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Donnerstag, 28. August 2014

[BuchBlubb] ► Herrin der Lüge (Kai Meyer)



Glaube. 
Lüge?
Verderben...
♠EN: -
♠Verlag: Bastei Lübbe (2008)
♠Seiten: 848
♠Genre: Historisches
♠Reihe: -

Im Frühjahr 1210 fallen Gerüchte über die Predigerin Magdalena und ihren Kreuzzug der Jungfrauen auf fruchtbaren Boden. Der letzte Bürgerkrieg hat das Land gezeichnet und unter allgemeiner Unzufriedenheit machen sich Frauen allen Alters zu Tausenden auf, um ihr unter Waffen ins Gelobte Land zu folgen. Doch was niemand weiß: Im Gewand der Heiligen steckt in Wahrheit die junge Gauklerin Saga, die beste Lügnerin der Welt. Ihr Talent wurde ihr zum Verhängnis, als die Gräfin Violante von Lerch sie in eine der größten Intrigen verstrickt, die das Christentum je gesehen hat... Verzweifelt versucht ihr Zwillingsbruder Faun, seine Schwester zu befreien und zusammen mit der Herumtreiberin Tessa führt Sagas Spur die beiden quer durch Europa, über das Mittelmeer und schließlich nach Jerusalem. Doch welche Chance haben sie, solange der mächtige Templerorden, Papst Innozenz und der Kaiser höchstpersönlich alles dafür tun, damit Sagas Anhängerinnen ihren Bestimmungsort erreichen? Zu spät erkennt die Gauklerin, in was für eine verschwörerische Hölle sie fünftausend Frauen zu führen droht...



1st: >> Die Nacht war aus Asche, als der Maskierte einen Weg durch das brennende Konstantinopel suchte. <<






Angeschwemmt... wurde das Buch vor so vielen Jahren, dass nicht einmal Bookcook mir das genaue Datum sagen kann. Das waren noch Zeiten, in denen ich es mir SuB-technisch leisten konnte, einfach alles von meinen Lieblingsautoren zu ME-hamstern! Leider ist diese Strategie ist nicht nur ein garantierter Abbau-Killer. Sie hat auch den Nachteil, dass ich Zusätze, wie z.B. hier "Historischer Roman", meistens erst daheim entdeckt habe. Kai Meyer hin oder her, aber erfolgreicher kann man mich bei Büchern nicht abschrecken und so hat es dieses Werk unter die zwölf ältesten(!) meiner SuB-Sumpf-Bewohner geschafft... Psst!! Gut, dass es den Uropa-Bonus bei der "Anti-Age dem SuB 3.0" gibt.

Abgetaucht... bin ich also wieder einmal nicht mit den aller größten Erwartungen, aber wieder einmal hat der Meister Unmögliches geschafft und mich doch tatsächlich mit einer Mittelalterwelt vollends überzeugt! Wie genau er das geschafft hat, das ist mir immer noch nicht ganz klar, aber es hat funktioniert. Kai Meyer schreibt sehr detailgenau, ohne zu überladen; er beschönigt nichts und begeistert trotzdem. Auf mich wirkten sowohl Geschichtliches als auch Setting und Requisiten sehr gut recherchiert und das gibt der ohnehin schon mitreißenden Atmosphäre noch das gewisse authentische Etwas. Der Autor nutzt verschiedene Sichtweisen und Handlungsorte, um ein und dieselbe Geschichte zu erzählen und das wird zwar zunehmend komplex, aber dank genialer Verknüpfungen niemals kompliziert. Kai Meyer hat ein unglaubliches Gespür dafür, wann er die Regie am besten übernehmen sollte und wann die Vorstellungskraft des Lesers Lücken problemlos selbst füllen kann. Außerdem läuft er hier stiltechnisch zu absoluter Höchstform auf und schreibt selbst für seine Verhältnisse über Gebühr mitreißend und lebendig. Reinster Lesegenuss der Kategorie "Ups, Haltestelle verpasst." oder auch großartig, großartiger, "Herrin der Lüge"!

Badegäste... sind so zahlreich wie großartig und eine Rezension reicht sicher nicht aus, um in Worte zu fassen, wie genial und vor allem vielfältig sie alle gestaltet sind. Genauso unmöglich ist es mir, mich für einen Liebling zu entscheiden. Mit am interessantesten ist sicherlich die Gauklerin Saga mit ihrem "Lügengeist". Er macht sie zur besten Schwindlerin der Welt und niemand, der ihr nicht durch und durch misstraut - und das tun die wenigsten - kann ihren Worten widerstehen. Aber was steckt dahinter? Gottes Werk, Teufels Beitrag oder doch nur Sagas eigener Geltungsdrang? Sie ist auf alle Fälle eine spannende Figur, die sich und damit auch ihre anfänglichen Skrupel zunehmend in der Rolle der "Magdalena" verliert. Aber auch alle anderen Protagonisten sind toll ausgearbeitet und selbst in den kleinsten Gesten steckt so viel Persönlichkeit, dass man sie früher oder später (fast) alle ins Herz schließt. Sei es Faun mit dem Herz aus Gold und den (zu) schnellen Fingern oder Tessa mit dem offenen Lächeln und den verschlossenen Absichten. Sei es Gräfin Violante, die für ihre Liebe Tausende zu opfern bereit ist oder Söldner Zinder, der angeblich einfach nur Haus, Hof und Frieden möchte. Besonders gut gefallen hat mir, dass sich so viel mehr hinter den ersten Eindrücken verbirgt: Vergangenheit, Charakter, Motive- wenig ist oder bleibt, wie es scheint. Ich habe mitgefiebert, mitgelitten und mich vielleicht sogar ein bisschen zu sehr mitverliebt und wollte sie alle gar nicht mehr gehen lassen.

Schwimmzüge... kann ich kaum in Worte und unmöglich zusammenfassen. Kai Meyer hat mit "Herrin der Lüge" ein gigantisches Abenteuer geschaffen, das so viel mehr ist, als "nur" historisch. Es geht im Großen um Zeitgeschichte mit ihren kirchlichen und politischen Fehden und Intrigen, während im Kleinen die verschiedensten Geschichten eingewoben sind: Gaukler, Bauern, Piraten, Tempelritter, Kleriker und viele mehr kämpfen um und mit Geld und Macht; Glaube, Liebe und Ehre; Gewissen und Skrupel und immer wieder Lüge und Verrat. Das mag wirr klingen, wurde vom Autor aber unbeschreiblich gut umgesetzt. Jedes noch so kleine Zahnrad greift in ein anderes und von ein paar kleinen Logikfehlern abgesehen habe ich selten eine so komplexe, kreative und gleichzeitig realistisch wirkende Geschichte gelesen. Die Mischung aus epischer Historie, unterhaltsamer Action und mitreißenden Charakteren garniert mit phantastisch angehauchten Elementen und nachdenklich stimmenden Wendungen hat mich gefesselt von der ersten bis zur letzten Seite. Deshalb will ich auch gar nicht verraten, worum genau es denn nun im Detail geht. Ihr werdet es nicht bereuen, das ganz alleine herauszufinden.
 

So viel mehr, als "nur" historisch: Ein gigantisches Leseabenteuer, das in Komplexität, Kreativität und Charakterzeichnung seines gleichen sucht.

Inhalt: ♥♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥♥
28.08.2014


Montag, 9. Mai 2011

[Rezension] ► Donna W. Cross - Die Päpstin



Die PäpstinOriginaltitel: Pope Joan
Erscheinungsjahr: 2010 (Piper)
Preis: 10€ (Taschenbuch)
Seiten: 566
Reihe: -
Erster Satz: "Es war am siebenundzwangzigsten Tag des Wintarmanoth im Jahre unseres Herrn 814, im härtesten Winter seit Menschengedenken."
Klapptext

Johanna, ein junges Mädchen mit überragenden Geistesgaben, wächst im Frankenreich des 9.Jahrhunderts heran. Als Tochter eines strenggläubigen Vaters und einer heidnischen Mutter gelingt es ihr, was allen Mädchen im Mittelalter verwehrt blieb: Sie erhält eine heilkundliche und philosophische Ausbildung. Doch Johanna weiss, dass ihr als Frau die letzten Tore der Weisheit verschlossen bleiben,ja das sie kaum überleben wird.
Als Mönch verkleidet, tritt sie zunächst ins Kloster Fulda ein und macht sich Jahre später auf den Weg nach Rom. Dort gelangt sie als Leibarzt des Papstes innerhalb kurzer Zeit zu grosser Berühmtheit.
Und schliesslich ist sie es selbst, die die Geschicke der katholischen Kirche leitet: Als Papst Johannes Anglicus besteigt sie den päpstlichen Thron.

Rezension

Kermit und die historischen Romane, das ist eigentlich kein vielversprechender Tauchgang. „Die Hexe und die Heilige“ von Ulrike Schweikert hatte mir sehr gut gefallen, aber so ziemlich alles Andere wurde per Expressboot auf die weite Reise geschickt. Aber die Thematik hat mich interessiert und so wurde der Sprung ins kalte Wasser gewagt. Und ich hätte noch viel länger schwimmen mögen .
Selten hat mich eine Figur so in ihren Bann gezogen, wie Johanna! Dieses Buch habe ich nicht einfach nur gelesen, ich bin dem kleinen Mädchen nicht einfach nur auf ihrem ungewöhnlichen Weg gefolgt. Vielmehr habe ich mich mit ihr gefreut und mit ihr gelitten; habe gebangt, gehofft und gelacht und dabei irgendwie gerne immer mal wieder vergessen, dass ich mich eigentlich im 21.ten Jahrhundert befinde.
Von klein auf, steht Johanna zwischen allen Fronten: als Tochter eines christlichen, aber gewalttätigen Priesters und einer von ihm unterdrückten, heidnischen Mutter, wird sie mit ihrem messerscharfen Verstand in eine Welt geboren, die noch nicht bereit für sie ist. So muss sie schon als kleines Mädchen hohe, schmerzhafte Preise dafür bezahlen, dass sie die „gottgegebene“ Frauenrolle weder akzeptieren, noch leben will. Der Spagat zwischen ihrem weiblichen Körper und ihren Gefühlen auf der einen und ihren damals nur in der Männerwelt akzeptieren und honorierten medizinischen und geistigen Fähigkeiten auf der anderen Seite, zieht sich durch ihr ganzes Leben.
Und sie dabei zu begleiten, das war dank des wunderbar flüssigen Schreibstils der Autorin ein einziges Lesevergnügen. Man taucht immer wieder in verschiedene, prägende Abschnitte von Johannas Leben ein. Aber die Autorin beschränkt sich nicht nur auf die Person Johanna. Aus ihrer Sicht, der des Ritters Gerold und des Widersachers Anastasius lernt man (teilweise wirklich erschreckende) Gegebenheiten und Denkweisen dieser Zeit kennen. Und das so eindringlich, dass ich mich nur schwer losreißen konnte.
Und dabei gelingt es der Autorin, ein durchweg stimmiges Werk zu schaffen. Handlung, Entwicklung der Charaktere und schließlich das Ende: es hat einfach alles zusammengepasst. Ich war nach der letzten Seite zwar traurig, mich von Johanna (die für mich eine der faszinierendsten Frauenfiguren ist, von denen ich je gelesen habe) verabschieden zu müssen. Aber ich war auch schlicht glücklich, dass die Autorin es geschafft hat, eine tollen Handlung mit einem passenden Ende abzuschließen.

Fazit

Für mich ist "Die Päpstin" nicht einfach nur ein sehr gutes Buch. Es ist viel mehr einer jener Schätze, über die man immer mal wieder (aber leider viel zu selten) stolpert: ein Buch, das einen überrascht und gefangen nimmt und für das man die Nacht zum Tag machen möchte.

Inhalt: ♥♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥♥
9. Mai 2010