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Sonntag, 8. März 2015

[BuchBlubb] ► Red Rising (Pierce Brown)



Blut.
Tränen.
Rache!
♠EN: Red Rising
♠Verlag: Heyne (2014)
♠Seiten: 560
♠Genre: Dystopie
♠Reihe: Red Rising Trilogy #1

Die Menschheit hat der Erde längst den Rücken gekehrt und ist dabei, die Planeten bewohnbar zu machen. Das zumindest glaubt Darrow, der in den untergründigen Minen des Mars sein Leben riskiert, um das Terraforming zu ermöglichen. Was er nicht weiß: Der Mars ist längst erschlossen und die Oberschicht lebt in verschwenderischem Luxus, erkauft mit Blut, Schweiß und Tränen der unwissenden "Roten" Arbeiterschicht. Erst als Eo, die Liebe seines Lebens, sich gegen die Unterdrückung auflehnt, werden die Karten neu gemischt. Darrow wird in das legendäre Institut der "Goldenen" eingeschleust, das Zentrum der Macht, in dem die herrschende Elite ausgebildet wird. Denn er konnte Eo nicht retten- aber er wird sie rächen. Und um die Schuldigen vernichtend zu schlagen, muss er einer von ihnen werden...


1st: >> Ich hätte in Frieden leben können. <<





Angeschwemmt... wurde das Buch im Rahmen einer tollen Aktion des Heyne-Verlages, bei der einige 2014-er Highlights aus dem "Heyne fliegt"-Programm zur Rezension angeboten wurden. Warum ausgerechnet "Red Rising", wo der Klapptext doch eigentlich nicht so richtig ins amphibische Beuteschema passt? Gedankt sei allen Teichgöttern, dass ich mich dunkel an Crinis begeisterte Rezension zum Original habe, denn wooow!!!

Abgetaucht... bin ich wie im Rausch. Ich dachte immer, ein gutes Buch würde vom Leser verschlungen werden. Aber hier war es genau anders herum, denn "Red Rising" hat mich konsumiert mit Haut, Haar und allem, was dazugehört. Der Autor hat mit seinem Werk einen atmosphärischen Abgrund geschaffen - und das meine ich 100% positiv - der mich auch Wochen nach der letzten Seite noch zittern lässt und mein Herz zum Pochen bringt. Er schreibt so unverblümt, gnadenlos und wütend, wie sein Held sich fühlt, gleichzeitig aber auch einzigartig berührend, immer wieder nachdenklich und hinterfragend. Großartig!! Und der Schreibstil ist nur eine von Pierce Browns zahlreichen Qualitäten. Auch sein Worldbuilding hat mich völlig gefangen genommen. Die menschliche Gesellschaft der Zukunft, der wir auf dem Mars begegnen, besitzt altbekannte Grundzüge: Gesellschaftsschichten, futuristische Technik, Anlehnungen an vergangene Epochen. Aber glaubt mir, sie ist anders als alles, was ihr bisher gelesen habt! Von der technischen Entwicklung über die biologische bis zur moralischen hat der Autor selbst die kleinsten Details bedacht und das Ergebnis ist die wohl genialste Mischung aus Science-Fiction und antiken Konzepten, die man sich nur vorstellen kann.

Badegäste... gibt es einen, um den sich alles Andere und alle Anderen drehen: Darrow, Höllentaucher in den Minen der niedersten "Roten" Klasse und neuerdings, geheim und unter Einsatz seines Lebens Student in der Schule der höchsten "Goldenen" Klasse. Seerose und Schlacke, das nenne ich einen nicht klassischen Held! Er bezeichnet sich selbst als "Schaf im Wolfspelz in einem Rudel voller Wölfe", aber die Wölfe sind es, die mit der Zeit dezimiert werden. Auch als Leser sollte man Darrow nicht unterschätzen. Trotz seiner Vergangenheit und ungeachtet harter Schicksalsschläge ist er kein Sympathieträger, kein Gutmensch und kein Ritter. Er ist vor allem eines: wütend. Wütend und fixiert auf sein Ziel, das er mit allen Mitteln erreichen möchte. Rücksicht auf Verluste? Für Anfänger. Pierce Brown hat hier einen ungewöhnlich harten und unerbittlichen, aber auch unendlich einsamen Hauptcharakter geschaffen und bei mir damit voll ins Schwarze getroffen. Ich habe mit Darrow gefühlt, gelitten und gehasst und bis heute hat er sich im Froschherz festgekrallt. Auch die Nebencharaktere in ihrer ganzen breiten Palette sind großartig gestaltet. Wer braucht schon hübsche Pappfiguren zur Dekoration, wenn er auch gnadenlose Feinde, intrigante Strippenzieher und treue Verbündete schaffen kann? Insgesamt zeigt Pierce Brown eindrucksvoll, erbarmungslos und erschreckend glaubwürdig, wie Macht und Gier, Gewalt, Tod und Hunger die Menschen verändern. 

Schwimmzüge... "Star Trek meets Kollosseum" oder auch "Trafen sich George R.R. Martin und Suzanne Collins zum Kaffee..." Lasst es mich so sagen: Gegen dieses Buch ist Martins rote Hochzeit der reinste Kindergeburtstag und das schon auf den ersten 200 Seiten. Zartbesaitet? Dann sucht euch besser andere Lektüre. "Red Rising" ist zwar keinesfalls 500 Seiten non-stop Gemetzel, ganz im Gegenteil. Aber Pierce Brown hat im Gegensatz zu vielen anderen Autoren die Idee, verschiedene Fraktionen auf Leben und Tod gegeneinander antreten zu lassen, wirklich konsequent umgesetzt. Ich bleibe hier mit Absicht vage, um die tolle Handlung nicht zu spoilern. Nur so viel: "Red Rising" ist kein Ponyhof. Es ist Krieg, Blut, Gewalt und Verlust; Verschwörung, Intelligenz und List. Aber auch Loyalität, Treue und Verbundenheit- und nicht zuletzt Liebe. Im Leben, bis in den Tod und darüber hinaus. Diese Geschichte hat einfach alles, was die ultimative Lektüre braucht: emotionale wie inhaltliche Spannung, einen hoch komplexen Plot und Charaktere, die ihre Krallen ins Leserherz schlagen. Selten habe ich mich einer Geschichte so ausgeliefert gefühlt, kaum einmal hat mich ein Buch bis in meine Träume verfolgt. Ich will die Fortsetzung! Besser gestern, als morgen!!

 

Eine perfekte Mischung aus Antike und SciFi! Worte können diesem gnadenlos(en) fesselnden Meisterwerk nicht gerecht werden: kaufen, lesen, lieben!

Inhalt: ♥♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥♥
08.03.2015


Samstag, 10. Januar 2015

[BuchBlubb] ► Lieber für immer als lebenslänglich (Kristan Higgins)



Verlassen.
Verliebt?
Von wegen!
♠EN: The Best Man
♠Verlag: Mira (2014)
♠Seiten: 448
♠Genre: Romantik
♠Reihe: Blue Heron #1

Kann es für eine Frau etwas Demütigenderes geben, als vor dem Traualtar stehen gelassen zu werden? Wenn es nach Faith Holland geht, dann ja. Als sie nämlich beim Fluchtversuch aus einer Bar nur mit Push-up-BH und Bauch-weg-Unterhose bekleidet im Toilettenfenster stecken bleibt, ist als einzige Hilfe ausgerechnet der Mann in Reichweite, dem sie ihre ruinierte Hochzeit zu verdanken hat. Aber anstatt vor Scham im Boden zu versinken, lässt sie sich wohl oder übel von Levi Cooper befreien und wäre der Polizist nicht so sexy, dann könnte sie das Kapitel Cooper abhaken, bevor es überhaupt begonnen hat. Aber so einfach lassen sich seine grünen Augen nicht verdrängen und vergessen, obwohl die Beiden sich noch nie leiden konnten- oder? 


1st: >> An einem wunderschönen Tag im Juni wurde Faith Elizabeth Holland in einem einer Prinzessin würdigen Hochzeitskleid und mit einem Strauß perfekter rosafarbener Risen in den Händen buchstäblich unter den Augen der halben Stadt vor dem Altar verlassen. <<




Angeschwemmt... wurde das Buch von Blogg dein Buch und an dieser Stelle geht deshalb auch gleich ein recht herzliches Dankeschön samt virtuellem Blumenstrauß an den Mira-Verlag! Zugegeben, soo unbedingt wollte ich das Rezensionsexemplar eigentlich gar nicht haben, aber man klickt halt mal "Blogg ich", nicht wahr? Und selten war ich so froh, das spontan getan zu haben!

Abgetaucht... bin ich aber zunächst nicht mit den größten Erwartungen. Schließlich klang die Geschichte doch irgendwie recht 0815, oder? Hah! Es darf gelacht werden und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn wenn "Lieber für immer als lebenslänglich" (Yippieh, yippieh Deutsche-Titelgebung-Yeah...) etwas nicht ist, dann der millionste Abklatsch einer "Verlassen, verliebt, verheiratet"-Geschichte. Zunächst einmal schreibt Krista Higgins unwahrscheinlich unterhaltsam. Dank ihrer unterschwelligen, durchweg liebenswerten Ironie konnte ich mir ein Grinsen nur selten verkneifen und darüber hinaus besitzt die Autorin ein bewundernswertes Händchen für Situationskomik. Die Szenen sind vielleicht nicht immer ganz ernst zu nehmen, aber was habe ich gelacht! Herrlich, dieser Ideenreichtum! Auch ernste, romantische und traurige Szenen sind gefühlsecht und mitreißend geschrieben und insgesamt macht der Schreibstil der Autorin einfach jede Menge Spaß. Für mich einer dieser Romane, die einen selbst hungrig und durstig in einem unbeheizten Raum auf unbequemem Stuhl immer und immer weiter lesen lassen.

Badegäste... Faith und Levi sind aber auch großartige und vor allem sehr sympathische Protagonisten. Faith ist ein bisschen Bridget Jones 2.0. Sie liebt Wein und Schokolade, ist nicht unbedingt vom Glück verfolgt und die Männer? Nach acht ahnungslosen Jahren vor dem Altar von schwulen Beinahe-Mr-Perfect verlassen zu werden sagt alles, oder? Aber von selbstmitleidiger Drama-Queen keine Spur, im Gegenteil. Auf ihre ein, zwei Pfunde zu viel wird bei Cocktail und Nachos angestoßen und die warmherzige, vielleicht manchmal etwas naive Landschaftsplanerin ist immer zur Stelle, wenn ein Fettnäpfchen "hier" ruft. Gleichzeitig ist Faith aber auch ehrgeizig, zäh und allzeit bereit, Zähne zu zeigen. Kurzum: Die Frau hat Klasse. Levi Cooper auf der anderen Seite nimmt man den harten Cop höchstens so lange ab, bis er voller Elan durch den Dreck robbt, um ein Huhn zu retten. Er ist der Typ "Harte Schale, weicher Kern" aus der Kategorie "Edel-Praline" und hat mein Herz praktisch pausenlos ein bisschen höher schlagen können. So böse er auch dreinschauen mag, so gehen ihm doch seine Stadt, seine Schwester und seine Ruhe über alles. Levi ist ein herzensguter Kerl, der das nach außen mehr oder minder erfolgreich zu verbergen versucht und trifft damit genau meinen Geschmack. Auch die Nebencharaktere sind sehr liebevoll gestaltet. Faiths Familie, ihre Freunde und Levis Schwester sind durchweg ein kleines großes bisschen verrückt, aber man muss sie einfach gerne haben.

Schwimmzüge... beginnen damit, dass Faith an den Ort ihrer Schmach zurückkehrt. Sie liebt ihr Zuhause - ehrlich - aber der Nächste, der sie mit mitleidigem "Armes, armes Ding"-Blick ansieht, wird das nicht überleben. Dann lieber noch Levi Cooper, der zwar dafür gesorgt hat, dass sie die Flitterwochen alleine und unverheiratet verbringt, aber wenigstens kein Mitgefühl heuchelt. Schließlich konnte man sich noch nie sonderlich gut leiden- oder? Naja, das trifft es nicht ganz. Aber bis die ganze Vorgeschichte der beiden ans Licht kommt, darf erst einmal im Hier und Jetzt gelacht, gefiebert und geseufzt werden. Die beiden geben einfach ein tolles Pärchen ab. Besonders gut gefallen hat mir, dass ihre Beziehung so vielseitig ist und mehr als genug romantisch-explosiven Sprengstoff bietet. Faith und Levi geben sich Kontra ohne Ende, helfen einander, hauen sich in die Pfanne, sind füreinander da, küssen und ignorieren und lieben und hassen sich. Und das ist so toll umgesetzt, dass ich gerade die romantischen Szenen wieder und wieder gelesen habe, einfach weil sie so wunderschön waren.

 

Witz hoch zehn und Herzklopfen hoch zwanzig: eine wunderschöne, humorvolle Liebesgeschichte mit immensem Suchtfaktor.

Inhalt: ♥♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥♥
10.01.2015


Mittwoch, 22. Oktober 2014

[BuchBlubb] ► Tour d'amour (Elizabeth Bard)



Luft?
Liebe?
Schokoladensouflée!
♠EN: Lunch in Paris
♠Verlag: Blanvalet (2010)
♠Seiten: 416
♠Genre: Romantik
♠Reihe: -

Es sollte nur ein Wochenendbesuch in Paris werden, doch plötzlich hat die junge Amerikanerin Elizabeth gleich zwei leidenschaftliche Liebesaffairen: eine mit dem gut aussehenden Franzosen Gwendal und die andere mit französischem Essen. Sie packt ihre Sachen und zieht in die Stadt der Liebe, doch der Kulturschock ist immens. Kann ein Land, in dem Frauen scheinbar nichts essen, Menschen an ihrem Talent für das Ausnehmen eines Fisches gemessen werden und Schokoladensoufflés nur bei anderen gelingen die richtige Wahl sein? Kann eine Stadt, in der gutes Gebäck nicht unter einer Wartezeit von 30 Minuten zu bekommen ist und mürrische Metzger die Crème de la Crème des Viertels sind wirklich ihr Zuhause werden? Um Gwendals und ihrer selbst Willen tut Elizabeth alles, um ihren französischen Traum wahr zu machen. Doch schließlich ist es nicht nur die Liebe, sondern vor allem die französische Küche, die ihr Stück für Stück das Tor zur Pariser Seele öffnet.


1st: >> Ich habe mit meinem französischen Ehemann nach der Hälfte unserer ersten Verabredung geschlafen. <<






Angeschwemmt... wurde das Buch beim diesjährigen ME-Flohmarkt. Ich kann so vielem manchem widerstehen. Aber einem ganz zauberhaft aufgemachten Eiffelturm-Cover samt amphibisch angehauchtem Untertitel? Keine Chance und das noch bevor ich wusste, dass auch jede Menge toller Rezepte enthalten sind.

Abgetaucht... bin ich ganz untypisch für meine sonstigen "Oh, guck mal das tolle Cover"-Spontankauf-Flops nicht nur ohne Schwierigkeiten, sondern auch von Anfang an schwer beeindruckt. Bei Stichworten wie "Paris", "(Französische) Küche" oder "Froschprinz" kein Wunder? Nein, es lag nicht nur an Setting und Thema, dass mir die Geschichte so gut gefallen hat. Verliebt habe ich mich hier zuallererst und ganz besonders in den Schreibstil. Die Autorin ist gebürtige Amerikanerin mit Wahlheimat Paris und genau so schreibt sie: mit amerikanischem Humor und französischem Charme. Ob auf dem Markt, entlang der Seine oder im Würstchen-Restaurant, jeder Part der szenenhaft erzählten Geschichte strotzt nur so vor Lebendigkeit, Witz und Herz! Es steckt viel Elizabeth Bard in den Beschreibungen und mit ihrem manchmal rein unterhaltsamen, manchmal fast schon philosophischem Humor und einem insgesamt qualitativ sehr hochwertigen Stil konnte sie mich völlig überzeugen. Man bekommt als Leser ein Gefühl für die Szenerie und in der Beschreibung von Cafés, Küchen oder französischem Essen steckt eine schlichtweg wundervolle Atmosphäre. Außerdem spielt das Buch gekonnt mit Klischees und nimmt Amerikaner, Europäer und (Nicht)Pariser Franzosen gleichermaßen liebevoll auf die Schippe, was mich oft genug zum Schmunzeln und Lachen gebracht hat.

Badegäste... sind der Autorin selbst und Personen aus ihrem Leben nachempfunden. Inwieweit, das lässt sich schlecht beurteilen, während des Lesens aber umso besser verdrängen. Ohne diese Hintergrundinfo hat man nämlich einfach eine Palette an unglaublich sympathischen Charakteren. Alle ein bisschen verrückt, alle ein bisschen überzeichnet, aber alle zum Gernhaben. Da ist zum einen die Protagonistin selbst. Als amerikanische Touristen kam sie, sah sie und wurde besiegt. Vom gut aussehenden Gwendal mit seiner Pasta danach, vom Pariser Flair, von Luft und von Liebe. Nur ist das erst der Anfang. Post-Umzugshürden - und die sind zahlreich - nimmt sie aber mit so viel Humor, Frust und kindischer Freude, dass man sie einfach mögen muss. Elizabeth ist einfach mitten aus dem Leben gegriffen und ich konnte mich gut mit ihr identifizieren. Auch die Nebencharaktere mochte ich sehr gerne. Dieses Buch hat die tolle Eigenschaft, das Scheinwerferlicht immer wieder auch vorteilhaft auf die kleinen Leute zu richten. So lernt man mit der Zeit nicht nur Elizabeths Eroberung kennen, sondern vom mürrischen Hackebeil-Metzger über die Schwiegermutter mit Bikini-Figur bis zum "Isch verschtehe sie nischt und will sie auch nischt verschtehen"-Makrelen-Verkäufer eine ganze Reihe schrulliger Charaktere lieben. 

Schwimmzüge... werden vom deutschen Titel ausnahmsweise wunderbar beschrieben. Dieses Buch ist wirklich eine "Tour d' amour", aber gleichzeitig steckt so viel mehr als das klassische "Prinzessin küsst Frosch und wenn sie nicht gestorben sind..." darin! Da ist nicht nur Liebe zum Traumprinz, sondern zu Paris, gutem Essen und Genuss, zum Leben, den eigenen Träumen und sich sich selbst und so vielem mehr. Elizabeth Bard hat keinen reinen Unterhaltungsroman geschrieben, sondern Lebensweisheiten und Rezepte, für die mancher Kochbuchautor morden würde, gratis dazugepackt. Die Autorin erzählt hier vor dem Hintergrund einer ungewöhnlichen Liebesgeschichte von Selbstverwirklichung, (Sprach-)Barrieren und dem täglichen Kampf um das beste Gebäck. "Tour d' amour" kreiert aus Romantik, Familiengeschichte, Liebe zu gutem Essen und "Französisch für Anfänger"-Humor eine kleine Delikatesse, die sich Freunde leichter, aber keinesfalls leerer Unterhaltung nicht entgehen lassen sollten.
 

Lieben und Leben in Paris, großzügig gewürzt mit Humor und Rezepten. Eine Delikatesse für Genussleser!

Inhalt: ♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥♥
22.10.2014


Donnerstag, 28. August 2014

[BuchBlubb] ► Herrin der Lüge (Kai Meyer)



Glaube. 
Lüge?
Verderben...
♠EN: -
♠Verlag: Bastei Lübbe (2008)
♠Seiten: 848
♠Genre: Historisches
♠Reihe: -

Im Frühjahr 1210 fallen Gerüchte über die Predigerin Magdalena und ihren Kreuzzug der Jungfrauen auf fruchtbaren Boden. Der letzte Bürgerkrieg hat das Land gezeichnet und unter allgemeiner Unzufriedenheit machen sich Frauen allen Alters zu Tausenden auf, um ihr unter Waffen ins Gelobte Land zu folgen. Doch was niemand weiß: Im Gewand der Heiligen steckt in Wahrheit die junge Gauklerin Saga, die beste Lügnerin der Welt. Ihr Talent wurde ihr zum Verhängnis, als die Gräfin Violante von Lerch sie in eine der größten Intrigen verstrickt, die das Christentum je gesehen hat... Verzweifelt versucht ihr Zwillingsbruder Faun, seine Schwester zu befreien und zusammen mit der Herumtreiberin Tessa führt Sagas Spur die beiden quer durch Europa, über das Mittelmeer und schließlich nach Jerusalem. Doch welche Chance haben sie, solange der mächtige Templerorden, Papst Innozenz und der Kaiser höchstpersönlich alles dafür tun, damit Sagas Anhängerinnen ihren Bestimmungsort erreichen? Zu spät erkennt die Gauklerin, in was für eine verschwörerische Hölle sie fünftausend Frauen zu führen droht...



1st: >> Die Nacht war aus Asche, als der Maskierte einen Weg durch das brennende Konstantinopel suchte. <<






Angeschwemmt... wurde das Buch vor so vielen Jahren, dass nicht einmal Bookcook mir das genaue Datum sagen kann. Das waren noch Zeiten, in denen ich es mir SuB-technisch leisten konnte, einfach alles von meinen Lieblingsautoren zu ME-hamstern! Leider ist diese Strategie ist nicht nur ein garantierter Abbau-Killer. Sie hat auch den Nachteil, dass ich Zusätze, wie z.B. hier "Historischer Roman", meistens erst daheim entdeckt habe. Kai Meyer hin oder her, aber erfolgreicher kann man mich bei Büchern nicht abschrecken und so hat es dieses Werk unter die zwölf ältesten(!) meiner SuB-Sumpf-Bewohner geschafft... Psst!! Gut, dass es den Uropa-Bonus bei der "Anti-Age dem SuB 3.0" gibt.

Abgetaucht... bin ich also wieder einmal nicht mit den aller größten Erwartungen, aber wieder einmal hat der Meister Unmögliches geschafft und mich doch tatsächlich mit einer Mittelalterwelt vollends überzeugt! Wie genau er das geschafft hat, das ist mir immer noch nicht ganz klar, aber es hat funktioniert. Kai Meyer schreibt sehr detailgenau, ohne zu überladen; er beschönigt nichts und begeistert trotzdem. Auf mich wirkten sowohl Geschichtliches als auch Setting und Requisiten sehr gut recherchiert und das gibt der ohnehin schon mitreißenden Atmosphäre noch das gewisse authentische Etwas. Der Autor nutzt verschiedene Sichtweisen und Handlungsorte, um ein und dieselbe Geschichte zu erzählen und das wird zwar zunehmend komplex, aber dank genialer Verknüpfungen niemals kompliziert. Kai Meyer hat ein unglaubliches Gespür dafür, wann er die Regie am besten übernehmen sollte und wann die Vorstellungskraft des Lesers Lücken problemlos selbst füllen kann. Außerdem läuft er hier stiltechnisch zu absoluter Höchstform auf und schreibt selbst für seine Verhältnisse über Gebühr mitreißend und lebendig. Reinster Lesegenuss der Kategorie "Ups, Haltestelle verpasst." oder auch großartig, großartiger, "Herrin der Lüge"!

Badegäste... sind so zahlreich wie großartig und eine Rezension reicht sicher nicht aus, um in Worte zu fassen, wie genial und vor allem vielfältig sie alle gestaltet sind. Genauso unmöglich ist es mir, mich für einen Liebling zu entscheiden. Mit am interessantesten ist sicherlich die Gauklerin Saga mit ihrem "Lügengeist". Er macht sie zur besten Schwindlerin der Welt und niemand, der ihr nicht durch und durch misstraut - und das tun die wenigsten - kann ihren Worten widerstehen. Aber was steckt dahinter? Gottes Werk, Teufels Beitrag oder doch nur Sagas eigener Geltungsdrang? Sie ist auf alle Fälle eine spannende Figur, die sich und damit auch ihre anfänglichen Skrupel zunehmend in der Rolle der "Magdalena" verliert. Aber auch alle anderen Protagonisten sind toll ausgearbeitet und selbst in den kleinsten Gesten steckt so viel Persönlichkeit, dass man sie früher oder später (fast) alle ins Herz schließt. Sei es Faun mit dem Herz aus Gold und den (zu) schnellen Fingern oder Tessa mit dem offenen Lächeln und den verschlossenen Absichten. Sei es Gräfin Violante, die für ihre Liebe Tausende zu opfern bereit ist oder Söldner Zinder, der angeblich einfach nur Haus, Hof und Frieden möchte. Besonders gut gefallen hat mir, dass sich so viel mehr hinter den ersten Eindrücken verbirgt: Vergangenheit, Charakter, Motive- wenig ist oder bleibt, wie es scheint. Ich habe mitgefiebert, mitgelitten und mich vielleicht sogar ein bisschen zu sehr mitverliebt und wollte sie alle gar nicht mehr gehen lassen.

Schwimmzüge... kann ich kaum in Worte und unmöglich zusammenfassen. Kai Meyer hat mit "Herrin der Lüge" ein gigantisches Abenteuer geschaffen, das so viel mehr ist, als "nur" historisch. Es geht im Großen um Zeitgeschichte mit ihren kirchlichen und politischen Fehden und Intrigen, während im Kleinen die verschiedensten Geschichten eingewoben sind: Gaukler, Bauern, Piraten, Tempelritter, Kleriker und viele mehr kämpfen um und mit Geld und Macht; Glaube, Liebe und Ehre; Gewissen und Skrupel und immer wieder Lüge und Verrat. Das mag wirr klingen, wurde vom Autor aber unbeschreiblich gut umgesetzt. Jedes noch so kleine Zahnrad greift in ein anderes und von ein paar kleinen Logikfehlern abgesehen habe ich selten eine so komplexe, kreative und gleichzeitig realistisch wirkende Geschichte gelesen. Die Mischung aus epischer Historie, unterhaltsamer Action und mitreißenden Charakteren garniert mit phantastisch angehauchten Elementen und nachdenklich stimmenden Wendungen hat mich gefesselt von der ersten bis zur letzten Seite. Deshalb will ich auch gar nicht verraten, worum genau es denn nun im Detail geht. Ihr werdet es nicht bereuen, das ganz alleine herauszufinden.
 

So viel mehr, als "nur" historisch: Ein gigantisches Leseabenteuer, das in Komplexität, Kreativität und Charakterzeichnung seines gleichen sucht.

Inhalt: ♥♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥♥
28.08.2014


Mittwoch, 21. Mai 2014

[BuchBlubb] ► Kirschroter Sommer (Carina Bartsch)



Einmal.
Keinmal!!
Abwarten...
♠EN: -
♠Verlag: rororo (2013)
♠Seiten: 512
♠Genre: Romantik, Jugendbuch
♠Reihe: Elyas&Emely #1

1st: >> Es war jedes Mal dasselbe: Entweder die Zeit war von vornherein mein Feind, oder einer meiner Mitmenschen machte mir bei dem kläglichen Versuch, wenigstens einmal im Leben pünktlich zu sein, einen Strich durch die Rechnung. <<<
Nicht jeder hat eine zweite Chance verdient, davon ist Emely überzeugt. Der Bruder ihrer besten Freundin hat ihr Leben mit seinen verdammten leuchtend türkisblauen Augen schon einmal völlig durcheinandergebracht und der Schmerz sitzt immer noch tief. Niemals wird sie ihm verzeihen! Warum Elyas jetzt, Jahre später, plötzlich den Charmeur gibt, das kann sie sich zwar beim besten Willen nicht erklären- aber ändern wird das nichts. Er ist und bleibt alles, was sie am liebsten aus ihrem Leben streichen würde und das krasse Gegenteil ihrer einfühlsamen, romantischen - aber leider anonymen - Email-Bekanntschaft Luca. Ihm könnte sie vielleicht ihr Herz schenken, wäre es nur nicht so beschäftigt damit dieses penetrante Türkis zu verabscheuen...




Angeschwemmt... werden musste "Kirschroter Sommer" und nichts Anderes, als ich mir letztes Jahr bei einem Gewinnspiel ein Wunschbuch aussuchen durfte. Es klang nach "Türkisch für Anfänger" ohne Patchwork, nach "Im Krieg und in der Liebe..." mit Witz und Feuer und gefühlt jeder schien das Buch mit einem Alltime-"Wow, war das ultimativ G-U-T!"-Gefühl gelesen zu haben. Da fiel mir die Wahl ausnahmsweise leicht und ich habe mich auf ein Buch gefreut, bei dem mein Herzklopfen die Seiten zum Vibrieren bringen würde!

Abgetaucht... bin ich aber weit weniger prickelnd, als ich mir das von meinem 10-Meter-Vorfreude-Turm aus erhofft hatte. Anfangs wirkt der Schreibstil auf mich zu aufgesetzt, zu leblos, zu - wenn auch hoher -  schuldeutscher Standard. Emely war zickig, die Nebencharaktere eine Fußballmannschaft voller Nervensägen und der Plot, naja... Aber irgendwo zwischen Strawberry Margherita und Billard muss es dann doch gefunkt haben zwischen der Geschichte und mir. Denn plötzlich konnte und wollte ich gar nicht mehr aufhören und nur noch weiter und weiter und weiter lesen. Da war sie, die Atmosphäre, von der alle so geschwärmt hatten! Es gibt vermutlich unzählige Bücher, die alle irgendwie die Geschichte von Elyas und Emely erzählen. Aber Carina Bartsch hat nicht nur genug "Y"s für sie alle zusammen in petto, sondern auch ausreichend Gefühl, Knistern und Prickeln und das schon in Szenen, in denen sich die Zwei nicht einmal berühren. Die Autorin schreibt einfach, mir manchmal fast zu derbe und stilistisch ist da sicher noch Luft nach oben. Aber sie hat ein Talent dafür, aus wenig alles zu machen und den Leser so auch mit den einfachen Szenen zu packen, zu fesseln und keine Sekunde mehr loszulassen. 

Badegäste... sind Zuckerbrot und Peitsche in vollendeter Form. Wenn Emely irgendetwas noch unzumutbarer findet, als sich selbst, dann ist das Elyas und an ihrer scheinbar endlosen Anklageschrift lässt sie die Welt und den Leser ausgedehnt teilhaben. Sie mag sich von ihrem Hass nicht umsonst keinen Millimeter abbringen lassen, aber mit dem Herz auf dem Schwert, statt auf der Zunge, gibt sie so in erster Linie die verletzte Harpyie, die Blut sehen will und stolz darauf ist. Eigentlich nicht die Protagonistin meiner Wahl, aber da ist ja Teichgott sei Dank noch Elyas und wäre ich nicht schon vergeben... Hinter seiner großen Klappe und der rein zufällig umwerfend gut aussehenden Fassade dazu steckt alles, was Emely fehlt: ein gutes Herz, scheinbar unerschöpfliche Geduld und ein nicht zu verachtendes Ego. Die Zicke und Mr. Perfect funktionierten als Hauptcharaktere für mich dabei gerade wegen ihrer extremen und unterschiedlichen Charaktereigenschaften so gut, denn die nehmen sie eigentlich permanent gegenseitig auf die Schippe. Daneben verblassen die Nebencharaktere fast ein wenig. Schrullig sind sie alle, aber eine größere Rolle bekommt nur Elyas Schwester Alex und lasst es mich so sagen: Bei solchen Freunden brauchst du keine Feinde mehr.

Schwimmzüge... tja, was ist auf über 500 Seiten noch gleich passiert? Obwohl, so wichtig ist das eigentlich gar nicht, Hauptsache Elyas und Emely waren mit von der Partie! Denn zugegeben, die Handlung selbst ist wirklich nicht mehr, als eine dieser ach so typischen 0815-Teenie-Romanzen. Miteinander? Lieber würde Emely sterben. Ohneeinander? Wenn sie das nur durchhalten würde... Na, Déjà-vu? Einmal durch die Jugend-Abteilung der örtlichen Bücherei und ich bin mir sicher, dass ich in maximal zehn Büchern sämtliche Szenen, "Geheimnisse" und (Miss-)Ver- und Geständnisse aus "Kirschroter Sommer" so oder ähnlich wiederfinden würde. Aber - großes Aber! - hier macht die Chemie den Plot: Es brodelt, knallt und knistert, dass es die reinste Lesefreude ist! Ob beim mit bissigem Sarkasmus ausgeführten Schlagabtausch oder - zugegeben seltener - bei friedlicher Unterhaltung, das Froschherz hat jeden noch so kleinen Funken zwischen den Beiden eifrig mitgetaktet- nur um am Ende kurz stehen zu bleiben. Denn Fans von witzig inszenierter YA-Hass-Liebe im Stil von "10 Dinge, die ich an dir hasse" werden zwar sehr sicher auf ihre Kosten kommen. Sie werden aber auch mitten in der Nacht Tankstellen abschwimmen oder in Buchhandlungen einbrechen, um jetzt weiterlesen zu können.


Mrs. Zicke vs. Mr. Perfect: witzig inszenierte YA-Hass-Liebe, bei deren in-guten-und-in-schlechten-Zeiten man sich problemlos in einen Rausch lesen kann. Story? Nebensächlich. Herzfrequenz? Jenseits jeder Skala.

Inhalt: ♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥♥
21.05.2014


Sonntag, 19. Januar 2014

[BuchBlubb] ► The Green Mile (Stephen King)



Verurteilt.
Tod.
Strafe?
♠EN: The Green Mile
♠Verlag: Bertelsmann (1998)
♠Seiten: 478
♠Genre: Verschiedenes
♠Reihe: -

1st: >> Dies geschah 1932, als das Staatsgefängnis noch in Cold Mountain war. <<<
1932 ist Paul Edgecombe als Aufseher im Staatsgefängnis Cold Mountain verantwortlich für Block E. Seine "Gäste" warten nur noch auf eines: 10.000 Volt und das damit einhergehende Ende. Trotzdem wacht Paul sorgsam darüber, dass im Umgang mit und unter den Gefangenen Recht und Ordnung herrschen. Doch mit der relativen Ruhe ist es vorbei, als der hünenhafte John Coffrey eingeliefert wird: Er soll zwei kleine Farmerstöchter missbraucht und brutal ermordet haben. Für Paul ist er zunächst ein Gefangener wie alle anderen auch, doch dann spielen sich im Todestrakt mysteriöse Dinge ab und angefangen mit einer winzigen Maus ändert sich alles...




Angeschwemmt... wurde das Buch vor einer gefühlten Ewigkeit auf dem Flohmarkt. Ich hatte mir ja immer erfolgreich eingeredet gehabt, dass Stephen King nichts für mich ist. Wenn ich schon einen Versuch wagen wollte, dann wenigstens in bekannten Gefilden und so durfte das Buch zum großartigen und gleichnamigen Film mit ins Körbchen.

Abgetaucht... bin ich also zugegeben nicht mit ganz fairen Absichten. "Danke, nichts für mich!", wollte ich sagen können, aber da hatte ich die Rechnung ohne den Autor gemacht. Denn schon nach wenigen Seiten hatte Stephen King mich völlig gefesselt und ich kann im Nachhinein nicht einmal so ganz genau sagen, warum. Lag es an dem steten Wechsel zwischen jetzt und damals, mit dem ein unwiderstehlicher Lesesog entsteht? Oder am Stil voller Witz, Feingefühl und unterschwelligen Schwingungen? Oder war es einfach unerklärliche Liebe auf den ersten Satz? Ich weiß es nicht. Aber gefesselt war ich von Stephen Kings ruhiger, tiefgründiger und einnehmender Art bis zur letzten Seite. Das war eines dieser Bücher, in denen ich mich einfach wohl gefühlt habe.

Badegäste... wollte ich unvoreingenommen angehen, aber sie haben mich dann natürlich doch an die Darsteller des Filmes - allen voran den genialen Tom Hanks - erinnert. Wobei ich mich früh fragen musste, ob Tom Hanks nun Paul Edgecombe gespielt oder Stephen King Tom Hanks geschrieben hat. Ich hatte noch nie einen Vergleich von Buch und Film, bei dem alles in mir derart "Passt!" geschrien hat!  Aber wie dem auch sei. Auf alle Fälle war mir Paul unglaublich sympathisch! Das lag vor allem daran, dass er so menschlich war. Selbstverständlich für einen Menschen? Oooh nein! Zumindest nicht so. Was King hier an Charakterzeichnung betreibt, das ist ganz großes Kino! Paul ist voller Überzeugung und voller Zweifel, handelt richtig und falsch. Ich kann nicht in Worte fassen, wie großartig dieser Protagonist gestaltet ist! Auch die anderen Charaktere haben Tiefgang und sind durchweg und manchmal fast zu sehr greifbar. Glaubwürdigkeit? Volle Punktzahl!

Schwimmzüge... konnten mich wohl kaum noch von der Luftmatratze werfen, wo ich den Film schon kannte, oder? Habt ihr eine Ahnung. Ich habe mitgefiebert und mitgelitten von der ersten bis zur letzten Seite! Die Handlung von "The Green Mile" ist auch definitiv nicht zum Abschalten gedacht, im Gegenteil. Stephen King geht hier moralisch harten Tobak an und so schön und witzig und herzergreifend viele Szenen auch sind, schont er den Leser nicht. Ich tendiere nicht zum emotionalen Seitentauchgang, aber das Buch ging mir wirklich nahe. Kann man Sympathien für vielfache Mörder entwickeln? Darf man das? Wie sollten Vertreter des Staates mit denen umgehen, die bei ihren schrecklichen Taten doch auch keine Gnade gezeigt haben? Ich liebe Bücher, die man nicht einfach "nur" liest, sondern die einem - in welcher Form auch immer - etwas geben und bei allen Teichgöttern, das tut "The Green Mile". Die Handlung ist spannend, sie ist bewegend und berührend und ergreifend und zu vieles, um es hier in Worte fassen zu können.


Mit einzigartig einnehmender Art präsentiert Stephen King greifbare Charaktere, eine bewegende Handlung und viele moralische Anreize zum Nachdenken. Was für ein Buch!

Inhalt: ♥♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥♥
19.01.2014


Sonntag, 29. Dezember 2013

[BuchBlubb] ► Matched [EN] (Ally Condie)



Sicherheit?
Freiheit?
Entscheidung...
♠Dt.: Die Auswahl
♠Verlag: Dutton (2010)
♠Seiten: 384
♠Genre: Dystopie
♠Reihe: Cassia & Ky #1 |

1st: >> Now that I´ve found the way to fly, which direction should I go into the night? <<<
In der "Society" entscheiden Beamte: wen du liebst, wo du arbeitest. Wann du stirbst.
Cassia hat deren Entscheidungen immer vertraut und schließlich ist dieser Preis kaum der Rede wert angesichts dessen, was man ihr dafür bietet: ein langes Leben, den perfekten Job, den idealen Partner. Als ihr bester Freund zu ihrem Match erkoren wird, zweifelt Cassia deshalb keine Sekunde an der Richtigkeit dieser Zuordnung- bis sie, eine Sekunde lang nur, ein anderes Gesicht auf dem Auswahl-Bildschirm sieht. Jetzt hat Cassia eine Wahl, die sie nie besitzen wollte: zwischen Xander und Ky. Zwischen dem einzigen Leben, das sie je kannte und einem Weg, dem zu folgen sich noch nie jemand getraut hat...




Angeschwemmt... wurde das Buch zusammen mit seiner kleinen Schwester gebraucht über den BT. Die Trilogie um Cassia und Ky stand schon so lange auf meiner Wunschliste (begleitet von eifrigem "Jetzt lies das doch endlich!!" einer Freundin) und das Original-Cover gefällt mir viel besser, als das deutsche. Da konnte ich dann wieder einmal einfach nicht widerstehen und Frau Condie durfte spontan doch auf Englisch einen Liegeplatz in der Teichlandschaft beziehen.

Abgetaucht... bin ich mühelos und am liebsten wäre ich dauerhaft versunken geblieben, so gefangen genommen hat mich Cassias Welt, so verzaubert hat mich Frau Condies Schreibstil. Sie flüstert dem Leser eine Geschichte ins Ohr, ganz sanft und leise, und brachte damit etwas in mir zum Hallen, wie es in den letzten Monaten kein knallender Actionthriller vermocht hat. Ob mit federleichtem Flügelschlag oder zunehmend auf Adlerschwingen- die Autorin flog mit mir davon in eine Welt, in der du und ich auch irgendwann leben könnten. Keine Krankheiten und kein Hunger, ja nicht einmal mehr Scheidungen- die perfekte Zukunft? Natürlich nicht. Es ist ein Spiel aus Licht und Schatten, das Frau Condie mit ihren Protagonisten und auch mit dem Leser spielt, aus Wahrheit und Lüge. Denn in den Genuss dieses auf der ultimativen Optimierung basierenden Systems zu kommen, das hat seinen Preis. Aber das wird einem nicht gleich auf Seite eins mit Pauken und Fanfaren verraten, im Gegenteil: Langsam und ruhig lernt man die "Society" kennen- und umso erschütternder wirken Blicke hinter deren Kullisse.


Badegäste... haben mich vor allem dadurch beeindruckt, dass sie zwar in stillen, aber - wenn auch nicht unbedingt schmutzigen - unerwartet tiefen Gewässern schwimmen und fast niemand so schwarz oder weiß bleibt, wie er zunächst erscheint. Die Hauptperson Cassia zum Beispiel sitzt in ihrer kleinen, hübschen Glaskugel namens "Society" und lässt sich die Sonne auf den Bauch scheinen: still, überzeugt und mit einem Lächeln lebt sie die Regeln anderer und steuert auf eine glänzende Zukunft zu. Doch es braucht nur ein paar Verse und einen Verlust, um sie Fragen stellen zu lassen. Dabei wacht sie keinesfalls plötzlich als gesellschaftlicher Rammbock auf, im Gegenteil. In Cassia vereinen sich plötzlich Für und Wider des ganzen Systems und das auf eine sympathisch glaubwürdige Art. Auch Ky kommt nicht mit dem großen Feuerwerk daher. Seine Einstellung scheint so wechselhaft zu sein, wie seine Augenfarbe und während er immer darauf bedacht ist, in der Menge unterzutauchen, weiß man als Leser ganz instinktiv, dass es unter seiner ach so glatten Oberfläche brodelt. So weit, so erwartet und so gut. Richtig positiv überrascht haben mich aber die Nebencharaktere. Denn Cassia ist nicht die Einzige, die den schönen Schein wahrt, um die zu schützen, die sie liebt...

Schwimmzüge... ließen mich immer wieder "Die Feder ist mächtiger, als das Schwert" denken. Ich bin kein Experte im Genre "Dystopie", aber diese hier hat mich vollkommen überzeugt. Keine Militärdiktatur überdauert ewig, aber gib den Menschen (Zucker-)brot und die meisten werden essen, anstatt zu h hinterfragen. Wo hören dabei gute Absichten auf, wo fängt Unterdrückung an? Gekonnt pflanzt Frau Condie Zweifel im Leser und dabei passiert zunächst gar nicht viel. Aber Cassias Welt fasziniert, sie stößt vor den Kopf und dabei flog selbst simpelster Alltag nur so an mir vorbei. Wie ein Gewitter am Horizont lässt diese Geschichte die Hauz zunächst mit leisen Tönen kribbeln- bis der Sturm losbricht.  Es waren hier eher die Kleinigkeiten des Entdeckens einer neuen Welt, des Entdeckens einer neuen Liebe, des Entdeckens einer neuen Stärke, die mich gefesselt haben. Aber es dürfte spannend weitergehen!


Ein dystopischer Auftakt, der mit einer faszinierenden Welt überzeugt und dessen leise, aber unglaublich faszinierende Töne im Kopf widerhallen.

Inhalt: ♥♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥♥
30.12.2013


Samstag, 21. September 2013

[BuchBlubb] ► Biting The Bullet [EN] (Jennifer Rardin)



Versuchung... 
Rache...
Verhängnis?
♠Dt.: Ein Quantum Blut
♠Verlag: Orbit (2008)
♠Seiten: 336
♠Genre: Urban Fantasy
♠Reihe: Jaz Parks #3 | Spoilergefahr: #1-#2

1st: >> Gunfire boomed in my ears, the seargent crouche next to me yelling with triumph as his target fells. <<
Diese Mission ist nicht unser übliches "Knall sie ab und renn!", sondern ein Undercovereinsatz der besonderen Art. Noch nie waren wir so schwer bewaffnet, noch nie haben wir Unterstützung durch ein anderes Team gebraucht. Aber rachsüchtige Reaver treiben uns in die Enge und ein Seher will Vayls Kräfte, koste es, was es wolle. Also je mehr, desto besser, oder nicht? Ähm- nein. Zumindest nicht, seit Vayl und ich wissen, dass ein Teil unseres Auftrags darin besteht, einen Maulwurf in dieser Einheit aufzustöbern. Und dann ist da auch noch die persönliche Rechnung, die deren Chef mit mir offen hat...




Angeschwemmt... wurde das Buch - wie könnte es auch anders sein - bei einer Schnäppchen-Aktion für englische Bücher. Eines der Stimmchen in meinem Kopf macht mir immer mal wieder Angst, dass die "Jaz Parks"-Bücher hierzulande irgendwann nur noch zu horrenden Preisen erhältlich sein werden und so fiel mir die Wahl nicht schwer.

Abgetaucht... bin ich mit ein paar Anschwimmschwierigkeiten. Aber ich kann der Autorin schlecht vorwerfen, dass sie meine Englischkenntnisse von Anfang an mit Tempo, Wortwitz und Action gefordert hat. Schließlich liebe ich es an Jennifer Rardins Büchern gerade so sehr, dass von der ersten Seite an nicht nur geredet und gekuschelt wird und auch in "Biting the Bullet" geht es gleich - im wahrsten Sinne des Wortes - höllisch zur Sache. Die Autorin hat einfach eine Art zu schreiben und auch wenn ich eigentlich kein Fan solcher Vergleiche bin: James Bond lässt grüßen, was die Kreativität bei Settings und Actionszenen angeht. Aber Frau Rardin zeigt im dritten Band daneben zunehmend, dass sie auch für ernste, bedeutsame Szenen Talent besitzt, und mixt einen tollen Cocktail aus Ernst und Unterhaltung. Geschüttelt, nicht gerührt.


Badegäste... müssen und/oder dürfen in "Biting the Bullet" fast alle Farbe bekennen. In feindlichem Territorium und zusammen auf engstem Raum mit einem misstrauischen fremden Team samt Verräter - und miteinander - geht es hoch her und ich könnte spontan gar nicht sagen, wer mir am besten gefallen hat. Es geht um Schuldgefühle, Versuchungen und um Opfer; um Pokerabende, Freundschaft und Vorbilder. Darum, über sich selbst hinaus zu wachsen und auch darum, irgendwie an Kaugummi zu gelangen. Kurz gesagt: Es geht auch um die Nebencharaktere und besonders das spleenig-paranoide Wissenschaftler-Mäuschen Bergman umgeben von geballtem CIA-Testosteron hat mir unheimlich gut gefallen! Auch Cole, der sich in einem Akt leichter Lebensmüdigkeit nicht von Vayl beeindrucken lässt, wenn es um Jazs Herz geht, findet zunehmend in seine Agentenrolle und es ist hier überraschend ausgerechnet Über-Vamp Vayl, den die Suche nach seinen Söhnen an eine wortwörtlich rote Grenze bringt- und der damit alles riskiert, was sich zwischen ihm und Jaz entwickelt hat. Habe ich erwähnt, dass ich dieses Team liebe?!

Schwimmzüge... beinhalten wieder jede Menge Action, wobei auch einige Kämpfe auf sehr privater Ebene geführt werden und nicht nur Jaz muss sich längst verdrängt geglaubten Geistern aus der Vergangenheit stellen. Denn für ihren jüngsten Einsatz muss sie mit ihrem Bruder kooperieren, dessen Frau sie damals eigenhändig umgebracht hat... Für Schuldgefühle ist zwar eigentlich keine Zeit, während es gilt einen Maulwurf zu identifizieren, eine Zielperson zu eliminieren und herauszufinden, warum die Chef-Etage keinerlei Fragen wünscht. Aber manche Schatten lassen sich nur schwer verdrängen, das könnte auch Vayl zum Verhängnis werden. So verheißungsvoll nämlich manche Chance im Morgenland bei Tageslicht auch zu sein scheint, nachts lauern Angstwesen, Reaver, Nekromanten und vieles mehr. Und ja, dieser bunt gemischte Handlungssalat schmeckt! Denn so unübersichtlich sich das vielleicht anhört, erzählt Frau Rardin tatsächlich eine zusammenhängende Geschichte und die hat es an allen Fronten in sich: Diesseits, jenseits und in der Hölle. Von einer wieder einmal unnötigen Liebesgeschichte um Cassandra abgesehen, bin ich wirklich wunschlos glücklich und es gab da diese eine Szene, die ich wohl gut ein Dutzend Mal gelesen habe. Awh!


Eine großartige Fortsetzung, die ihre Vorgänger vor allem in Sachen Charakterentwicklung und (Familien-)geheimnissen weit hinter sich lässt. Feminine Kick-Ass-Unterhaltung vom Feinsten

Inhalt: ♥♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥♥
21.09.2013


Mittwoch, 11. September 2013

[BuchBlubb] ► Der Nachtwandler (Sebastian Fitzek)



Heim... 
Sicherheit...
Irrtum!
♠Original: -
♠Verlag: Knaur (2013)
♠Seiten: 320
♠Genre: Psychothriller
♠Reihe: -

1st: >> Die Kakerlake kroch auf Leons Mund zu. <<
Wer bist du, wenn du schläfst?
Gute Nächte hatte Leo eigentlich noch nie, aber er muss deshalb schon seit Jahren nicht mehr psychiatrisch behandelt werden. Seine massiven Schlafstörungen glaubt er geheilt- bis eines Nachts seine Freundin unter mysteriösen Umständen, verletzt und völlig verängstigt, aus ihrer gemeinsamen Wohnung verschwindet. Ist Leo etwa wieder, wie damals, im Schlaf gewalttätig geworden? Auf der Suche nach der Wahrheit installiert er eine Kamera an seiner Stirn und was er auf den Aufzeichnungen sieht, das stellt selbst seine schlimmsten Fantasien in den Schatten. Sein nächtliches Ich öffnet eine ihm völlig unbekannte Tür im Schlafzimmer und steigt hinab in die Dunkelheit...



Angeschwemmt... wurde das Buch ausnahmsweise einmal mit wirklich gutem Grund. Sebastian Fitzek hat nämlich in einigen kleineren Buchhandlungen Lesungen gehalten und ein Thalia in meiner Nähe war auch dabei! Was wäre da ein Fan-Frosch ohne passendem, signierbereitem Buch in der Tasche gewesen? Eben. Der Autor ist übrigens unheimlich sympathisch und die Lesung war witzig, unterhaltsam und einfach genial! Und dank eines nächtlichen Totalausfalls der DB hatte ich denn auch im Anschluss gleich Gelegenheit dazu, das Buch noch am Bahnhof zu verschlingen.

Abgetaucht... bin ich genau so, wie es sein sollte: sofort, dauerhaft und bedingungslos. Was soll ich sagen? Da hat man den ein oder anderen Fitzek gelesen und denkt, der Maßstab wäre angemessen hoch. Und dann kommt "Der Nachtwandler" daher und haut einen noch mal völlig um. Dieses Buch war für mich ein einziger Lesestrudel, der mich eingesaugt und nicht mehr freigegeben hat! Die einzelnen Kapitel sind gewohnt kurz gehalten und stehen einander an Spannung in nichts nach. Über 320 Seiten hinweg hatte wirklich jedes Einzelne irgendeine Überraschung bereit und "Nur noch das eine Kapitel" ging gar nicht. Einige ließen mich am Verstand der Hauptperson Leo zweifeln, andere an dem seiner Mitmenschen und nicht wenige an meinem eigenen. Aber - und das liebe ich an Sebastian Fitzeks Büchern so sehr - ein Zahnrad greift dabei ins nächste und die Spannung ist alles andere, als heiße Luft. Grusel und Grauen geht nur im Film? Habt ihr eine Ahnung...


Badegäste... sind Leo und dessen nahes Umfeld: Freundin, Familie, sein bester Freund und ein Therapeut aus Kindertagen sowie die anderen Hausbewohner. Sie alle reagieren dabei völlig verschieden auf die zunehmenden Veränderungen in Leos Verhalten. Denn typisch Fitzek gerät dessen Leben zunächst auf völlig unerklärliche Art und Weise aus den Fugen. Dabei neu: Das passiert Leo nicht zum ersten Mal. Er ist ein "Nachtwandler" und bei seinem letzten Ausbruch stand er neben dem Bett seines Adoptivbruders- mit einem Küchenmesser in der Hand. Aber solche Anfälle gehören der Vergangenheit an und es kann sich nur um einen Irrtum handeln, oder? Ich neige als Leser ja immer gerne dazu, dem "Helden" zu glauben. Nur ist Leo sich hier seiner selbst zunehmend unsicher und angesichts des scheinbar Unmöglichen wird sein Verhalten immer abstruser. Andererseits macht es einem sein Misstrauen allen anderen gegenüber aber auch praktisch unmöglich, sich ein eigenes Bild zu machen und so blieb für mich bis fast zum Schluss offen, wer denn nun falsch spielt. Was mir dabei sehr gut gefallen hat, war, dass wieder sämtliche Personen bis hin zum Paketboten einen charakterlichen Feinschliff bekommen haben und mehr "Mensch", als "Buchfigur" sind.

Schwimmzüge... die sich auf das eigene Haus beschränken, können doch gar nicht so viel hergeben? Von wegen! Es ist eine menschliche Urangst: Das Monster unter dem Bett oder hier eben die Tür hinter dem Schlafzimmerschrank. Die heimische Sicherheit wird Leo unter den Füßen weggerissen. Was er dann im Laufe der Geschichte entdeckt, das überschreitet beinahe die Grenzen seines Verstandes und löst beim Leser ein derart subtiles Grauen aus, dass man ganz schnell alle Lichter einschaltet und sich danach immer noch nicht besser fühlt. Herr Fitzek hat mit "Der Nachtwandler" eine geniale Mischung aus "Aktezeichen xy" und
"X-Faktor" geschaffen, aus Verbrechen und dem - scheinbar - Unmöglichen. Dabei wippt die Geschichte mal mehr zur einen, mal zur anderen Seite, hält aber bis zum Schluss die Balance und lässt einen über die Hintergründe im Ungewissen. Ich hatte gar keine andere Wahl, als gierig nach jedem Hinweis und jeder Entdeckung zu schnappen und habe mich meistens genau so ausgeliefert gefühlt, wie Leo. Hier möchte ich aber auf keinen Fall zu viel verraten! Nach 320 atemlosen und im wahrsten Sinne des Wortes grauenhaft spannenden Seiten konnte ich auf alle Fälle nur eines tun: Meinen Hut vor der Auflösung ziehen und jedem, Zimmer mit einer (un-)gesunden Portion Misstrauen begegnen.


Ein spannendes Highlight vom Meister des Psychospiels über das Grauen hinter den den eigenen vier Wänden! Nervenkitzel pur!

Inhalt: ♥♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥♥

11.09.2013