Posts mit dem Label 3Frösche werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label 3Frösche werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 11. Mai 2015

[BuchBlubb] ► AvaNinian: Fünftes Buch (Ina Norman)



Wüste... 
Oase?
Gefängnis!
♠EN: -
♠Verlag: Pomaska-Brand (2015)
♠Seiten: 466
♠Genre: High Fantasy
♠Reihe: AvaNinian #5

Unter Donovan scheint endlich Frieden eingekehrt zu sein in Dea: Adel und Volk vergnügen sich bei Tanz und Spiel, während der Handel wieder zunehmend floriert. Doch Ninian zieht es fort. Sie schließt sich einer Handelskarawane an und Jermyn bleibt nichts anderes übrig, als ihr in den Orient zu folgen. Dabei ahnt er nicht, dass diese Reise und ihre Geheimnisse ihn weiter denn je von seiner Geliebten entfernen könnte... 


1st: >> Der Meister der Rennbahn besaß ein gewisses Geschick darin, jedem Schüler einen geeigneten Lehrer und den passenden Gaul zuzuteilen. <<





Angeschwemmt... wurde das Buch vom Verlag zur Rezension. Ein ganz recht herzliches Dankeschön geht deshalb wieder an Pomaska-Brand! Zusammen mit dem fünften Band der Reihe gab es auch gleich noch eine potentiell tolle Neuigkeit: die als fünfbändig angelegte Saga wird nun doch die Sieben komplett machen und Fans von Ninian und Jermyn dürfen sich auf zwei weitere Abenteuer freuen. Dieses Mal also (noch) kein Abschiedsschmerz.

Abgetaucht... bin ich denn auch gespannt, vorfreudig, neugierig! Abschluss oder nicht, nach dem kleinen Hammer-Finale um Dunesque, Donovan und Jermyn war jetzt alles möglich! In den Orient sollte es gehen- yippieh, yippieh, doppelyeah. Ein Abstecher zu Jermyns Wurzeln war für mich längst überfällig und außerdem liebe ich alles, was mich an "Tausend und eine Nacht" erinnert. Das muss man Ina Norman auch lassen: Sie versteht es, Morgenland vor den Augen ihrer Leser entstehen zu lassen. Ob Wüstensand vor Augen, unter den Zehen oder auf der Zunge, die bildhafte Sprache der Autorin sorgt für feinstes Kopfkino in 4D und als Leser kann man die Karawane mit allen Sinnen erleben. Der Schreibstil ist kurzweilig, die Landschaft wahlweise malerisch-angenehm oder aufregend-tödlich und mehr braucht es eigentlich nicht, oder? Was soll ich sagen... Anfangs geht es einfach nicht voran. Nach der halsbrecherischen Autobahn-Fahrt in "Viertes Buch" habe ich mich auf den ersten 200 Seiten gefühlt, wie mit dem Porsche durch die Spielstraße. Außerdem macht selbst die schönste Reise nur halb so viel Spaß, wenn die Gefährten konsequent am Nörgeln sind.

Badegäste... Ninian und Jermyn fungieren nämlich als perfekter Stimmungskiller, wenn sie - siehe meine Meinung zu Band 1 - über längere Zeit nur mit sich selbst beschäftigt sind. Bei so schwierigen Charakteren ist nicht immer alles eitel Sonnenschein und ich mag diese Reihe auch unter anderem gerade wegen dieser für das Genre erfrischend ehrlichen Beziehung. Zwei, die sich streiten und hassen und anschreien und anschweigen- und eben lieben. Das knistert, das knallt, das macht Spaß! Nur sind es eben immer und immer wieder die gleichen Themen, bei denen sich die beiden in die Haare bekommen. Irgendwann möchte ich einfach nicht mehr lesen, dass Jermyn schon wieder unbegründet eifersüchtig ist und sich deshalb seitenlang wie der letzte Mensch benimmt. Auch Ninian ist aus verschiedenen Gründen nicht die beste Gesellschaft und von den liebenswerten Nebencharakteren daheim in Dea gibt es nur sporadisch Neues. Schade, besonders um Donovan in seiner neuen Rolle als durchgesetzter, aber sich eben immer noch nicht so recht durchsetzender König. Die neuen Reisebekanntschaften sind zwar durchweg interessante Figuren, aber leider auch durchschaubar und ohne den gewieften Witz eines Babitts oder die raue Treue einer LaPrixa. Lange Rede, kurzer Sinn: Ein wenig kehren die Protagonisten hier zu ihren Anfängen zurück und das ist weder schlecht gemacht, noch unbegründet, hat aber meinen Geschmack leider nicht getroffen.

Schwimmzüge... haben mir anfangs vermutlich schlichtweg falsche Hoffnungen gemacht. Ich hätte meinen linken Froschschenkel darauf verwettet, dass wir - wenn schon nicht Tillholde - Jermyns Heimat einen Besuch abstatten und er sich den Schatten seiner Vergangenheit und dem Ursprung seiner enormen Gedankenlenker-Fähigkeiten stellen muss. Stattdessen führen aber doch wieder auf die eine oder andere Weise alle Wege nach Dea. Das Pflaster dahin ist super, keine Frage. Eine Karawane mit Freund und Feind, Vertrauen und Verrat. Eine Reise mit Geistern und Gefahren, Zwist und Zweifel. Eine unbekannte Stadt mit traumhaften Blüten- und tödlichen Stacheln. Ina Norman spielt einige Trümpfe aus und die lesen sich zügig, spannend und unterhaltsam. Aber - leider - immer wieder meint sie es etwas zu gut. Ein Liebes-Fünf-Eck hätte die Geschichte z.B. genau so wenig gebraucht, wie Jermyns Egotrip, während andere Chancen - der aritische Zwerg, die uralte Ruinenstadt, Tillholdes Unglück etc. - ungenutzt vorbeiziehen.  Das ist wirklich schade. Denn so gut gedacht und gemacht der Plot auch war, hatte ich doch immer das Gefühl, dass noch viel mehr hätte erzählt werden können/müssen/wollen. Gut, dass noch zwei Bände folgen! Ich bin guter Dinge, dass es zumindest bei einigen Andeutungen nicht bei Schall und Rauch bleibt, und freue mich auf weitere Abenteuer und das "echte" Finale. Schließlich meckere ich hier auf recht hohem Niveau und ungeachtet aller Kritik liefert auch der fünfte Band wieder ungewöhnliche Fantasy vor historischem Setting, deren Idee ihresgleichen sucht.


Gute Unterhaltung, die aber leider hinter den Erwartungen an einen weiteren Höhepunkt auf dem Weg zum großen Finale zurückbleibt.
Inhalt: ♥♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥♥

11.05.2015

Freitag, 19. September 2014

[BuchBlubb] ► Skylark: Der Eiserne Wald (Meagan Spooner)



Gejagt. 
Flucht?
Angriff?!
♠EN: Skylark
♠Verlag: Fischer (2014)
♠Seiten: 448
♠Genre: Dystopie, Urban-Fantasy
♠Reihe: Skylark #1

Die Bewohner einer hoch entwickelten Stadt werden durch eine Kuppel von der verrufenen Wildnis getrennt, in der Magie jegliches Leben unmöglich gemacht hat. Eine davon ist Lark, die es kaum erwarten kann, mit sechzehn endlich geerntet zu werden und ihren Platz in der Gesellschaft einzunehmen. Doch als sie an ihrem Geburtstag eine böse Überraschung erlebt, fasst sie einen unglaublichen Entschluss: Lark lässt die Mauern hinter sich und flieht in eine Welt, von deren Gefahren sich die Menschen nur hinter vorgehaltener Hand erzählen. Verfolgt von den Stadtschergen und gejagt von den Schattenkreaturen der Wildnis ist Larks einzige Hoffnung der vage Hinweis auf den "Eisernen Wald". Gibt es dort draußen tatsächlich noch andere, wie sie? Doch um das herauszufinden, muss Lark erst einmal lange genug überleben...


1st: >> Der Lärm des Morgendämmerungsgetriebes dröhnte in den kalten Abwasserkanälen am lautesten: Die künstliche Sonne wärmte sich unter enorem Surren und Knirschen ihrer Zahnräder auf. <<





Angeschwemmt... wurde das Buch nach einer Flaschenpost vom Verlag. Ich bin vor einiger Zeit schon über die Originalausgabe gestolpert und musste deshalb nicht lange überlegen, ob ich das Buch rezensieren möchte. Magie und Technik, das klang einfach super! Ein ganz recht herzliches Dankeschön -  auch für das Verständnis dafür, dass ich nicht die Schnellste bin - deshalb an den Fischer-Verlag.

Abgetaucht... bin ich mit ziemlichen Anschwimmschwierigkeiten. Ich bin kein Freund von Infodumping, aber "Skylark" wirft den Leser in eine Welt der Zukunft, von der man nicht das Geringste weiß, und lässt einen dort zunächst ohne jede Erklärung alleine. Gesellschaft, Regeln,
Stand der Technik, ja nicht einmal die zeitliche Einordnung oder Naturgesetzte konnte ich einschätzen. So angenehm und kurzweilig sich Meagan Spooners Schreibstil auch liest, aber Kopfkino wollte sich bei mir anfangs keines einstellen. Die Geschichte ist komplett aus der Sicht von Lark geschrieben und damit hat sich die Autorin keinen Gefallen getan. Denn was Lark schon kennt, das erwähnt sie höchstens ohne zusätzliche Hintergründe oder Beschreibungen und den Rest hinterfragt sie nicht. So braucht es unnötig viel Zeit, bis irgendwann zumindest im Ansatz erkennbar ist, was für ein spannendes Konzept die Autorin hier entworfen hat. Passionierte Kopfkino-Betreiber werden damit vielleicht ihren Spaß haben, aber für mich war das Lesen anfangs einfach nur mühsam. Erst wer es weit genug schafft, der wird belohnt mit einer Zukunft, in der die Magie Freund und Feind gleichzeitig ist: Innerhalb einer die Stadt schützenden Kuppel ist sie dank steampunkig anmutender Technik ein Garant für Grundversorgung und Komfort. Den Preis dafür bezahlen die Jugendlichen in einer jährlichen "Ernte", bevor sie ihren Platz in der Gesellschaft als Erwachsene einnehmen dürfen. So weit, so - noch - unspektakulär. Richtig interessant wurde es für mich erst außerhalb, wo magische Kriege eine extrem lebensfeindliche Natur zurückgelassen haben. Für Geduldige gibt es dort jede Menge zu entdecken!

Badegäste... beschränken sich anfangs auf die Protagonistin Lark und ich habe lange gebraucht, um mit ihr warm zu werden. Bei Dystopien bin ich an entschlossene Powerfrauen gewöhnt und mit denen hat diese Heldin nichts gemein. Jahr für Jahr wartet Lark vergeblich darauf, endlich geerntet zu werden und dieses extreme Bedürfnis nach Zugehörigkeit - Gesellschaft, Familie, Loveinterest - macht sie zu gutgläubig. Überhaupt ist Lark anfangs sehr naiv. Wer würde schon mit Papierschuhen ein Leben in der Wildnis anfangen und dort überrascht feststellen, dass die Natur kein gehegter und gepflegter Gemüsegarten ist? Was mich aber am meisten gestört hat, ist ihre Doppelmoral. Lark verurteilt andere sehr schnell und das nicht nur meist zu Unrecht, sie hat auch keinerlei Probleme damit, aus diesen ach so verwerflichen Taten Nutzen zu ziehen. Kurzum: Ich mochte sie nicht. Es braucht einige Begegnungen, bis sie sich auf ihrem moralischen Thron endlich ein bisschen hinterfragt. Zum Beispiel mit einem Jungen aus der Wildnis, der sich aus irgendeinem Grund ihrem Schutz verschworen hat. Oder mit dem der Stadt abtrünnigen Nix, einer "Kobold" genannten Art Mini-Roboter in Insektenform, der mein persönlicher Held der Geschichte ist! Je mehr Kontakt Lark hat, desto mehr mausert sie sich zu einer Heldin, die in einer Arena zwar vermutlich keinen Blumentopf gewinnen würde, aber das Herz am rechten Fleck hat. Außerdem fand ich es großartig, dass die Protagonistin hier endlich mal nicht die mit dem kämpferischem Naturtalent und/oder den Superkräften ist. Die Nebencharaktere sind ebenfalls gelungen, auch wenn sie größtenteils ganz klassisch à la "Grau braucht keiner" in Gut und Böse eingeteilt wurden. Aber die Trilogie ist noch jung und Larks Entwicklung und einige überraschende Wendungen gegen Ende lassen mich auf die Folgebände hoffen.

Schwimmzüge... bedienen zunächst wirklich eine Menge Klischees. Ein irgendwie andersartiges Mädchen mit verschwundenem Familienmitglied und besonderen Kräften, das munter in die große Verschwörung des bösen Regimes stolpert und sich plötzlich in einer "Alleine gegen den Rest der Welt"-Situation wiederfindet. Dazu eine naive Instantlove, jede Menge Zufälle und mehr Glück, als Verstand. Gähn. Ein guter Einstand geht für mich anders. Aber nach ca. 100 Seiten plätschert die Geschichte endlich nicht mehr nur mit einer passiven Lark vor sich hin, sondern nimmt Fahrt auf: neue interessante Protagonisten, ein Plan, ein Ziel und einige kreative Ideen für "die Wildnis". Mehr hat es gar nicht gebraucht, um mich dann doch noch gefangen zu nehmen. Mit einem Mal geht es vorwärts, es wird emotional und teilweise blutig und hach! Man merkt der Geschichte an, dass es sich um einen ersten Band handelt und "Der Eiserne Wald" ist definitiv mehr Ausbildungs- und Aufklärungsmission, als Kampfeinsatz. Aber ungeachtet des etwas längeren Anlaufs hat mir der Plot mit jeder Seite besser gefallen, weil die Entwicklungen wirklich gut und glaubwürdig gemacht sind und eben doch nicht (ganz) alles so ist, wie es anfangs scheint. Als Titel wäre "Der Weg zum Eisernen Wald" o.Ä. allerdings vielleicht die treffendere Wahl gewesen.



Nach dem ersten holprig-zähen ersten Drittel mausern sich Protagonistin und Geschichte doch noch zu einem Auftakt mit Sogwirkung. 
Inhalt: ♥♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥

19.09.2014

Dienstag, 22. Juli 2014

[BuchBlubb] ► Incarceron (Catherine Fisher)



Gefangen. 
Fliehend.
Frei?
♠EN: Incarceron
♠Verlag: Penhaligon (2013)
♠Seiten: 480
♠Genre: Dystopie
♠Reihe: Finn&Claudia #1

Incarceron ist ein gewaltiges Gefängnis mit vielen Gesichtern. In gigantischen Metallwäldern, verfallenen Städten oder endlosen Weiten hält es seine Insassen fest und fordert für Freundschaft, Vertrauen oder gar die Hoffnung auf Flucht einen hohen Preis. Niemals wird es einen der seinen freigeben, auch nicht den Häftling Finn Sternseher. Er mag in Claudia, der Tochter des Gefängnishüters, als erster seit Langem eine Verbindung nach außen gefunden haben und tatsächlich will sie ihm aus ganz eigenen Gründen zur Flucht verhelfen. Aber Incarcerons Augen sind überall. Immer. Denn in diesem Gefängnis herrschen eigene Gesetze. Dieses Gefängnis lebt...



1st: >> Man hatte Finn zu Boden geworfen und an die steinernen Platten des Transitweges gekettet. <<





Angeschwemmt... werden sollte das Buch eigentlich überhaupt nicht. Aber dann hatte ich erst Pech mit dem BdB-Gewinn von "Sapphique" und zu allem Überfluss wurde mir "Incarceron" auch noch bei Arvelle ungewollt aufgedrängt. Tragisch. Wer Ironie findet, der darf sie gerne behalten.

Abgetaucht... bin ich sehr gespannt und neugierig, weil ich die Idee hinter Catherine Fishers Geschichte so interessant fand. Incarceron ist ein lebendes Gefängnis, gleichzeitig Zelle und Wärter, das für seine Insassen sozusagen Gesetz, Richter und Aufseher - oder eher Vollstrecker - vereint und dabei schon lange keine mildernden Umstände mehr kennt. Denn was als perfekte Welt gedacht war, um sich der Straftäter einer ganzen Gesellschaft ein für alle Mal anzunehmen, das hat über die Jahrzehnte hinweg ein Eigenleben entwickelt und "innen" könnte sich heute nicht stärker vom Paradies unterscheiden. Auch das Konzept für "außen" ist spannend: Die Bewohner eines Königreichs in ferner Zukunft werden vom höfischen Protokoll zu einem Leben nach den Gepflogenheiten viktorianischer Vergangenheit gezwungen. Für sie steht die Zeit still und neue Erfindungen in Kunst, Technologie oder Medizin sind strengstens verboten. Das sind in etwa die Informationen, mit denen man als Leser ins Geschehen geworfen wird und ich mag es eigentlich sehr gerne, mir die Welt und das Prinzip hinter einer Geschichte zu erlesen. Leider wusste ich aber auch 480 Seiten später nur bruchstückhaft mehr, als am Anfang. Frau Fisher schreibt zwar unterhaltsam, aber für ihr komplexes Worldbuilding nicht anschaulich genug. Es ist, als würde man ein Mikroskop benutzen und dabei das Objektiv wahllos verschieben: Hier und dort ein Einblick, doch bei all den dunklen Flecken will sich einfach kein Gesamtbild ergeben. Das fand ich extrem schade, weil man die Grundidee schon mit ein paar zusätzlichen Informationen so viel besser zur Geltung hätte
bringen können.

Badegäste... sind die Gefangenen "Innen" und die Bewohner von "Außen". In Incarceron folgen wir Finn, der die unterschiedlichsten Rufnamen besitzt: Sternseher, Eidbruder, Retter, Verräter. Er träumt von den Sternen und von Apfelkuchen, aber stammt er wirklich von außerhalb? Finn zumindest ist überzeugt davon, und als es in seinem Clan zum Eklat kommt, will er erreichen, was noch niemandem gelang: die Flucht. Er ist aber nicht der klassische Anführer- leider. Mit wenig Plan und unglaubwürdig vielen Skrupeln stolpert er vor sich hin und zieht die Geschichte hinter sich her. Ich konnte diesen selbst ernannten Gutmenschen nicht mit jemandem in Einklang bringen, der bisher nur die erbarmungslosen Regeln des Gefängnisses gekannt haben soll und mir war Finn insgesamt zu blass. Viel interessanter fand ich seine Weggefährten, die ihm aus den unterschiedlichsten Gründen folgen und die auch ein paar schlechte Charaktereigenschaften und sogar Geheimnisse haben durften! Am liebsten war mir aber Claudia. Sie ist dem Thronfolger versprochen und wurde von ihrem Vater von Kindesbeinen an im Umgang mit Degen, Verstand und Zunge gleichermaßen geschult, um eines Tages bei den Ränkespielen am Hof als Siegerin hervorzugehen. Tagein, tagaus trägt sie die Maske der egoistischen Diva und auch darunter ist sie ein kleines Biest. Das mag manchmal ein wenig nerven, ist aber erfrischend authentisch. Claudia steht dazu, in erster Linie an sich und ihre Liebsten zu denken. Dieses Ziel verfolgt sie kompromisslos und ich mochte diese resolute Art sehr gerne. Leider hatte die Autorin aber auch "außen" nicht für alle Tiefgang übrig und hier mussten die Nebencharaktere zurückstecken. Sie erfüllen als "böse Königin", "kaltherziger Vater" oder "weiser Freund" ihren Zweck, mehr aber auch nicht.

Schwimmzüge... waren ebenfalls zweigeteilt und das hat die Autorin geschickt gemacht. Während Finn aus Incarceron fliehen will, beneidet Claudia ihn in ihrem goldenen Käfig um sein vermeintlich perfektes Gefängnis und nur der Leser weiß es für beide besser. Diese stetig wechselnde Setting bietet der Handlung ein tolles Parkett, aber bis zum Tanz dauert es leider eine Weile. Wer nicht völlig auf der Fischsuppe dahergeschwommen kommt, der weiß zwar früh, warum Claudia Finn unbedingt befreien muss. Aber für meinen Geschmack waren es am Anfang trotzdem zu viele aneinandergereihte Szenen, die man nicht so recht einordnen kann. Spannender wird es erst, als Claudia den Schlüssel zum Gefängnis stiehlt und Kontakt zu Finn aufnimmt. Wer jetzt an ein aufgesperrtes Tor oder einen Besucherraum denkt, der wird schnell eines Besseren belehrt. So einfach macht es die Autorin sich und ihren Charakteren nämlich nicht und ich will über das Geheimnis hinter Incarceron auch gar nichts verraten. Aber der Fluchtweg - von den Häftlingen nach einer alten Legende nur "Sapphiques Weg" genannt - ist definitiv spektakulär und bietet allerlei (un)möglicher Überraschungen, an denen vor allem Kopfkino-Freunde jede Menge Spaß haben werden.


Ein ungewöhnliches dystopisches Setting, aber zum uneingeschränkten Genuss der genialen Grundidee fehlt es leider stellenweise an Details und Tiefgang.
Inhalt: ♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥♥
22.07.2014


Mittwoch, 28. Mai 2014

[BuchBlubb] ► Türkisgrüner Winter (Carina Bartsch)



Zweimal.
Zuviel!
Abwarten...
♠EN: -
♠Verlag: rororo (2013)
♠Seiten: 464
♠Genre: Jugendbuch, Romantik
♠Reihe: Elyas&Emely #2 Spoilergefahr für #1
1st: >> Seit einer Woche nichts.<<
Elyas nervt. Immer noch und irgendwie mehr denn je. Der Mann mit den türkisgrünen Augen sieht nicht nur gut aus, er ist für Emelys Selenfrieden auch definitiv zu arrogant. Was bezweckt er mit seinen charmanten Avancen? Meint er es etwa tatsächlich ernst? Nach dem gemeinsamen Campingausflug will Emely das fast schon glauben, als Elyas sich ihr gegenüber plötzlich schroff und abweisend verhält. Zum Teufel mit ihm! Schließlich hat sie noch ihre anonyme Emailbekanntschaft Luca. Doch plötzlich scheint auch der kein Interesse mehr an ihr zu haben und Emely hat keine Ahnung, warum... 




Angeschwemmt... wurde das Buch, um es mit Tia Dalmas Worten auszudrücken, mit einem Hauch von Schicksal. "Kirschroter Sommer" wartete im heimischen SuB schon lange darauf, endlich entsumpft zu werden. Aber ich hatte Badegäste flüstern hören, man solle das Buch ohne den Nachfolger gar nicht erst in die Hand nehmen... Da hört der Zufall auf, da fängt die Bestimmung an! Denn zwischen jeder Menge Teelichter, Grill-Acessoires und was eben sonst noch auf einen Sonderposten-Tisch gehört, ragte er eines schönen Einkaufs-Tages auf: ein ganzer ME-Stapel "Türkisgrüner Winter". Gesehen, gekauft! Das Buch, nicht den Stapel.

Abgetaucht... bin ich, als hätte ich einfach bei "Kirschroter Sommer" weiter gelesen und das lag nicht nur daran, dass ich genau das nach einer - kurzen - Schlafsession auch tatsächlich getan habe. Vielmehr knüpft die Geschichte nahtlos an den Vorgänger an und es geht genauso witzig, gefühlvoll und "Kriegen sie sich denn nun endlich?!!"-kribbelig weiter, wie ich es im ersten Band geliebt habe. Ungefähr das erste Drittel des Buches werfen sich Emely und Elyas gewohnt spritzig-witzige Nettigkeiten an den Kopf und das macht als Leser einfach nur jede Menge Spaß. Dazu diese erwartungsvollen, spannungsgeladenen "Jetzt küsst euch doch! Küüüüsst euch!!!"-Szenen und hach, so sieht der Froschhimmel aus!
Carina Bartsch hat an sich selbst den Anspruch, ihre Leser fühlen zu lassen und genau das tut sie: Man lacht und leidet, schmachtet und fiebert. Der Lesesog lebt mehr von Emelys Gedanken, als von grammatikalischen Kunstsprüngen und das macht die Geschichte auf eine sehr sympathische Art authentisch. Tja, und dann platzte die Wasserbombe...

Badegäste... standen sich ja schon in "Kirschroter Sommer" nur all zu gerne selbst und gegenseitig im Weg. Aber das war so schön zu lesen, einfach weil die Chemie zwischen den beiden gestimmt hat und das knisternde Gezanke genau das war, was ich erwartet und erhofft hatte. Wäre es doch nur ewig so weitergegangen... Nur musste irgendwann eben auch Emely hinter das Geheimnis um Luca kommen und das wirkt sich nicht unbedingt positiv auf ihren Gemütszustand aus. Wer wäre an Emelys Stelle auch nicht wütend und verletzt? Aber bei allem Verständnis, gerade sie war die letzten 750 Seiten alles Andere, als ein Paradebeispiel für zwischenmenschliche Moral und Ehrlichkeit. Wie sie sich jetzt darauf stürzt, die Betrogene zu sein und wirklich alles abblockt, das hat mich irgendwann nur noch genervt. Obwohl sich also die eigentliche Situation gar nicht so sehr von "Kirschroter Sommer" unterschieden hat - wütende Emely, bööoser Elyas - hat sich der Effekt auf mich ganz krass ins Gegenteil umgekehrt. Denn anstatt ihr Parolie zu bieten, akzeptiert Elyas die Rolle des verdammenswerten Betrügers und das war für mich, als hätte man die im ersten Teil noch so herrlich prickelnde Mischung großzügigst mit Löschschaum eingesprüht. Als Leser hat man jetzt die Wahl zwischen "Ich bin verletzt und WILL MICH AUFREGEN"-Emely und "Ich sollte dieses und die nächsten zehn Leben in einer Eisernen Jungfrau büßen"-Elyas. Halleluja. Von den Nebencharakteren will ich gar nicht erst anfangen. Deren einzige Aufgabe war es, mehr oder eher minder sinnvolle Ratschläge abzugeben und für noch mehr Drama zu sorgen.

Schwimmzüge... konnten zugegeben wenig dafür, dass mir die Charaktere einen Strich durch die Leserechnung gemacht haben. Es geht ganz im Stil von "Kirschroter Sommer" weiter und die Autorin mixt wieder die typischen Irrungen und Wirrungen einer Teenie-Romanze mit kleineren und größeren Schicksalsschlägen zu Emelys buntem, aber eben doch irgendwie katastrophengeprägtem Leben zusammen. Nur ist  "Emelys Leben" eben nicht unbedingt Wahlthema Nummer eins, wenn man Emely am liebsten im nächstbesten Brunnenschacht versenken möchte... Da konnte sich der Plot noch so viel Mühe damit geben, mir genau das zu servieren, was ich bestellt hatte. Elyas und Emely waren für mich im ersten Band das Salz in der Suppe und die Cocktailkirsche auf dem Eisbecher gewesen und ich bin selbst überrascht, wie schlichtweg geschmacksneutral die Handlung für mich ohne diese Dynamik zwischen den beiden geworden ist. Vermutlich war "Türkisgrüner Winter" mir einfach zu viel Jugendbuch und zu wenig romantische Komödie für (junge) Erwachsene. Außerdem durfte wieder einmal ausgerechnet mein heiß geliebter Meister Zufall dafür sorgen, dass Missverständnisse bloß nicht frühzeitig geklärt werden - es wollten schließlich 400 Seiten gefüllt werden - sonst hätte man sich den Großteil der Fortsetzung eigentlich sparen können.



Die ersten 150 Seiten an "Kirschroter Sommer" angehängt, ein passendes Ende dazu und voilà, der perfekte Einzelband. Manchmal ist mehr eben weniger.
Inhalt: ♥♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥♥
28.05.2014


Donnerstag, 19. Dezember 2013

[BuchBlubb] ► Searching for Someday [EN] (Jennifer Probst)



Schlag!
Liebe?
Abwarten...
♠Dt.: -
♠Verlag: Pocket Books (2013)
♠Seiten: 384
♠Genre: Romantik
♠Reihe: Searching For #1 |

1st: >> It was official. <<
Im nahe New York gelegenen charmanten Verily fahren Kate Seymour und ihre beiden besten Freundinnen mit der Partneragentur Kinnections auf der Erfolgsspur. Neben Talent und Ehrgeiz haben sie im wahrsten Sinne des Wortes ein Händchen für die wahre Liebe. Denn Kate kann durch bloße Berührung spüren, ob Amors Pfeile auf die Richtigen zielen. Dass sie selbst ausgerechnet bei einer Begegnung mit dem aufbrausenden - aber zugegen verdammt heißen - Slade Montgomery wie elektrisiert ist, dabei kann es sich nur um einen Fehler handeln! Denn der Scheidungsanwalt ist in Sorge um seine zerbrechliche Schwester und fest dazu entschlossen, Kinnection als Betrug zu entlarven. Er fordert Kate heraus: Sie soll ruhig versuchen, ihm eine Traumfrau zu finden. Große Worte für jemanden, den schon bei der ersten Berührung mit der hübschen Frau wortwörtlich der Schlag trifft...




Angeschwemmt... wurde das Buch via Netgalley. Überrascht das jemanden, der den Klapptext gelesen hat? "Anwalt" und  "zynisch" in Kombination oder "Matchmaker's Match"-Wortspielchen lassen mein Herz frühestens seit Polly Paul Levine und spätestens seit Julie James ganz automatisch ein paar Tage schneller schlagen und ich konnte unmöglich widerstehen. Von meinem ersten Buch der Autorin hatte ich mir eine romatnisch-witzig-kreative Liebesgeschichte versprochen.

Abgetaucht... bin ich anfangs auch in genau solche Gewässer. Das Setting erfindet das Rad vermutlich nicht neu (Stichwort Nora Roberts), war für mich aber unverbraucht und wirklich gut umgesetzt. "Kinnection" als Kombination aus Partnervermittlung, Aerobic-Camp und Selbstverwirklichungs-Oase ist so vielfältig wie seine drei Chefinnen und vermittelt eine sympathische Atmosphäre, die mich immer zu an die hippe Design-Abteilung aus "Sweet Home Alabama hat denken lassen. Jennifer Probst gelingt es zunächst richtig gut, der feminin-unnachgiebigen Bastion "Ewige Liebe" den nüchternen Anwaltshumor mit Fachgebiet "Bis das der Hammer euren Krieg beendet" entgegenzustellen. Aber Moment- Anwalt? War da nicht etwas? Ja, schuldig im Sinne der Anklage. Ich musste den Vergleich mit meiner Königin über Witz und Herzklopfen anstellen und dem kann Jennifer Probst leider nicht standhalten. Ihr Stil ist okay, ja. Mehr als "ganz nett" aber eben auch nicht und das Pulver mit Ziel Lachmuskulatur ist so schnell verschossen, wie die Wortvielfalt abnimmt. Muss bei schlüpfrigen Szenen denn wirklich alles wieder - und wieder und wieder - nach Honig schmecken? Herzklopfen Fehlanzeige! Das ist natürlich völlig subjektiv, für mich aber ein absolutes No-Go.


Badegäste... sind in diesem ersten von vermutlich drei Bänden in erster Linie Kate mit dem magischen "Ihr gehört zusammen"-Fingerschnipps auf der einen und "Liebe ist eine naive Umschreibung für chemische Vorgänge, aber tu meiner Schwester weh und ich brech dir jeden Knochen einzeln und mehrmals."-Anwalt Slade. Die beiden könnten - Überraschung - unterschiedlicher nicht sein und - Überraschung - sind natürlich genau das, was der jeweils andere aus tiefster Überzeugung nicht will. Und setzt euch bitte: Umwerfendes Aussehen, persönliche Probleme und schwierige Vergangenheit gibt es gratis. Dafür ist Kate aber auch ein wirklich sympathischer Charakter. Dank einiges magischen Familienerbes scheint sie dazu verdammt zu sein, ihre Dates wahlweise mit Kellnerinnen oder gerne auch mal dem Barkeeper zu verkuppeln, während sie selbst ihr Bett nur mit ihrem Hund teilt. Ich habe es ihr hoch angerechnet, dass sich das Selbstmitleid in Grenzen hält und sie stets nett, freundlich und hilfsbereit ist. Auch Slade mochte ich gerne mit seinem nüchternen Humor, dem ausgeprägten Beschützerinstinkt und seiner Neigung dazu, sich auch gerne mal unter völlig falschen Annahmen mit voller Fahrt voraus ins Chaos zu werfen. Hätte Jennifer Probst den beiden im Lauf der Geschichte ein paar Kanten mehr verliehen, dann wäre das vermutlich richtig gut geworden. Aber hier ist (und bleibt) jeder nett, netter, am langweiligsten Nettesten. Mir war das zu viel "Mutter Theresa"-Gen auf 300 Seiten.

Schwimmzüge... hätten laut Klapptext eigentlich ein Selbstläufer werden müssen- wären da nicht die Charaktere gewesen, die mich einfach nicht angesprochen haben. Mangels knisternd-romantischer Funken hatte ich nämlich mehr Zeit, um auf die Story zu achten, als es so einem Buch gut tun würde. Wer also die Protagonisten ins Herz schließt, dem wird vermutlich überhaupt nicht auffallen, dass die Geschichte nichts beinhaltet, was man nicht irgendwie schon einmal gelesen hat. Die tragische Geschichte ums Haustier, ein "Du musst meine Freundin spielen" oder die Hasch-liebende Mutter mit Hauptfach Sextherapie- neu ist anders. Das Liebesschiffchen plätschert denn dann auch von einem (Miss-)Verständnis zum nächsten, bis es schließlich in den Hafen dümpelt. Der ist dem Leser zugeben bei Büchern dieses Genres meistens von Anfang an bekannt, aber eine Überfahrt mit starkem Seegang habe ich hier vergeblich gesucht. Mit zwei Worten: Ganz nett. Aber kreativ ist anders und wer Julie James gelesen hat, der sollte bei ihr bleiben und wer nicht, der sollte mit Büchern wie "Practice makes Perfect" anfangen und sich dieses Werk hier für einen sehr müden Abend aufsparen.


Charaktere aus dem "Back dir deinen Traummensch"-Kästchen und die "typischen" Szenen für Bücher dieses Genres sorgen für nette Unterhaltung, von der aber nur wenig hängen bleibt. Bei mir ging kein Herzklopfen ins Netz.
Inhalt: ♥♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥♥
19.12.2013


Montag, 25. November 2013

[BuchBlubb] ► Die dunkle Königin (George R.R. Martin)



Freund..?
Feind!
Verstand?
♠Original: A Feast For Crows 2/2
♠Verlag: Blanvalet (2012)
♠Seiten: 608
♠Genre: High-Fantasy
♠Reihe: Das Lied von Eis und Feuer #8 | Spoilergefahr: #1-#7

1st: >> Als die aufgehende Sonne durch die Fenster hereinschien, setzte sich Alayne im Bett auf und räkelte sich. <<
Der endgültige Sieg der Lennisters ist in greifbare Nähe gerückt und Westeros scheint ganz allmählich zur Ruhe zu kommen. Doch die Königin Regentin Cersei, nach dem Tod ihres Erstgeborenen in panischer Angst um den Kindskönig Tommen, traut dem Frieden nicht. Überall sieht sie Feinde- allen voran Tommens Braut Margery Tyrell und ihre Familie. Sie muss ihre Regentschaft verhindern, koste es, was es wolle! Doch während Cersei ihre Intrigen spinnt, verliert sie zunehmend die Fähigkeit, zwischen Freund und Feind zu unterscheiden. So kommt es, dass sich plötzlich all ihre Ränke gegen sie selbst zu richten drohen und das ausgerechnet, als im Süden die Eisenmänner überraschend zu einem vernichtenden Schlag gegen das Königreich ausholen...



Angeschwemmt... wurde das Buch als klarer "Muss ich unbedingt haben"-Wunschbrunnen-Überschwimmer.  Ich meine, George R.R. Martin! Wer kann hier schon die ersten sieben Bände lesen und dann nicht auf den Geburtstags-Wunschzettel wieder und wieder (und wieder und wieder) "Die dunkle Königin" schreiben?! Und mein Freund wusste es besser, als dass er mir stattdessen Schmuck oder ähnlich im Vergleich Uninteressantes geschenkt hätte.

Abgetaucht... bin ich wie immer mit Anlauf und Erfolg. Eigentlich würde ich deshalb auch gar nicht mehr viel zum Stil des Autors schreiben. Denn nach sieben diesbezüglich absolut begeisterten Rezensionen meinerseits dürfte sich auch der Letzte gemerkt haben, dass der Autor schreiben kann. Und das richtig, richtig gut! Warum ich es dennoch tue? Weil der Stil dieses Mal für mich - leider - das Highlight des Buches war. Habt ihr Herr der Ringe gesehen? Hattet ihr dabei dieses gewisse Gänsehautkribbeln, ja? Dann wisst ihr, was George R.R. Martin allein mit Buchstaben erzeugen kann. Ein Wort: E-P-I-S-C-H. Dahin gehend steht der achte Band seinen Vorgängern in nichts nach und auch in "Die dunkle Königin" war das Lesen ein einziger Genuss und eine geniale Kombination aus fesselnder Erzählung, bildhaften Beschreibungen und genialen Dialogen mit Witz, doppeltem Boden und jeder Menge Falltüren. Dieser Autor hat es zur Perfektion gebracht, seinen Leser in ein Netz aus Andeutungen, Möglichkeiten und Hoffnungen zu spinnen, aus dem es kein Entrinnen mehr gibt. Um nichts in der Welt solltet man das als Fan von High-Fantasy verpasst habe!


Badegäste... werden allerdings nicht nur mich ins kalte Wasser geworfen haben. Denn auch einem Meister Martin scheinen gefühlte 100 Charaktere zu viel für ein Buch gewesen zu sein und er vertröstete mich für alle(!!) meine Lieblinge auf Band neun und zehn. Meine mangelnde Begeisterung für die Entwicklungen hier dürft ihr mir also nicht übel nehmen. Einige der Hauptcharaktere interessieren mich einfach nicht so sehr, andere hatten zu wenig Spielraum und spannende Figuren wie Samwell oder Cersei widerum machen Entwicklungen durch, die mir nicht gefallen haben. Es passte einfach vieles nicht zu dem Bild, das ich mir gemacht hatte und das nicht nur, weil der Autor wie gewohnt mit einigen Überraschungen aufwartet. Ich kann das nicht richtig in Worte fassen, aber hier wurden Prinzipien und Grundeinstellungen auf eine Art über Bord geworfen, die für mich nicht stimmig war. Zugegeben, das ist Kritik auf extrem hohem Niveau, denn die Charaktere sind nach wie vor vielschichtig, tiefgründig und alles Andere, als schwarz und weiß. Aber so lieb, wie ich sie inzwischen alle gewonnen habe, will ich eben das Beste für sie. Ich wurde dabei das Gefühl nicht los, dass hier für einen George R.R. Martin noch mehr möglich gewesen wäre, wenn er sich nicht zwischen so vielen Figuren ein bisschen verloren hätte.

Schwimmzüge... haben das nur noch verstärkt. Denn selbst die Hälfte der Charaktere ist immer noch eine Unmenge, wenn man nahezu jedem davon eine große Rolle und einen eigenständigen Handlungsstrang zugedacht hat. Letztere driften immer weiter auseinander und das ist mein großer Kritikpunkt an "Die dunkle Königin". Für meinen Geschmack gelingt dem Autor nicht mehr, all diese Fäden zu einer Geschichte zu verweben. Es gibt so viele Andeutungen, von denen ich wusste, dass sie noch bedeutsam sein würden, dass sie irgendwie zusammenhängen. Aber wenn man erst nach 300 Seiten zu einer Person zurückkehrt, dann fällt es schwer, das große Ganze zu erahnen. Außerdem werde ich langsam aber sicher das Gefühl nicht mehr los, dass der Autor manche Charaktere lieber sterben lässt, als ihre Geschichte zu Ende zu erzählen. Ein paar Tote, weil passend zur Handlung, okay. Aber hier passiert eigentlich nichts und für den dümpelnden Plot hat der Sensenmann zu oft geklingelt. So, genug gemeckert. Denn natürlich gab es auch im achten Band vieles, was mir gefallen hat. Es macht imer noch jede Menge Spaß, die Charaktere zu begleiten und ich würde inzwischen wohl fast alles schlucken, nur um zu erfahren, wie es weitergeht. Aber Begeisterung ist anders und ich hoffe sehr, dass der Autor wieder zu alter Form zurückfinden wird.


Eine gefühlte Überbrückung - nicht mehr und nicht weniger - bei der ich meine Lieblinge schmerzlich vermisst habe. Genial geschrieben, aber es fehlte an Tiefgang und an Tyrion.

Inhalt: ♥♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥♥

25.11.2013


Freitag, 16. August 2013

[BuchBlubb] ► Tödliche Wahrheit (Veronica Roth)



Wissen. 
Macht.
Preis...
♠Original: Insurgent
♠Verlag: cbt (2012)
♠Seiten: 512
♠Genre: Dystopie
♠Reihe: Die Bestimmung #2 | Spoilergefahr: #1

1st: >> Als ich aufwache, liegt mir sein Name auf der Zunge. <<
Mit Blut und Tränen hat der Aufstand begonnen, doch diese Opfer waren nur der Anfang. Drei Tage ist es her, seit das Massaker der durch die Ken gesteuerten Ferox ihre Eltern das Leben gekostet hat. Drei Tage, seit sie selbst Will getötet hat. Drei Tage, seit Tris dieses dunkle  Geheimnis verschweigt... Zusammen mit Four und anderen Überlebenden hat sie sich zu den Amite geflüchtet, doch auch dort sind sie nicht sicher. Tris muss sich entscheiden: Zwischen denen, die sie liebt und denen, die ihr helfen können. Zwischen Rache an den Mördern ihrer Eltern und der Suche nach der Wahrheit, für die sie gestorben sind...



Angeschwemmt... wurde das Buch an Weihnachten. Da war "Die Bestimmung" zwar noch nicht gelesen, aber der Hype hatte auch mich infiziert und die kleine Schwester durfte gleich provisorisch mit auf die Wunschliste hüpfen. Gute Entscheidung, denn der Auftakt hat mir sehr gut gefallen und ich war gespannt auf die Fortsetzung.

Abgetaucht... bin ich zeitnah nach "Die Bestimmung" und hatte so auch ohne nennenswerte Wiederholungen der Autorin keine Anschlussprobleme. Denn Veronica Roth hält sich hier nicht lange mit Bestandsaufnahmen auf, sondern wirft Tris und den Leser direkt wieder ins Geschehen. "Keine Pause", das scheint sie sich auf die Fahnen geschrieben zu haben und entsprechend hoch, schnell und oft auch explosiv geht es her. Das hat mir einerseits gut gefallen, weil die Autorin wirklich eine glückliche Feder für Actionszenen hat. Wenn man nicht gerade die Luft anhält oder Tris die Daumen drückt, dann erfährt man Geheimnisse oder grübelt über offenen Fragen und entsprechend kurzweilig liest sich die Geschichte. Teilweise konnte ich aber nicht ganz mithalten mit diesem hohen Tempo und bei all den Szenenwechseln, sowie Tris teilweise recht sprunghaften Entscheidungen ging mir auch immer mal wieder der Überblick abhanden. Mir haben in diesem Band einfach Momente gefehlt, bei denen man kurz Luft holen konnte. Szenen im Stil von z.B. dem Riesenrad im Vorgänger, bei denen man die dichte Atmosphäre zwischen Tris und Four praktisch mit dem Messer hätte schneiden können, mussten hier leider dem hohen Spannungsniveau Platz machen.


Badegäste... setzen sich aus den Überlebenden sowie einigen überraschenden Neuzugängen zusammen und ich fand die Charaktere einzeln betrachtet auch größtenteils wirklich gelungen. Da ist natürlich zunächst Tris, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird und die zu viele Kugeln verkraften muss: feindliche in den toten Körpern der Mitglieder ihrer alten Fraktion- und ihre eigenen in Wills. Davon darf nie jemand erfahren! Sie will Rache, sie will Vergebung- aber sie will auch einfach nur vergessen. Dieser Zwiespalt war absolut greifbar und ich konnte lange Zeit gut mit ihr fühlen. Auch an den anderen Charakteren ist das Massaker nicht spurlos vorbeigegangen und jeder scheint dabei seine eigenen Pläne zu schmieden. Wem trauen und wem nicht? Das ist die große Frage und - Pluspunkt - darauf gibt es lange keine zuverlässigen Antworten. Aber es kommt der Moment, an dem Geheimnisse offenbart werden müssen und von da an konnte mich der Umgang untereinander leider überhaupt nicht mehr überzeugen. Mein größtes Problem war, dass für mich keinerlei Beziehungen mehr wirklich spürbar waren und teilweise war es mir dann fast schon egal, wenn etwas Tragisches passiert ist. Um nur ein Beispiel zu nennen: Wenn Dauerzicke Tobias sich nicht für "Versprechen sind zum Brechen"-Tris interessierte, warum sollte ich das dann tun?

Schwimmzüge... hatten im ersten Drittel des Buches ganz hohes Highlight-Potential. Hier hat einfach alles gepasst und die Geschichte beginnt für mich rundum gelungen. Alte und neue Geheimnisse, Verarbeitung der traumatischen Erlebnisse und natürlich die stete Bedrohung durch die Ken und ihre Ferox-Armee bieten Frau Roth jede Menge Handlungsspielraum und diesen regelrechten Spielplatz an Möglichkeiten weiß sie mit hohem Unterhaltungsfaktor zu nutzen. Während die Unbestimmten zum großen Gegenschlag ausholen, steht Tris mit ihrer Suche nach der Wahrheit beinahe alleine da und an beiden Fronten passiert wahnsinnig viel. Rein inhaltlich hat sich Frau Roth hier wirklich einiges einfallen lassen! Ich hätte mir nur teilweise gewünscht, dass sie sich für die Umsetzung etwas mehr Zeit genommen hätte. Es ging alles so schnell, dass mir z.B. einige Entscheidungen von Tris völlig unverständlich blieben und ich nur noch zugeschaut habe, anstatt mitzuerleben. So kam es für mich  leider nach dem tollen Start zum gefürchteten "Stöpsel"-Moment und mit einem Mal hatte mich das Buch nicht mehr, ohne dass ich den Grund dafür so Recht in Worte fassen könnte.


Es geht spannend weiter und "Tödliche Wahrheit" ist definitiv kein Durstrecken-Nachfolger. Zwischenmenschliches bleibt aber etwas auf der Strecke und das Buch konnte für mich nicht halten, was der geniale Start versprochen hat.

Inhalt: ♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥♥

16.08.2013


Samstag, 13. Juli 2013

[BuchBlubb] ► Mr. Monster (Dan Wells)



Gut. 
Böse.
Entscheidung...
♠Original: Mr. Monster
♠Verlag: Piper (2010)
♠Seiten: 400
♠Genre: Thriller
♠Reihe: John Cleaver #2

1st: >> Ich habe einen Dämon getötet. <<
John Cleaver hat getötet, aber er ist kein Serienkiller- noch nicht. Vielmehr hat er den Kampf gegen einen dämonischen Killer gewonnen und langsam geht man in Clayton County wieder zum Alltag über. Was die Bewohner der Kleinstadt nicht wissen: Es herrscht die Ruhe vor dem Sturm, denn die Mordserie des Dämons hat nicht nur das FBI auf den Plan gerufen... All zu bald schon ist das Leichenschauhaus von Johns Mutter wieder gut gefüllt und er allein scheint einem furchterregenden Muster auf die Spur zu kommen. Doch dieser Gegner spielt in einer anderen Liga und John, vom Jäger längst zum Gejagten geworden, bringt nicht nur sein eigenes Leben in höchste Gefahr, sondern zieht auch Brooke in die Schusslinie... Kann er ohne sein dunkles Alter Ego "Mr. Monster" bestehen? Und will er das überhaupt?



Angeschwemmt... wurde der zweite Teil um John Cleaver (wie so viele andere) beim ME-Flohmarkt. Der Erste war ein Geschenk gewesen und fühlte sich so einsam im Regal, deshalb durfte der kleine Bruder auch noch einziehen. Überzeugt hatte mich "Ich bin kein Serienkiller" ja nicht, man kann schließlich nie genug komplette Reihen haben!

Abgetaucht... aufgetaucht, abgetaucht, aufgetaucht... Herr Wells, Herr Wells. Sie und ich, das wird wohl immer ein Wechselbad der Gefühle bleiben. Auf der einen Seite hat mir der Schreibstil des Autors wirklich gut gefallen. Er wählt wieder die Sicht von John Cleaver und der ist einfach ein interessanter Charakter. John erzählt auf seine ganz eigene Art: Kühl, analytisch, distanziert und dann wieder in für den Otto-Normal-Frosch beängstigend unpassenden Szenen nahezu besessen leidenschaftlich. Das wirkte weniger unglaubwürdig, als ich es bei einem 16-Jährigen erwartet hätte und es hat wirklich Spaß gemacht, nicht nur die Außenwelt, sondern auch Johns Psyche beobachten zu können. Andererseits war es aber oft auch anstrengend, als "Soziopath" auf der menschlichen Ebene von allen anderen über den größten Zeitraum hinweg komplett abgeschnitten zu sein. Auf alle Fälle lassen sich die kurzen Kapitel sehr flüssig lesen und sorgen für kurzweilige Unterhaltung.


Badegäste... sind dem Leser größtenteils schon aus dem ersten Band bekannt: Johns Familie und ihre Bekannten, seine Schulfreundin Brooke und der ein oder andere Kleinstadtbewohner. Neu dabei in einer Hauptrolle ist nur der FBI-Profiler Forman, der die alte Mordserie untersucht und bald schon neues Material bekommt. Die Charaktere haben dabei insgesamt nicht viel Neues zu bieten und bleiben ihren Rollen treu. Umso interessanter fand ich aber Johns Entwicklung. Denn mit dem Sieg im ersten Band ist scheinbar nicht nur ein Dämon gestorben, sondern ein Zweiter erwacht: "Mr. Monster" nennt John ihn und mit dem Anzünden verlassener Häuser hält er ihn zumindest anfangs in Schach. Aber je näher er seiner Freundin Brooke kommt, je dringender er den neuen Mörder zur Strecke bringen will und je mehr die Situation in seiner Familie zu eskalieren droht, desto mehr seiner Regeln muss John brechen- und desto stärker wird sein innerer Dämon. Während er aber mit seiner dunklen Seite zu kämpfen hat, wird er in Clayton County zunehmend anerkannt und nur der Leser kann ahnen, auf welches Drama manche damit zusteuern. Ich fand es wirklich gut gemacht, wie John sich tagsüber mit seiner neuen Rolle anfreundet und nachts fieberhaft versucht, "Mr. Monster" unter Kontrolle zu bekommen.

Schwimmzüge... haben das Leseboot dann aber leider auch dieses Mal wieder beinahe zum Kentern gebracht. So interessant ich John und seinen Umgang gerade z.B. mit seiner Familie, seinen Klassenkameraden oder seiner Schulfreundin und auch seine inneren Kämpfe fand, so platt war für mich die eigentliche Thriller-Handlung. Auf den ersten Blick wiederholt sich schlichtweg die Geschichte aus "Ich bin kein Serienkiller" und auch hier ist John natürlich wieder derjenige, der nahezu alle Leichen findet und natürlich ist John wieder derjenige, dem alle möglichen Details auffallen. Ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel verraten, aber auch wenn im weiteren Handlungsverlauf noch einige Erklärungen geliefert werden, war mir das alles zu aufgesetzt und zu gewollt. Natürlich ist John die Hauptperson, aber ich hatte das Gefühl, dass jedes Puzzleteil nur auf ihn zugeschnitten war und das hat mich wirklich gestört. Auch das große Finale konnte mich nicht überzeugen, im Gegenteil. Es wird zwar endlich grausam, es wird blutig und dramatisch, aber mich würde die Meinung eines Mediziners zu einigen Details wirklich interessieren. Zumindest aus physikalischer Sicht wurde wieder einmal eine gute Portion Logik den Knalleffekten geopfert und das liebe ich ja ganz besonders... Ich muss allerdings zugeben, dass der Autor es mit den letzten Seiten dann doch noch geschafft hat, mich neugierig auf den Abschluss der Trilogie zu machen und ich erhoffe mir von "Ich will dich nicht töten" wirklich einiges!


Nicht schlechter als der Vorgänger, aber auch nicht viel besser: Punktet mit dem Charakter John und dessen (Nicht-)Sozialverhalten, hat aber als Thriller in Sachen Spannung und Überraschungseffekten nur wenig zu bieten.

Inhalt: ♥♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥

13.07.2013


Donnerstag, 27. Juni 2013

[BuchBlubb] ► Mein zukünftiger Ex (Jill Mansell)



Liebe. 
Lüge.
List.
♠Original: An Offer You Can´t Refuse
♠Verlag: Knaur (2011)
♠Seiten: 406
♠Genre: Humor, Romantik
♠Reihe: -

1st: >> Es gibt durchaus Orte, an denen man damit rechnet, der hyper-eleganten Mutter seines Freundes zu begegnen. <<
Lola liebt Doug, und Doug liebt Lola. Klarer Fall für die Ewigkeit sollte man meinen. Doch dann bietet Dougs Mutter der Siebzehnjährigen zehntausend Pfund dafür,  möglichst wirkungsvoll und - noch wichtiger - möglichst dauerhaft aus seinem Leben zu verschwinden. So eine Unverschämtheit, niemals würde Lola sich darauf einlassen! Wenn da nicht dieses Geheimnis wäre, dass ihre Familie für immer zerstören könnte... Jahre später treffen die beiden zufällig erneut aufeinander und Lola ist sofort wieder Feuer und Flamme. Doug hingegen macht mit dem Charme eines Eisbergs deutlich, was er von ihr hält. Aber Lola muss ihn zurückgewinnen, um jeden Preis. Nur wie? Wo er doch niemals erfahren darf, dass sie damals sein Herz für Geld gebrochen hat und von seinem Lola-freien Leben samt neuer Freundin ganz zu schweigen...



Angeschwemmt... wurde das Buch letztes Jahr bei Taschenbuchtagen einer gewissen Kette: Jedes Schätzchen 2€ und ein Mansell, den ich noch nicht hatte- wie hätte ich da Nein sagen sollen oder wollen? Außerdem liebe ich die Cover der deutschen Bücher.

Abgetaucht... bin ich mit ordentlich Schwung in den Froschschenkeln! Denn einer der Gründe, aus denen ich Jill Mansell bisher immer anderen Autorinnen des Genres vorgezogen habe, ist ihr Schreibstil. Ihr müsst euch das vorstellen: Eine voll besetzte S-Bahn und ich lache im gefühlten Minutentakt laute Tränen, so witzig und genial fand ich z.B. "Sternschnupperkurs". Genau dieser Effekt aber hat mir hier leider gefehlt. "Mein zukünftiger Ex" ist sicher lustige, kurzweilige und spritzige Lektüre und dabei besser als mancher seiner Konkurrenten. Aber es ist eben nicht ganz so lustig, kurzweilig und spritzig, wie ich es von der Autorin gewöhnt bin. Gut, es kann nicht immer der Edelschokoladen-Schreibstil sein und das Buch ließt sich trotzdem locker weg. Aber ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass die Autorin selbst nicht ganz so viel Spaß an der Geschichte hatte, wie bei anderen ihrer Bücher und das hat man - finde ich - der Atmosphäre doch ein wenig angemerkt.


Badegäste... waren sicher nicht ganz unschuldig daran, dass ich dieses Buch nicht so recht genießen konnte, im Gegenteil. Ich kenne und liebe die wirren, verrückten und oft übertriebenen "Jeder kennt und/oder liebt jeden um fünf oder mehr Ecken"-Familienbanden inklusive Star-Auftritten und Katastrophen-Freunde. Ich kenne und liebe diese schrulligen Charaktere, die Situationskomik, dem Umgang der Personen miteinander! Aber hier? Keine Chance: Die Protagonistin Lola ist - vorsichtig ausgedrückt - eigen und als Anti-Klischee in Form der Leseratte im Horizontalgewerbe-Dress alles andere als gelungen. Oberflächlich und - sorry - strohdoof ist es mir ein absolutes Rätsel, wem Frau Mansell sie als erfolgreiche Filialleiterin einer Buchkette verkaufen wollte. Auch die Nebencharaktere sind zwar laut, bleiben aber überraschend farblos. Es hat einfach jener Charme gefehlt, mit dem die Autorin aus verschroben und verrückt eigentlich etwas Sympathisches macht.

Schwimmzüge... schließlich konnten dann auch nicht mehr retten, was Lola schon ruiniert hatte. Jill Mansell ist nichts für Realisten, die sich seitenlang fragen wollen, ob denn nun alles gut ausgeht oder nicht. So überraschend es auch oft ausfällt, es gibt ein Happy End in diesen Geschichten. Das zu wissen ist nichts Schlechtes, weil der Weg dorthin eigentlich so toll ist. Aber dieses Mal basiert die ganze Geschichte leider auf einer Idee, mit der ich mich überhaupt nicht anfreunden konnte. Mutter Teresa würde man es vielleicht abkaufen, dass sie gegenüber Doug so verbissen an ihrer Lüge von damals festhält. Aber Lola, für die grundsätzlich "Lola" an erster Stelle steht? Beim besten Willen nicht. Auch verbringt Lola viel Zeit damit, Doug und dem Leser mit diversen Stalking-Attacken auf die Nerven zu gehen. Die großen Lacher bleiben dabei aber genauso aus, wie kribbelnde Momente. Klar gab es witzige Szenen mit den beiden, aber von Herzen gelacht und gefiebert habe ich eigentlich nur bei Lolas Freunden. Deren Geschichten und auch die anderer Familienmitglieder haben nämlich richtig Spaß gemacht und waren genau das, was ich mir von diesem Buch erhofft hatte! An der Haupthandlung dürfte aber wohl nur Spaß haben, wer mit Lola klarkommt und das war bei mir leider nicht der Fall. 


Kurzweilige Spaßlektüre für Zwischendurch, bei der mir leider das gewisse Mansell´sche Etwas gefehlt hat.

Inhalt: ♥♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥♥

27.06.2013