Ermittler selbst, allen voran der allwissende Super-Lynley, der in seiner grenzenlosen Überzeugung keinem Rechenschaft schuldig ist. Die Art, wie er hier aufgetreten und mit anderen Menschen umgegangen ist und das ewige, keinerlei logischen Gründen folgende Hin und Her zwischen ihm und Helen haben mich extrem gestört. Einziger Lichtblick war (wie immer, mein Garant für gute Unterhaltung!) Barbara Havers. Doch auch hier hat Frau George leider einiges offen gelassen, das ich gerne gelesen hätte. Gerade Hadiyahs Geburtstag hätte mich wesentlich mehr interessiert, als jedes noch so kleine Detail aus Olivias Lebensgeschichte. Von einer spannenden, trick- und kniffreichen Mörderjagd ganz zu schweigen.

Fazit

Alles in allem tolle Ansätze, aus denen leider nicht viel gemacht wurde. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass hier viel angefangen, aber wenig zu Ende gebracht wurde. Ich bin wirklich froh, dass ich schon neuere Werke der Reihe kenne und weiß, dass es wieder deutlich bergauf geht.

Inhalt: ♥♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥♥

28. Juli 2010